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Michael Kraus im SPORT1-Interview

"So viel Gegenwind geht gar nicht"

Der freigesprochene Michael Kraus spricht im SPORT1-Interview über Beleidigendes im Internet, sein Verhältnis zum Deutschen Handballbund und Dopingkontrollen morgens um Sechs.
Michael Kraus
Michael Kraus
© Getty Images
Der freigesprochene Michael Kraus spricht im SPORT1-Interview über Beleidigendes im Internet, sein Verhältnis zum Deutschen Handballbund und Dopingkontrollen morgens um Sechs.

Was musste Michael Kraus in den vergangenen Wochen nicht alles über sich ergehen lassen.

Der 30-jährige Spielmacher Frisch Auf Göppingens wurde von der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Handballbundes (DHB) vorläufig gesperrt, weil er sich mutmaßlich eines Kontrollvergehens schuldig gemacht haben soll.

Weil er ein Nationalspieler ist, muss der Weltmeister von 2007 vor Beginn eines Quartals zum jeweils 25. eines Monats zu Hause am Computer Angaben über Aufenthaltsort und Erreichbarkeit in das sogenannte Anti-Doping Administrations & Managment System (ADAMS) eingeben.

Anti-Dopingkontrolleuren soll so ihre Arbeit erleichtert werden. Das System der permanenten Kontrolle deutscher Spitzensportler zieht aber auch teils harsche Kritik nach sich.

Anschuldigung ein Trugschluss

Kraus soll dreimal gegen die Meldepflicht verstoßen haben. Ein Trugschluss. Beim mutmaßlich dritten Vergehen funktionierte schlichtweg die Klingel an seinem neu gebauten Haus nicht. Doch Kraus durfte vorläufig nicht seinen Beruf ausüben. Es drohte eine Karriereknick.

Im SPORT1-Interview spricht Kraus nach seinem Freispruch über voreilige Beleidigungen im Internet, sein Verhältnis zum DHB nach scharfer Kritik und Dopingkontrollen morgens um Sechs.

SPORT1: Herr Kraus, Sie wurden sozusagen freigesprochen. Glückwunsch.

Michael Kraus: Das ist richtig, vielen Dank.

SPORT1: Was überwiegt nun: Die Erleichterung über die Entscheidung der Anti-Doping-Kommission oder die Enttäuschung über den ganzen Stress?

Kraus: Ich denke durchweg positiv, daher bin ich jetzt froh und erleichtert meiner Leidenschaft wieder ordentlich nachgehen zu können und meinem Heimatverein Göppingen, der mich so gestärkt hat in den letzten Wochen, etwas zurückzahlen zu können.

SPORT1: Die Geschichte rief Ihre Kritiker auf den Plan -mal wieder. Jetzt stellt sich das Ganze als Banalität heraus, weil Ihre Hausklingel nicht funktioniert haben soll.

Kraus: Dass ich polarisiere weiß ich, diese Themen greifen die Medien exemplarisch ja auch gerne immer mal wieder auf. Für mich zählt aber nur wer zu mir hält, auch in schlechten sportlichen und privaten Phasen.

SPORT1: Es fielen Begriffe wie "Schluderer" und "Schussel". DHB-Präsident Bernhard Bauer sagte, Sie seien immer noch nicht richtig erwachsen. Schwindet da nicht die Lust, sich das Nationaltrikot wieder überzustreifen?

Kraus: Soviel Gegenwind kann ich gar nicht bekommen, dass ich die Lust am Nationaltrikot verliere. Bezüglich des Themas Schluderer und Schussel, wäre es glaube ich jetzt sehr erwachsen, dies einfach umkommentiert zu lassen und das möchte ich gerne hiermit tun.

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SPORT1: Auf den Social-Media-Kanälen des Vereins mussten Sie selbst wüste Beleidigungen über sich ergehen lassen. Da werden Sie vorverurteilt und hinterher kommt raus, dass Sie nicht gesperrt werden.

Kraus: Online ist es einfacher, negative Dinge zu verbreiten. Das fällt den Leuten leichter und dieses Phänomen verstehe ich auch. Da ich neben meinem Sport auch als Person in Medien wahrgenommen werde, muss ich mit so etwas umgehen können.

SPORT1: Andere Fans wiederum beschwerten sich, dass Deutschlands derzeit bester Handballer durch das Verfahren "auf Eis gelegt" werde. Eine Genugtuung?

Kraus: Genugtuung verspüre ich nicht im geringsten. Ich liebe meinen Sport und möchte immer das beste dafür geben. Wenn mir das gelingt, bin ich froh und glücklich und unsere Fans sicherlich auch.

SPORT1: Auch aus dem Spitzensport kam Unterstützung: Basketballnationalspieler Per Günther kritisierte das System der Kontrolle scharf. Wie ist das, wenn morgens um um sechs Uhr die Kontrolleure vor der Haustür stehen?

Kraus: Vielleicht ist es hier mit einer Gegenfrage gut beantwortet. Wie fühlen Sie sich denn, wenn es morgens um sechs Uhr bei Ihnen an der Haustüre klingeln würde und Sie aus dem Tiefschlaf gerissen werden, ohne dass Sie jemanden erwarten?

SPORT1: Es drohte Ihnen zudem eine lange Sperre. Sie durften Ihren Beruf vorübergehend nicht ausüben. Ganz im Ernst, hatten Sie Angst um den weiteren Verlauf Ihrer Karriere?

Kraus: Als Sportler hat man die Dinge gerne selber in der Hand und daher gibt es schöneres als auf solche Entscheidungen zu warten. Wir haben viel im Team mit meinem Management, meinem Rechtsberater, meiner Freundin und auch mit meinen Freunden und meiner Familie gesprochen. Das hat enorm geholfen.

SPORT1: Sie haben einmal gesagt, dass man das Leben mit Humor und Liebe nehmen soll. Und nach dieser Geschichte gehen Sie weiter so unbeschwert durch die Handballbranche?

Kraus: Das Leben ist ein Lernprozess, dennoch werde ich mir sicherlich nicht meinen Humor und meine Liebe nehmen lassen. Schließlich sind das aus meiner Sicht Eigenschaften, die mich auszeichnen.

SPORT1: Gründe für Motivation gibt es genügend: Frisch Auf erwischte einen tollen Saisonstart. Im Januar steht die WM an. Und Sie greifen wieder voll an?

Kraus: Jetzt bin ich erst einmal wieder froh im regulären Spielbetrieb mitwirken zu können. Alles andere wird sich ergeben und bis dahin werde ich weiter hart an mir arbeiten.