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Der spätberufene „Porto-Exot“

Der spätberufene „Porto-Exot“

Djibril M‘Bengue debütierte erst mit 29 Jahren in der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Nun startet der Linkshänder in sein erstes großes Turnier.
Starker Auftritt der deutschen Handball-Nationalmannschaft im letzten Härtetest vor der Europameisterschaft: Gegen Rekord-Weltmeister Frankreich trumpft das DHB-Team in den Schlusssekunden auf.
Stefan Junold
Stefan Junold
Christian Paschwitz
Christian Paschwitz
von Stefan Junold, Christian Paschwitz

Seit vergangenen Herbst schallt des Öfteren der Name „Djibi“ durch die Räume, in denen sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft aufhält.

Auf diesen Spitznamen hört Djibril Omar M‘Bengue, der erst am 5. November 2021 sein Debüt für das DHB-Team gegeben hat - und das im Alter von 29 Jahren. (NEWS: Alles Wichtige zum Handball)

Der 1,95-Schlaks wurde plötzlich gebraucht, nachdem Steffen Weinhold nach den Olympischen Spielen zurückgetreten war und ein Platz im Kader von Bundestrainer Alfred Gislason im rechten Rückraum frei wurde.

Wiede macht Weg für M‘Bengue in EM-Kader frei

Als auch noch Fabian Wiede verkündete, auf die EM in Ungarn und der Slowakei zu verzichten, war klar: M‘Bengue wird noch dringender gebraucht. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Handball-EM)

Nun steht der Spätberufene also im deutschen Aufgebot, das die Reise nach Bratislava angetreten hat. In den Testspielen gegen die Schweiz und Frankreich hat der gebürtige Schwabe schon angedeutet, dass er Kai Häfner auf der rechten Achse würdig vertreten kann.

„Djibi gibt Gas, macht bislang einen guten Job, und das wird er hoffentlich auch bei der EM zeigen“, sagte Häfner bei SPORT1 über seinen Positionskollegen.

Das verbindet Häfner und M‘Bengue

Die beiden Linkshänder haben beim selben Verein das Handballspielen gelernt.

„Auch wenn wir da nie zusammen gespielt haben, hatten wir mit dem TSB Schwäbisch Gmünd den gleichen Verein in der Jugend, das verbindet natürlich“, berichtet Häfner, der drei Jahre älter ist als M‘Bengue und mit seinen 114 Einsätzen ganze 110 Länderspiele mehr vorzuweisen hat als der Newcomer.

„Er bringt sich super ein, hat viel Selbstbewusstsein, und nicht zuletzt hat er handballerisch die Fähigkeiten, die uns helfen, erfolgreich zu sein“, lobt der Mann von der MT Melsungen M‘Bengue.

M‘Bengue wechselt von Stuttgart nach Porto

Der Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen hat einen besonderen Karriereverlauf hinter sich. Ab 2013 lief M‘Bengue für den heutigen Bundesligisten TVB Stuttgart auf, nachdem er davor viele Jahre in Schwäbisch Gmünd verbracht hatte.

In den Dunstkreis der Nationalmannschaft gelangte er nie, obwohl die Stuttgarter 2015 den Sprung ins deutsche Oberhaus schafften.

Was für ein Spiel: Das DHB-Team bezwingt Frankreich im letzten EM-Test. Bundestrainer Alfred Gislason nimmt eine Auszeit, die er eigentlich gar nicht zu brauchen scheint.
02:41
Zu gut gespielt! Bundestrainer entschuldigt sich für Auszeit

2018 wagte M‘Bengue den Schritt ins Ausland - auch weil ihn mehrere Verletzungen zurückwarfen und die HBL-Vereine keine passende Option boten. Der Rückraumshooter heuerte beim portugiesischen Top-Klub FC Porto an und gewann dort zweimal Meisterschaft und Pokal.

Seither trägt der 29-Jährige nicht nur den Spitznamen „Djibi“, sondern wird auch hin und wieder „Porto-Exot“ gerufen. „Unser Exot aus Porto. Das kommt ihm schon langsam aus den Ohren raus, weil er - egal, ob beim Essen oder Kaffee rinken - immer vom Leben in Porto berichten muss. Er ist ein cooler Typ mit feinem Charakter“, sagte Timo Kastening kürzlich über M‘Bengue. (Die Handball-EM im LIVETICKER)

BHC freut sich auf Neuzugang im Sommer

In der laufenden Saison gewann er mit Porto in der Champions League unter anderem gegen die SG Flensburg-Handewitt.

In diesen Sphären wird ab Sommer allerdings Schluss sein. Denn M‘Bengue kehrt nach Deutschland zurück und wird ab der Saison 2022/23 für den Bergischen HC auflaufen.

„Mit Djibril gewinnen wir einen wurfstarken Angreifer, der zudem über eine hohe Passsicherheit und ein gutes Auge verfügt. Seine Deckungsqualität macht ihn zu einem kompletten Spieler“, schwärmte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste nach der Verpflichtung des Neu-Nationalspielers.

Möglicherweise darf sich der Klub aus Wuppertal und Solingen sogar auf einen EM-Star freuen. (DATEN Tabellen der Handball-EM)

Alles zur Handball-EM 2022 auf SPORT1: