37 Spiele in Serie ungeschlagen, erst ein Gegentor im gesamten WM-Turnier: Die nackten Zahlen sind beeindruckend. Noch beeindruckender ist aber die Art und Weise, wie „La Roja“ auftritt. Ausgerechnet gegen Frankreich, für viele Experten der Topfavorit auf den Titel, ließen die Spanier nie einen Zweifel daran aufkommen, wer derzeit die beste Mannschaft der Welt ist.
Sie haben genau das, was Julian Nagelsmann gern gehabt hätte
Wer soll diese Spanier besiegen?
Von der ersten Minute an spielte Spanien mit einer Mischung aus purer Überzeugung, unendlicher Aggressivität und taktischer Perfektion. Frankreich bekam kaum Luft zum Atmen. Kaum überquerte ein Gegenspieler die Mittellinie, begann die Jagd. Immer wieder, bis der Ball entweder erobert wurde oder der Gegenspieler kehrtmachen musste.
Genau so wollte Julian Nagelsmann die deutsche Nationalmannschaft sehen – Spanien zeigt, wie dieses Pressing auf absolutem Weltklasse-Niveau funktioniert.
WM: Frankreich muss sich Spanien ergeben
Tiki-Taka? Das war gestern. Ballbesitz ist zwar weiterhin wichtig, aber die Iberer haben diesen Stil weiterentwickelt! Diese Spanier definieren sich über maximale Organisation, eiserne Disziplin und eine Defensive, die nahezu keine Chancen zulässt. Das Motto lautet: Angriff ist die beste Verteidigung. Und das wirkt.
Frankreich ergab sich deshalb gefühlt nach gut 75 Minuten in Dallas. Spätestens da hisste die Équipe Tricolore die weiße Flagge. Ihnen war früh klar: Gegen diese Spanier geht nichts. Am Ende gewinnt eben nicht die beste Offensive, sondern die beste Defensive Meisterschaften und am Ende Titel. Spanien liefert den besten Beweis dafür.
Spanien: Der Star ist die Mannschaft
Die Parallelen zur Weltmeistermannschaft von 2010 sind unverkennbar. Damals kassierte Spanien auf dem Weg zum Titel nur zwei Gegentore. Auch die aktuelle Mannschaft ist ein Bollwerk. Doch nicht nur die letzte Abwehrreihe oder Unai Simón sind dafür verantwortlich, sondern die ganze Truppe. Das Kollektiv funktioniert.
Rodri dirigiert das Spiel mit einer Selbstverständlichkeit, die selbst die spanische Marca als „kolossal“ beschreibt. Der erst 19-jährige Pau Cubarsí meldet Weltstars wie Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé nahezu komplett ab. Dani Olmo scheint acht Augen im Hinterkopf zu haben.
Und mit Marc Cucurella, der in Deutschland in Ungnade gefallen ist, haben sie den wohl besten Linksverteidiger des Turniers. Man könnte ewig weitermachen, aber der Star ist – so abgedroschen es klingen mag – die Mannschaft.
Lamine Yamal als bestes Beispiel für den Charakter des Teams
Dass das spanische Wunderkind Lamine Yamal bei diesem Turnier noch nicht seine Topform erreicht hat, klingt wie eine Drohung. Doch auch der extrovertierte 19-Jährige stellt sich komplett in den Dienst der Mannschaft, rackert, beißt und grätscht zur Not auch Mbappé rüde um – das gehört sonst absolut nicht zu seinem Spiel. Aber auch er weiß genau, was der Trainer von jedem Einzelnen erwartet.
Die Spieler folgen Luis de la Fuente aufs Wort, vertrauen ihm blind. Der 65-Jährige kennt die meisten Spieler schon aus den U-Nationalmannschaften. Dieses Verhältnis trägt jetzt die größten Früchte.
Das Selbstbewusstsein und Selbstverständnis, das die spanische Mannschaft von Spiel zu Spiel trägt, ist grenzenlos. Da kann sich sogar Yamal einen provokanten Post vor der Partie erlauben. Sie wissen: Wenn sie das machen, was sie immer machen, gehen sie als Sieger vom Platz. Am Sonntag trifft Spanien im Finale auf England oder Argentinien (Das 2. Halbfinale der WM ab 21 Uhr im LIVETICKER).
Für die Prognose, dass „La Roja“ den WM-Pokal in die Höhe stemmt, braucht es derzeit nicht viel Fantasie. Zu dominant, zu abgeklärt und vor allem zu komplett präsentiert sich diese Mannschaft. Der Topfavorit auf den Titel steht längst fest. Denn: Wer soll diese Spanier schon schlagen?