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Hanning fürchtet Mannschaftssterben

Hanning fürchtet Mannschaftssterben

Für die deutschen Handballer wird es bei der Olympia-Qualifikation in Berlin ernst. DHB-Vizepräsident Bob Hanning blickt aber auch schon weiter in die Zukunft.
DHB-Vizepräsident hat trotz des schwachen Abschneiden der Nationalmannschaft bei der WM das Ziel Olympia-Gold ausgesprochen. Ist dieser Schritt total absurd oder genau richtig?
. SPORT1
von Alexandra Müller
am 10. März

Für die deutschen Handballer steht nach dem historisch schlechten 12. Platz bei der Handball-WM ab Freitag die enorm wichtige Olympia-Qualifikation an.

Dennoch wirf man im DHB-Lager auch schon einen Blick in die Zukunft. Vizepräsident Bob Hanning sieht den Olympischen Spielen in Japan positiv entgegen - zumindest was die Austragung betrifft.

"Ich gehe fest davon aus, dass die Olympischen Spiele stattfinden", erklärte Hanning am Mittwoch in einer digitalen Medienrunde auf SPORT1-Nachfrage und ging sogar noch einen Schritt weiter: "Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir die Olympischen Spiele vor Zuschauern sehen werden."

Hanning äußert sich zur Olympia-Kritik

IOC-Präsident Thomas Bach hatte ebenfalls am Dienstag ein klares Bekenntnis zu den Spielen in Japan abgegeben: "Tokio bleibt die am besten vorbereitete Stadt. Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, das die Eröffnungszeremonie am 23. Juli in Tokio stattfinden wird."

Auch zur Kritik, welcher er sich aussetzten musste, nachdem er bei der WM im Januar erneut Gold als Ziel bei den Olympischen Spielen ausgegeben hatte, äußerte sich Hanning. "Ganz ehrlich Kritik gibt es ja schon seit acht Jahren an fast jeder Aussage. Daran habe ich mich gut gewöhnt", so der Essener.

SPORT1 fasst weitere Stimmen zusammen.

Bob Hanning (DHB-Vizepräsident) über:

... die Qualität der deutschen Mannschaft: "Ich freue mich, dass es am Wochenende um die Wahrheit geht. Ich habe sehr ruhig und entspannt geschlafen und auch noch nicht so aufgeregt auf das ganze Thema geschaut. Ich glaube, dass wir trotz der Verletzung von Paul (Drux; Anm. d. Red.) eine sehr gute Mannschaft auf die Beine stellen können, die den sportlichen Erwartungen, die wir alle haben, auch gerecht werden können."

Hanning: "Wird auf Defensive und Torwart ankommen"

... die Belastung: "Man wird sehen müssen, dass man sich eine optimale Ausgangslage erarbeitet. Zu sagen, ich verteile Spielanteile von Anfang an, um dann die Kraft hinten raus zu haben, wird nicht funktionieren. Das Risiko ist zu groß. Für uns gilt es trotzdem, die Breite des Kaders auszunutzen. Aber wir müssen sehen, dass wir über eine komprimierte Abwehr kommen und dann in den Gegenstoß kommen und uns so die Kraft sparen, indem wir nicht über den Positionsangriff kommen müssen. Diese Tore sind etwas weniger kräfteraubend, als wenn du jedes Tor hart erarbeiten musst. Deswegen wird es sicherlich auf die Defensive und den Torwart ankommen."

... den Stellenwert der Olympia-Qualifikation: "Das ist natürlich in vielfacher Sicht ein elementar wichtiges Turnier. Wir wollen die Präsenz unserer Sportart. Wir wollen an den Olympischen Spielen teilnehmen, das muss unser Anspruch sein. Das ist auch der Wunsch aller Beteiligten. Jeder wird auch alles dafür tun. Ich bin guter Dinge, dass wir das jetzt mit dem stärksten Kader - außer Paul fällt niemand aus - tun sollten."

... den Heimvorteil: "Alle Bundesligaspieler kennen diese Halle sehr gut. Man hat also ein Gefühl für diese Halle und man ist in seinem gewohnten Umfeld. Von daher ist natürlich ein Heimvorteil da. Aber der hat nicht im Ansatz die Aussagekraft, wie wenn wir 9000 Zuschauer hätten."

... die Kritik am Gold-Ziel: "Ganz ehrlich Kritik gibt es ja schon seit acht Jahren an fast jeder Aussage. Daran habe ich mich gut gewöhnt und kann versprechen, dass ich das auch noch bis November durchhalte. Die Zielsetzung, sportlich erfolgreich zu sein, haben wir schon vor sieben oder acht Jahren artikuliert. Jetzt weiß ich nicht, wieso man von diesem Ziel abweichen sollte, nur weil man ihm näherkommt. Auf der anderen Seite ist auch klar, dass es jetzt erstmal gilt, sich zu qualifizieren und das Augenmerk in den nächsten Tagen nur auf die Qualifikation zu richten. Ich bin das bei der WM gefragt worden und stehe auch zu 100 Prozent dazu. Aber ich finde, dass es in der Tat jetzt unangebracht, über etwas zu reden, wofür man sich in diesem Moment noch nicht qualifiziert hat. Es war ein Langzeitziel und dabei bleibt es. Eine deutsche Mannschaft stellt sich immer dem Anspruch einer Medaille."

Hanning glaubt an Olympia mit Fans

... die Austragung der Olympischen Spiele: "Ich gehe fest davon aus, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Das ist ja auch sportpolitisch so gewollt. Wir haben bereits in Ägypten gesehen, dass man das auch halten kann, wenn man gut vorbereitet ist. Ich bin mir sicher, dass wir schon unglaublich viele Geimpfte sehen werde, wenn die Olympischen Spiele losgehen. Ich glaube, dass es (Coronavirus; Anm. d. Red) dann nicht mehr eine so gravierende Rolle wie jetzt spielen wird. Das wünsche ich mir von Herzen. Ich bin sogar zuversichtlich, dass wir die Olympischen Spiele vor Zuschauern sehen werden. Ich habe immer gesagt, dass wir von oben nach unten impfen und von unten nach oben öffnen müssen. Das heißt, die Kinder in die Schule und Sport treiben lassen. Das brauchen die Kinder, um zu wachsen."

... den Nachwuchs: "Wir haben in einer Studie gelesen, dass über sieben Millionen Kinder unter 18 keinen Sport treiben können. Was heißt das für den Handball und für die Bedeutung? Wir haben Mannschaften, die mit zehn oder elf Kindern aufgestellt sind. Wenn da zwei oder drei ausfallen, wird es ein Mannschaftssterben geben, wie wir es im Handball noch nie erlebt haben. Wir brauchen also die Präsenz auch bei den Olympischen Spielen. Hier geht es um den Sport im Allgemeinen, dass wir nicht später eine Monokultur haben. Ich hoffe also im Sinne unserer gesamten Sportwelt und unabhängig von unserem eigenen Interesse, dass wir es am Wochenende schaffen."