Der Fall Marc Overmars wühlt nach wie vor die Fußball-Welt in Belgien und den Niederlanden auf - nach den neuen Entwicklungen am Montag umso mehr.
Nach Skandal-Aus bei Ajax! Vernichtendes Echo für Overmars und Royal Antwerpen
Overmars-Deal sorgt für Kritik
Da hatte Royal Antwerpen bekanntgegeben, den ehemaligen niederländischen Nationalspieler als Sportdirektor unter Vertrag genommen zu haben. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der belgischen Jupiler Pro League)
Das kam in den beiden größten Benelux-Staaten gar nicht gut an, hatte Overmars nur sechs Wochen vorher seinen gleichen Posten bei Ajax Amsterdam wegen eines Skandals räumen müssen.
Insbesondere einige Landsmänner äußerten sich kritisch. Oranje-Legende Marco van Basten etwa meinte bei Ziggo Sport, Overmars habe eine zweite Chance verdient, allerdings habe er vergessen, sich zu entschuldigen: „Er hätte allen das Gefühl geben sollen, dass es ihm leid tut und dass er mit den Menschen sympathisiert, denen er das angetan hat. Dann könnte man neu anfangen. Aber er geht bereits einen Schritt weiter und vergisst, sich zu entschuldigen. Darauf hätte er mehr achten können.“
Ronald de Boer stieß ins gleiche Horn. „Dies war eine großartige Gelegenheit für ihn, über die Situation zu sprechen, und das hat er nicht wirklich getan. Ist er zum Beispiel auf die Damen zugegangen und hat sich aufrichtig entschuldigt? Das hätte er sagen können“, bemängelte der niederländische Ex-Profi laut vi.nl.
Schalke-Legende Youri Mulder nahm vor allem den belgischen Top-Klub Antwerpen ins Visier. „Ich habe jemanden sagen hören, dass dies ein großer Mittelfinger für die Frauen ist, die dies bei Ajax erlebt haben“, verglich er und ergänzte: „Wir sprechen von jemandem, der Macht in einem Klub missbraucht hat. Es ist ein bisschen seltsam, dass Antwerpen damit Geschäfte machen wird. Der Besitzer dort ist ein bisschen jenseitig. Es ist ihm egal. Es wird viel Kritik geben. Und das zu Recht, denke ich.“
Belgische Presse nimmt Royal Antwerpen ins Visier
Overmars war im Februar bei Ajax zurückgetreten, er hatte laut Vereinsangaben „eine Reihe von unangemessenen Nachrichten über einen längeren Zeitraum an mehrere weibliche Kollegen“ verschickt.
Dass er jetzt beim Tabellendritten in Belgiens höchster Liga anheuert, ruft dort ein vernichtendes Echo hervor. (DATEN: Tabelle der belgischen Jupiler Pro League)
Het Laatste Nieuws etwa schreibt von einem „mutigen Schritt“ sowie einer „Provokation“ Royal Antwerpens, die viel Wirbel verursachen werde.
„Die Opfer von Overmars werden nicht berücksichtigt“, so die Zeitung weiter: „Es versetzt ihnen sozusagen noch einen weiteren Schlag.“ Overmars‘ Ruf sei schlichtweg „beschädigt“.
Auch Klubboss Gheysens am Pranger
Auch Paul Gheysens, Royals Klubboss, geriet in die Kritik. Der Tenor: Er würde skrupellos, um nach Erfolg zu streben. (NEWS: Alle wichtigen Neuigkeiten aus dem Fußball)
„Denn Marc Overmars ist wirklich ein großer Fisch. Wenn auch der mit einem strengen Geruch“, schreibt Het Laatste Nieuws.
Und Het Nieuwsblad meint: „Die Normen und Werte auf der einen Seite der Landesgrenze sind offenbar nicht dieselben wie auf der anderen Seite.“
Als Fazit steht in dem belgischen Medium: „Die Ethik in der belgischen Fußball-Welt einen neuen Tiefpunkt erreicht.“