Hallo Handball-Fans,
SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar über Alfred Gislason, Filip Jicha und Patrick Wiencek
"Spitze gegen Jicha ist unnötig"
Kreuzbandriss bei Patrick Wiencek, Uwe Gensheimers Wechsel zu PSG und Alfred Gislasons Nachtreten gegen Filip Jicha - schon vor dem Kracher Rhein-Neckar Löwen gegen THW Kiel (ab 18.50 Uhr im LIVESTREAM und ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) ist in der DKB Handball-Bundesliga mächtig was los.
Gerade, dass Gislason im Nachhinein noch eine Spitze gegen Jicha setzt, ist überflüssig. Die Entscheidung über den Transfer wurde jetzt so getroffen und es wurde viel Geld in die Kieler Kassen gespült.
Der Wechsel war Jichas Wunsch und er hat jahrelang seine Gesundheit hintenangestellt - ich erinnere nur an den Meisterschaftskampf vor zwei Jahren, als er sich trotz Sprunggelenksverletzung durchgebissen hat.
Er ist ein Musterprofi und muss sich von Kiel nichts vorwerfen lassen. Jicha hat die Mannschaft getragen, und den Verein dann zu bitten, ihn gehen zu lassen, ist legitim.
Natürlich ist Gislason wegen der personellen Lage genervt. Er hat zwar immer noch Weltklassespieler, aber keinen großen Kader zur Verfügung. In der Breite sind die Löwen und auch Flensburg etwas besser aufgestellt. Da darf den Topspielern nichts passieren und in dieser Anspannung fällt dann mal so ein Satz. Ich glaube nicht, dass Alfred das so böse gemeint hat.
Der Ausfall von Wiencek trifft den THW hart. Der Kreuzbandriss ist tragisch - zuerst einmal für Patrick, dem ich auf diesem Wege alles Gute wünsche, aber natürlich auch für den THW und die Nationalmannschaft, der er bei der EM im Januar fehlen wird.
Leider nehmen die Verletzungen, gerade was Kreuzbandrisse angeht, in den letzten Jahren überdimensional zu.
Wiencek ist ein wichtiger Baustein in Angriff und Abwehr. Im DHB-Team haben wir noch ein oder zwei Kreisläufer, die das kompensieren können, aber wenn solche Führungsspieler ausfallen, ist das immer bitter.
Der THW hat mit Rene Toft Hansen jetzt nur noch einen Kreisläufer, weil Rodrigo Moraes Ferreira bei der Militär-WM spielt.
Kiel muss jetzt natürlich über eine Nachverpflichtung nachdenken und den Markt sondieren, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt natürlich schwierig wird, hochkarätigen Ersatz zu bekommen. Ob sie für diesen Zeitraum noch einen Routinier holen oder auf einen Nachwuchsspieler setzen, ist die Frage. Die finanziellen Mittel, um zu reagieren, hat der THW.
Gensheimers Wechsel zu PSG wird dagegen keinen Schatten auf das Spiel werfen.
Die Fans werden sicher emotional sein und sich ärgern, dass der beste Linksaußen der Welt - gleichzeitig Sohn der Region und Aushängeschild des Vereins - in die Metropole nach Paris geht.
Aber Uwe will sich mit einem Titel verabschieden und wird umso motivierter sein. Er hat rechtzeitig bekannt gegeben, dass er geht, den Löwen jahrelang die Treue gehalten, tolle Leistungen abgeliefert und sich zum Anführer dieser Mannschaft entwickelt. Er muss kein großes Pfeifkonzert befürchten.
Auch von seinen Mannschaftskameraden wird er nicht so viel Kritik ernten, weil jeder diesen Schritt nachvollziehen kann. Den Wechsel muss man ihm jetzt zugestehen und das Publikum wird seine Leistungen auch honorieren.
Bis zum nächsten Mal,
Euer Kretzsche
Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.