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WM: Der wahre Fixpunkt! Er hatte sie doch alle gewarnt

Er hatte sie doch alle gewarnt

Kapitän Rodri ist das "Rückgrat" des spanischen Spiels. Im Finale kann sich für ihn und seinen Trainer Geschichte wiederholen.
Rodri ist Spaniens Mittelpunkt auf dem Rasen
Rodri ist Spaniens Mittelpunkt auf dem Rasen
© IMAGO/Gribaudi/ImagePhoto
Kapitän Rodri ist das "Rückgrat" des spanischen Spiels. Im Finale kann sich für ihn und seinen Trainer Geschichte wiederholen.

War es eine Warnung? Gar eine Drohung? Oder einfach nur das pure Vertrauen in die eigene Stärke? Seine Mannschaft, diktierte Rodri den verdutzten Reportern nach dem Start der K.o.-Runde in die Blöcke, wachse „Schritt für Schritt“ und werde „in den entscheidenden Spielen erst richtig loslegen“. Knapp zwei Wochen später steht Spanien im WM-Finale. Auch dank des Pass-Roboters Rodri, der in Nordamerika das Turnier seines Lebens spielt.

Vor dem Showdown gegen den Titelverteidiger Argentinien reden sie von Lamine Yamal, dem 19-jährigen Zauberfuß. Sie reden vom Torjäger Mikkel Oyarzabal oder Dani Olmo. Doch Rodri ist der wahre Fixpunkt des spanischen Spiels, er entscheidet Spiele eher unsichtbar als spektakulär. Erreicht der Motor von Manchester City auch am Sonntag (21 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) seine volle Drehzahl, stehen die Chancen gut für Spaniens zweiten WM-Titel nach 2010.

„Rodri ist unser Rückgrat“, sagt Luis de la Fuente. Spaniens Nationaltrainer vertraut seinem Mittelfeldspieler blind, Rodri ist de la Fuentes Strippenzieher und verlängerter Arm auf dem Spielfeld. So war es damals in der gemeinsamen Nachwuchszeit, als beide zusammen 2015 in Griechenland die U19 zum EM-Titel führten. So ist es heute, wenn de la Fuente und Rodri am Sonntag auf den Tag genau elf Jahre später erneut eine Trophäe zusammen gewinnen könnten. Den Weltpokal.

Es sind nicht atemberaubende Dribblings oder Tore, die de la Fuente an seinem Lieblingsschüler schätzt. Es ist vielmehr das Gesamtpaket. Rodri ist der Prototyp des modernen Sechsers: ein Balleroberer und Spielmacher und Taktgeber zugleich. Die jüngste Kostprobe seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten gab Rodri bei der spanischen Machtdemonstration im Halbfinale gegen Frankreich (2:0). Für Laien oft unsichtbar, unterband der 30-Jährige mit seiner Spielintelligenz und Ruhe unzählige gegnerische Angriffe und kurbelte sofort die eigene Offensive an.

Rodri nach holpriger Saison in Topform

Hinter Rodri liegt eine holprige Saison. Die Meisterschaft in England ging an den FC Arsenal verloren, mutmaßlich auch, weil Rodri immer wieder von Verletzungen geplagt war und mit den Folgen seines Kreuzbandrisses im September 2024 zu kämpfen hatte. Bei der WM steht er nun wieder fast durchgehend auf dem Platz – und ist auch als Führungspersönlichkeit unverzichtbar. Das richtige Mindset versuchte er seinen Teamkollegen jedenfalls schon vor dem Turnier einzuimpfen.

Rodri forderte Demut und Einsatzbereitschaft. Als Vorbild nannte er Rafael Nadal. In einer Dokumentation über den 22-maligen Grand-Slam-Sieger habe dieser darüber gesprochen, „immer noch eine Anstrengung mehr“ zu liefern: „Genau das zeichnet die größten Champions aus. Wir müssen gegen den Ball mit der Mentalität eines Außenseiters spielen – ohne zu glauben, wir seien ohnehin die Besten.“

Rodri geht mit bestem Beispiel voran und ist längst wieder auf jenem Niveau, das ihm 2024 den Ballon d’Or eingebracht hatte. Er überzeugt mit Physis und Übersicht, verfügt über ein herausragendes Positionsspiel und ist enorm ballsicher. „So eine Leistung von einem Spieler auf dieser Position habe ich live noch nie erlebt“, sagte Österreichs deutscher Teammanager Ralf Rangnick im Turnierverlauf.

Das war übrigens nach dem Spaniens 3:0-Erfolg im Sechzehntelfinale. Seitdem sind wieder drei Spiele vergangenen. Nun kommt es zum Finale. Mit La Roja in Bestform? Es soll bloß niemand sagen, Rodri hätte nicht vor den Spaniern gewarnt.