Erling Haaland erhielt nach seinem Doppelpack beim 2:1-Erfolg gegen Brasilien folgerichtig die Auszeichnung der FIFA zum „Superior Player of the Match“. Doch auch Norwegens Schlussmann Örjan Nyland hätte diese Ehrung mehr als verdient gehabt.
WM-Torhüter-Held ohne Verein: An Angeboten dürfte es nicht mangeln
Der vereinslose WM-Held
Neben Haaland ragte der einst beim FC Ingolstadt degradierte Torwart gegen Brasilien heraus und sicherte das historische Weiterkommen der Norweger. Erst in der 10. Minute der Nachspielzeit musste sich Nyland nach dem zweiten Elfmeter des Tages geschlagen geben.
Bereits in der 14. Minute konnte der 35-jährige Torwart den Elfmeter von Bruno Guimaraes abwehren und somit einen komplett anderen Spielverlauf verhindern. „Wenn man so früh im Spiel einen Elfmeter hält, bekommt man das Gefühl, dass man schwer zu bezwingen ist“, erklärte der Torwart nach dem Spiel in der Mixed-Zone.
Es folgten weitere Paraden und Brasilien fing regelrecht an, am norwegischen Schlussmann zu verzweifeln. Doch das große Highlight kam erst noch.
WM 2026: Nyland mit dem Spiel seines Lebens
„Du bist doch verrückt, was der hält. Eine Weltparade im Rückwärtslaufen“, beschreibt MagentaTV-Kommentator Marco Hagemann die Szene des Spiels.
Es war wohl die bisher spektakulärste Parade bei dieser WM. Verteidiger Kristoffer Ajer geht vor dem Sechzehner mit einer Grätsche dazwischen und befördert dabei den Ball in einem hohen Bogen in Richtung des eigenen Tors.
Nyland muss sich ganz lang machen und lenkt das Leder im Rückwärtslaufen gerade noch mit den Fingerspitzen an den Pfosten.
Dazu muss man wissen, dass Nylands Karriere bislang alles andere als geradlinig verlief – vielmehr glich sie in vielen Phasen dem Albtraum eines jeden Torhüters. Immer wieder fand er sich auf der Bank wieder, während ein Konkurrent den Kasten seines Teams hütete.
2015 verließ Nyland seine Heimat im Alter von 25 Jahren, um in den großen Ligen Europas Karriere zu machen.
Henke spricht über Nylands Zeit in Deutschland
Seine erste Station war der FC Ingolstadt, damals noch in der Bundesliga aktiv. Dort war der Norweger zunächst hinter Ramazan Özcan die Nummer zwei. In die Bundesliga-Saison 16/17 ging Nyland als Stammtorhüter, wurde aber nach neun sieglosen Spielen von Marvin Hitz als Nummer 1 abgelöst.
Co-Trainer in seiner Zeit beim FC Ingolstadt war Michael Henke. Im exklusiven Gespräch mit SPORT1 schwärmt Henke von seinem ehemaligen Schützling: „Nyland war ein toller Typ mit der idealen Torwartfigur. Er bringt eigentlich alles mit, was einen modernen Torhüter auszeichnet: stark bei hohen Bällen, mit großer Präsenz im Strafraum und sehr gut mit dem Ball am Fuß.“
„Vor allem beeindruckt mich, wie stark er sich mental noch einmal weiterentwickelt hat. Man merkt, dass ihn die verschiedenen Herausforderungen und Widerstände in seiner Karriere geprägt haben. Gerade durch diese Erfahrungen scheint er noch stabiler und reifer geworden zu sein“, erklärt Henke weiter.
Nyland auf der Suche nach einem Verein
Seit dem 1. Juli ist Nyland tatsächlich vertragslos. In der abgelaufenen Spielzeit musste der Norweger beim FC Sevilla nach zwei Jahren als Stammtorwart wieder auf die Bank. Sein Vertrag wurde nicht verlängert.
Nach diesen Leistungen dürfte sich ein neuer Arbeitgeber jedoch problemlos finden lassen. „Jeder weiß, wen er anrufen muss, wenn sie jemanden brauchen. Ich denke, das habe ich heute gezeigt.“
Im Viertelfinale wartet der nächste Titelfavorit auf die Norweger. Am Samstag um 23 Uhr (im LIVETICKER) müssen Nyland und Co. gegen England ran. Auch in diesem Spiel will der norwegische Schlussmann seinem Team zum Weiterkommen verhelfen.
„Neben Haaland einer der entscheidenden Spieler“
Henke sieht den 35-Jährigen auf jeden Fall als wichtige Persönlichkeit in der norwegischen Mannschaft.
„Ich glaube, dass er durch seinen Weg eine außergewöhnliche Entwicklung genommen hat. In einer mittlerweile richtig starken norwegischen Mannschaft ist er neben Haaland einer der entscheidenden Spieler und eine wichtige Persönlichkeit.“
Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Nyland noch einmal ein Angebot aus einer großen europäischen Liga erhält. Und wenn er bei der WM weiter so performt, dürfte es auch mit einem Stammplatz klappen.