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Schalke: Schneider-Aus steht fest

Schalke: Schneider-Aus steht fest

Die Tage von Jochen Schneider sind nach SPORT1-Informationen gezählt. Der Sportvorstand wird spätestens im Sommer nach zweieinhalb Jahren die Königsblauen verlassen.
Jochen Schneider nimmt im Doppelpass Stellung zur prekären Situation auf Schalke. SPORT1 Experte Alfred Draxler fühlt dem Sportvorstand der Königsblauen auf den Zahn.
Patrick Berger
Patrick Berger
von Patrick Berger

Die Tage von Jochen Schneider auf Schalke sind gezählt. Das Aus des Sportvorstands steht nach SPORT1-Informationen so gut wie fest, spätestens im Sommer soll der 50-Jährige seinen Stuhl nach zweieinhalb Jahren bei S04 räumen.

Am Freitagabend versammelten sich Hunderte Ultras vor der Geschäftsstelle und forderten den Rauswurf des gebürtigen Schwaben. Auf einem Plakat stand: "Egal ob Liga eins oder zwei, Jochen du bist nicht dabei!"

SPORT1 weiß: Der Aufsichtsrat fahndet zurzeit – noch zusammen mit Schneider – unter Hochdruck nach einem neuen Sportdirektor. Seit der Trennung von Michael Reschke ist diese Stelle vakant. Gespräche werden mit mehreren Kandidaten geführt. Drei Namen stehen indes in der engeren Auswahl.

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Der Plan: Bis Mitte März will der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Dr. Jens Buchta eine Entscheidung getroffen und den neuen Mann, der Schneider kurz- bis mittelfristig beerben soll, präsentiert haben.

Mit dem Klassenerhalt rechnen sie selbst klubintern nicht mehr, die Planungen gehen beim Schlusslicht seit zwei Monaten schon voll in Richtung Zweitklassigkeit. Bis zum 1. April müssen die Lizenzunterlagen für das Unterhaus bei der DFL eingereicht werden.

In die neue Saison, unabhängig von der Ligazugehörigkeit, soll es dann ohne Schneider gehen. Die Bild berichtete gar, dass der Sportvorstand nur noch zwei Spiele auf Bewährung hat. Gehen das Match am Samstag bei Union Berlin und das Derby gegen den BVB in die Hose, soll für Schneider vorzeitig Schluss sein.

Nach SPORT1-Informationen ist der grundsätzliche Wunsch des Kontrollgremiums, mit Schneider bis zum bitteren Ende zu gehen und im Sommer einen ordentlichen Schlussstrich zu ziehen. Schneider soll seinen Nachfolger, so der insgeheime Plan des Aufsichtsrats, einarbeiten und für einen nahtlosen Übergang sorgen.

Möglich, dass Schneider dann im Sommer - trotz laufenden Vertrages bis 2022 - auf eine Abfindung verzichtet. "Generell wird es bei mir nie um eine Abfindung gehen", hatte er vor einigen Wochen selbst gesagt. "Wenn ich irgendwann nicht mehr eine Minute für Schalke 04 arbeite, will ich auch kein Geld."

Die überwiegende Mehrheit im elfköpfigen Gremium schätzt es, dass der Ex-Stuttgarter die brutale Drucksituation ("Das komplette Leben leidet darunter") voll annimmt und aufrichtig bis zum bitteren Ende kämpft.

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Was ihm aber ankreidet wird, sind die vielen falschen Personalentscheidungen. Christian Gross ist nach David Wagner, Manuel Baum und Huub Stevens bereits der vierte Trainer in dieser Saison, hinzu kommen falsche Vertragsverlängerungen (Benjamin Stambouli und Bastian Oczipka) sowie einige Fehleinkäufe.

Der Transfer von Klaas-Jan Huntelaar, der auch im Auswärtsspiel bei Union Berlin weiterhin verletzt ausfällt, wird intern schon als Flop abgestempelt. Und: Dass Schneider in dieser Winter-Periode keinen Angreifer für die Außenbahn verpflichten konnte, wird äußerst kritisch gesehen.

Im März 2019 trat Schneider die Nachfolge des erfolglosen Christian Heidel (jetzt Mainz) an, wollte auf Schalke ein junges und hungriges Team mit Vollgas-Fußball für die dauerhafte Teilnahme am internationalen Geschäft aufbauen – daraus wurde nichts.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Dem frühen RB-Mann wurden bestimmte Dinge versprochen, die man nicht einhalten konnte. Die angespannte finanzielle Situation (rund 240 Millionen Euro Schulden) war Schneider lange Zeit gar nicht bekannt.

Ein weiterer Punkt: Schneider wurde ursprünglich als Macher für die zweite Reihe geholt und nach dem Aus von Clemens Tönnies in die vorderste Front gedrängt. Eine Rolle, in der er sich offensichtlich nicht wohlfühlt.

Spätestens im Sommer wird deshalb nach zweieinhalb Jahren Schluss sein.