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Golf-Streit eskaliert weiter - Superstar Rory McIlroy legt wegen Saudi-Tour LIV nach

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Golf-Streit eskaliert weiter - Superstar Rory McIlroy legt wegen Saudi-Tour LIV nach

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Golfstreit eskaliert weiter

Golfstreit eskaliert weiter

Die Einführung der Saudi-Tour LIV hat die Golfwelt ins Wanken gebracht. Vor dem ersten Wiedersehen mit deren umstrittenen Teilnehmern spricht Superstar Rory McIlroy seine Enttäuschung aus.
Phil Mickelson nimmt trotz LIV-Teilnahme an den US Open teil. Rory McIlroy zeigte sich enttäuscht über die Herangehensweise des Amerikaners und kritisiert ihn öffentlich.
Niklas Trettin
Niklas Trettin

Die erste Ausgabe der höchst umstrittenen neuen Saudi-Tour LIV steht in den Geschichtsbüchern - heftige Diskussionen werden aber wohl noch lange Teil der Golfszene bleiben.

Wegen beispiellos hoher Preisgelder ist die Serie finanziell extrem attraktiv und für das Niveau der traditionellen PGA-Veranstaltungen unerreichbar. Seit Entstehung der Konkurrenzserie ist die Eliteklasse des Golfsports tief gespalten.

Die PGA reagierte ohne zu zögern und schloss die 17 Teilnehmer der Saudi-Tour, darunter US-Topstar Phil Mickelson und den einstmals besten deutschen Profi Martin Kaymer, von ihren Wettbewerben aus.

Nun treffen die Streitparteien bei den US Open erstmals wieder aufeinander: Dort dürfen alle Spieler antreten, weil das Turnier nicht von der PGA, sondern vom US-Golfverband ausgerichtet wird. Dabei flogen prompt die ersten Giftpfeile.

McIlroy mit einer etwas anderen Art von Verständnis

In einer Medienrunde vor dem Turnierauftakt äußerte sich der vierfache Major-Champion Rory McIlroy verständnisvoll, dass die alternden Spieler das finanziell lukrative Angebot von LIV Golf angenommen haben.

„Ich verstehe das, weil viele dieser Spieler in ihren späten Vierzigern sind. In Phils (Mickelson, Anm. d. Red.) Fall sogar in den Fünfzigern. Ich denke, dass jeder hier im Raum sagen würde, dass ihre besten Tage bereits vorbei sind“, stichelte der 33-Jährige in Richtung Mickelson und Co.

Er machte jedoch auch klar, dass er seine Kollegen trotz des Unverständnisses nicht eines Besseren belehren kann: „Wer bin ich, dass ich hier oben sitze und Phil eine Lektion erteile, wie man Dinge tut?“

„Er hat eine wunderbare Karriere hinter sich“, ergänzte er, „als Golfer habe ich sehr großen Respekt vor ihm. Ich bin aber enttäuscht, wie er mit dem umgegangen ist, was er getan hat. Aber ich denke, dass er bei seiner Rückkehr etwas Reue gezeigt hat. Ich denke daher, dass er daraus gelernt hat.“

McIlroy kritisiert Johnson und Co.

Deutlich härter kritisierte der Nordire die junge Garde um Dustin Johnson, Bryson DeChambeau und Pat Perez: „Ich habe es nicht verstanden, warum Spieler in meinem Alter dorthin gegangen sind, denn ich denke, dass meine besten Tage noch vor mir liegen, wie es auch bei ihnen der Fall ist. Deswegen fühlt es sich so an, als ob sie einen einfachen Ausweg genommen haben.“

Besonders sauer stößt ihm dabei auf, dass sie der PGA-Tour zunächst ihre Treue geschworen und schließlich ihre Meinung doch geändert hatten. „Ich schätze, ich habe die Aussagen vieler Spieler für bare Münze genommen“, sagte der US-Open-Sieger von 2011 und ergänzte: „Ich habe sie beim Wort genommen, das war falsch.“

Die ersten Millionen sind bei der Premiere der höchst umstrittenen neuen Saudi-Tour LIV verteilt worden, die Golf-Welt ist gespalten.
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Großer Geldregen! Saudi-Tour LIV spaltet Golf-Welt

Auch Familien und Freunde der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 haben sich zuletzt empört gezeigt, weil Mickelson und die anderen Golfer unzählige Millionen Dollar an Vertragsprämien von der LIV-Series annehmen, die wiederum von Saudi-Arabiens Public Investment Fund finanziert wird.

Es sei zwar schwierig, derzeit zwischen Sport sowie Politik zu differenzieren und „schmutziges Geld von sauberem Geld“ zu trennen, dennoch verstehe McIlroy, weshalb die Überlebenden von 9/11 und die Familien der Opfer so aufgebracht seien.

„Wie man sich bettet, so liegt man“

McIlroys langjährige Freunde und ehemalige Ryder-Cup-Teamkollegen Ian Poulter, Lee Westwood und Graeme McDowell, die letzte Woche ebenfalls bei der Eröffnungsveranstaltung von LIV Golf in London spielten, wolle er nicht der saudischen Sportwäsche bezichtigen.

„Ich glaube nicht, dass sie mitschuldig sind“, sagte McIlroy. „Sie alle haben die Wahl, dort zu spielen, wo sie spielen wollen und haben ihre Entscheidung getroffen. Mein Vater sagte vor langer Zeit zu mir: ‚Wie man sich bettet, so liegt man‘, und sie haben sich ihr Bett gemacht. Das ist ihre Entscheidung, und damit müssen sie leben.“

Ein eigener Start bei der Saudi-Tour LIV ist für McIlroy selbst nach wie vor keine Option.

Seine Sichtweise verbindet der 33-Jährige auch mit Dankbarkeit und Anstand: „Die PGA-Tour wurde von Leuten gegründet, die vor uns da waren, wie Jack Nicklaus und Arnold Palmer. Sie haben etwas geschaffen und hart dafür gearbeitet. Ich sehe es nicht gerne, wie all die harte Arbeit, die sie investiert haben, einfach ins Leere läuft.“

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