Was Alfred Gislason wohl durch den Kopf gegangen sein mag, als er dieses Wort gehört hat?
Als Gislason im ZDF-Sportstudio das Wort "Experten" hört, lächelt er süffisant
Vielsagender TV-Moment mit Gislason
Der Handball-Bundestrainer war eine Woche nach dem Silber-Coup bei der EM zusammen mit seinem Spieler Julian Köster zu Gast im ZDF-Sportstudio – und wurde dabei von Moderator Sven Voss mit einer ironischen Bemerkung kurz aufs Glatteis geführt.
ZDF Sportstudio: „Sie sind ja ein Freund von Experten“
„Sie sind ja auch ein Freund von Experten, die was über Handball sagen“, leitete Voss ein Segment des Interviews ein – und entlockte Gislason damit ein süffisantes Lächeln.
Wie sich dann zeigen sollte, leitete Voss damit nicht zu einem Gespräch über Gislasons Stunk mit den Ex-Nationalspielern Stefan Kretzschmar, Michael Kraus und Pascal Hens über – sondern ließ ein Video des dänischen Ex-Nationalspielers Lasse Svan einspielen.
Der langjährige Bundesliga-Profi der SG Flensburg-Handewitt gratulierte Gislason zur Vize-Europameisterschaft hinter seinem Heimatland Dänemark und verlor viele lobende Worte über Gislasons Arbeit.
„Wie du deine Mannschaft nach der Vorrunde wieder aufgebaut hast und dann ins Finale geführt hast: überragend gemacht“, verneigte sich der Olympiasieger von 2016 – und bezeichnete Deutschland mit Blick auf die Heim-WM 2027 als „ersten Herausforderer“ der Dänen.
Gislasons Streit mit Kretzschmar, Kraus und Hens
Gislason war sichtlich geschmeichelt. Allerdings kam Voss am Ende des Gesprächs dann noch noch einmal auf die Verbalscharmützel des Isländers mit den Experten zu sprechen.
Damit konfrontiert hob Gislason zu einer grundsätzlichen Kritik an. „Ich musste das loswerden. Ich kenne die Jungs auch ganz gut. Aber ich finde, die Medienlandschaft hat sich so verändert in der letzten Zeit“, sagte er.
Gislason übt Kritik an den neuen Medien
Da gebe es die traditionellen Zeitungen und die öffentlich-rechtlichen Sender auf der einen Seite, erklärte er: „Und dann gibt es die anderen - nicht nur den Podcast, den ich da angeschossen habe -, bei denen es zu einem Geschäft geworden ist. Schlagzeilen und Kritik sind ein Business-Plan geworden. Je größere Schlagzeilen du lieferst, desto besser. Das ist nicht immer gerecht. Für mich ist es nicht so wichtig. Aber das stört schon die Mannschaft.“
Damit bezog er sich noch einmal auf das Gespräch nach der EM mit der Bild, als er mit seinen zahlreichen Kritikern abgerechnet hatte.
Er sprach von „Selbstdarstellern“, die jederzeit dazu bereit seien, „uns ans Bein zu pinkeln“ – und kritisierte Podcaster mit unzureichendem Sachverstand: „Keiner von denen war jemals Trainer. Ich kenne deren taktisches Verständnis. Und keiner von denen hat damals in der Abwehr gestanden.“
Gemeint waren sehr offensichtlich die Ex-Nationalspieler Kretzschmar, Hens und Kraus, die im Dyn-Podcast „Harzblut“ teils scharfe Kritik an ihm geübt hatten – und die er mit seiner Kritik zu einem erneuten Echo veranlasst hatte.
Am Ende aber gab er sich im Sportstudio versöhnlich. Als ein Foto von ihm und Kretzschmar eingeblendet wurde, auf dem beide in inniger Pose zu sehen sind, lachte Gislason und sagte: „Wir haben sehr lange zusammengearbeitet. Und ich muss sagen, ich liebe Kretzsche auch.“