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"Haben Tacheles gesprochen" - Krisensitzung beim DHB-Team

Krisensitzung beim DHB-Team

Nach dem entscheidenden Sieg gegen Spanien berichtet die DHB-Mannschaft offen über Krisensitzungen bei der Handball-EM.
Linksaußen Lukas Mertens bei der Handball-EM
Linksaußen Lukas Mertens bei der Handball-EM
© IMAGO/SID/Maximilian Koch
Nach dem entscheidenden Sieg gegen Spanien berichtet die DHB-Mannschaft offen über Krisensitzungen bei der Handball-EM.

Dem Einzug von Deutschlands Handballern in die EM-Hauptrunde sind offenbar deutliche Worte innerhalb der Mannschaft vorangegangen.

„Wir haben uns zusammengesetzt, wir haben Tacheles gesprochen, wir haben gesagt, was schlecht war, und auch wirklich Kritik ausgeübt“, berichtete Linksaußen Lukas Mertens über die Einstimmung auf das am Ende siegreiche Duell mit Spanien.

Noch bis tief in die Nacht hatten sich Teile der Mannschaft unter anderem im Physioraum im Teamquartier in Silkeborg zusammengesetzt und die vorherige Niederlage gegen Serbien (27:30) aufgearbeitet.

Mertens erst um 3 Uhr im Bett

Er sei selbst, berichtete Magdeburgs Mertens nach dem so wertvollen 34:32 (17:15) gegen Spanien, erst um 3 Uhr im Bett gewesen und habe „nicht so viel Schlaf bekommen, weil wir darüber gesprochen haben. Das hat es ausgemacht.“

Auch Spielmacher Juri Knorr lobte das Feuer, das im deutschen Team durch die überraschende Niederlage wohl erst wirklich entzündet wurde. „Wir brauchen dieses Leben in der Mannschaft, wir brauchen auch Frust, wir brauchen Freude, wir brauchen viele Emotionen, damit sowas wie heute zusammenkommen kann“, sagte der 25-Jährige am späten Montagabend. „Wir sind nicht die beste Mannschaft der Welt, wir sind eine gute Mannschaft. Wir brauchen diese Energie.“

Knorr hatte nach der Serbien-Partie mit seiner Kritik an Bundestrainer Alfred Gislason für reichlich Wirbel gesorgt. Mit dem Hauptrunden-Ticket und 2:0 Punkten in der Tasche fanden der Mittelmann und auch Gislason versöhnliche Töne.

„Alfreds Ego-freier Führungsstil“

„Ich rechne ihm das hoch an, dass er nichts persönlich nimmt. Er hat ja kein großes Ego, er stellt den Erfolg über alles, er will, dass wir reden und über Dinge sprechen“, sagte Knorr, der bei „Alfred eine andere Lockerheit gemerkt“ habe: „Das hat sich vielleicht auf uns übertragen.“

Gislason versicherte, „überhaupt kein Problem“ mit Knorr, der gegen Spanien fünfmal traf, zu haben. „Wir sprechen uns regelmäßig aus. Alle werden gefordert, ihre Meinung zu sagen“, sagte der 66-Jährige im ZDF: „Das war nie ein Problem. Wir haben es sehr gut geschafft, den Druck von der Mannschaft wegzunehmen.“

Zitterrunde als Startschuss zur Siegesserie?

Das glückliche Ende einer nervenaufreibenden Vorrunde (Gislason: „Die Mannschaft hat schon sehr gelitten“) soll nun der Anfang für einen Erfolgslauf in den weiteren Kracherspielen werden. „In so einem schwierigen Spiel so zu bestehen, ist eine riesige Erfahrung für die Jungs und müsste ihnen extrem viel Selbstvertrauen geben, was sie alles können“, sagte Gislason.

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Zum Hauptrundenauftakt dürfte am Donnerstag der absolute Topfavorit, Olympiasieger und Weltmeister Dänemark, warten. Weitere feststehende Gegner sind Titelverteidiger Frankreich und Norwegen. Vierter Gegner wird der WM-Vierte Portugal oder Nordmazedonien sein.

Gislason hatte gegen Spanien, anders als gegen Serbien, auf fast die gesamte Breite seines Kaders zurückgegriffen. Insbesondere der Angriff lief auf Hochtouren und fand gegen die Spanier - einst deutscher Angstgegner - immer ein Mittel. Am Ende stand der vierte Pflichtspielsieg gegen die Iberer in Folge. „Das ist ein Riesenschritt für eine junge Mannschaft. Es ist ein bisschen wie Olympia“, sagte Gislason und schwärmte von der „besten Angriffsleistung“ seit den Sommerspielen.