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Schweizer Super League: Das mysteriöse Konstrukt der Grashopper Zürich

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Schweizer Super League: Das mysteriöse Konstrukt der Grashopper Zürich

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Das fragwürdige Zürich-Konstrukt

Das fragwürdige Zürich-Konstrukt

Nach der chinesischen Übernahme vor zwei Jahren sollte es für den Traditionsklub Grashopper Zürich schnell wieder bergauf gehen. Stattdessen taucht die Besitzerin kaum auf, Verantwortliche werden entlassen und Spieler von den Wolves ausgeliehen - was steckt dahinter?
Der Grasshopper Club Zürich und seine Bosse geben Rätsel auf
Der Grasshopper Club Zürich und seine Bosse geben Rätsel auf
© Imago
Michal Swiderski
Michal Swiderski

Es ist mittlerweile keine Seltenheit, dass Fußballvereine von Investoren gekauft werden. Besonders in England ist dieses Modell gang und gäbe, doch das Beispiel des Grasshopper Club Zürich ist trotzdem einen genaueren Blick wert.

Zur Erinnerung: Die Grashopper haben 27 Schweizer Meisterschaften geholt 19 Mal gewannen sie den Schweizer Pokal. Ottmar Hitzfeld stand zwischen 1988 und 1991 als Trainer an der Seitenlinie, Günter Netzer zauberte 1976/77 zu seinem Karriereende auf dem Platz.

Längst vergangene Zeiten. Ende Juli startete der Klub mit einem 2:1-Sieg gegen den Vorjahresvierten Lugano in die neue Saison. Zum ersten Mal seit der Übernahme im April 2020 verfolgte auch Besitzerin Jenny Wang das Spielgeschehen von der Tribüne aus. Vereinspräsident Sky Sun nahm den Platz neben ihr ein.

Jenny Wang ist nicht nur eine ehemalige Journalistin, sondern auch die Ehefrau von Guo Guangchang. Dieser hat im Jahr 1992 das Unternehmen „Fosun International“ gegründet, das in allen möglichen Bereichen Investitionsmöglichkeiten sucht. Unter anderem im Fußball.

So gehört dem Konglomerat seit sechs Jahren mit Wolverhampton Wanderers ein Premier-League-Klub. Diese Entscheidung soll sich daraus ergeben haben, dass die FIFA Nicht-Vereinen verboten hatte, Transferrechte an Spielern zu erwerben. Das betraf auch das Unternehmen Fosun, das in Zusammenarbeit mit Star-Berater Jorge Mendes auf diese Weise Gewinne erzielen wollte.

Wolverhampton-Spieler wie am Fließband

Die Transfers der Grasshopper in letzter Zeit machen deutlich, wieso der Fakt nicht unbedeutend ist. Gleich zwölf Spieler innerhalb von zwei Jahren sind von den Wolves nach Zürich gewechselt – in der Regel auf Leihbasis.

Doch was ist daran verwerflich? Im April dieses Jahres äußerte sich der frühere Wolves-Boss und aktuelle Zürich-Präsident Sky Sun im Interview mit Blick unter anderem zu einer möglichen Einflussnahme des England-Klubs auf die Grasshopper und bezeichnete dies als „komplett falsch“. Alles, was die Grashopper betreffe, werde hier (in Zürich, Anm. d. Red.) entschieden.

Die FIFA greift inzwischen in die Leihthematik ein. Seit Juli dürfen nur drei Akteure eines Vereins an denselben Klub verliehen sein, doch der Schweizer Rekordmeister scheint einen Weg gefunden zu haben, das zu umgehen: Die Spieler werden zumindest offiziell fest verpflichtet, wie bereits in diesem Sommer mit einem Wolves-Duo geschehen.

Geschäftsführer und Sportchef entlassen

Das ist allerdings längst nicht alles. Unter anderem mit der Entlassung von Geschäftsführer Jimmy Berisha und Sportchef Seyi Olofinjana, der kurioserweise vor dem Amtsantritt als Betreuer der Leihspieler in Wolverhampton tätig war, sorgten die Züricher Mitte Juni für Aufsehen.

Dabei antwortete Sun noch zwei Monate zuvor auf die Frage nach dem angeblich schwierigen Verhältnis der Verantwortlichen: „Sie sind beide intelligente Personen und arbeiten professionell zusammen.“ Das scheint nun nicht mehr der Fall zu sein.

Trainer Giorgio Contini muss um seinen Job hingegen wohl nicht bangen und das trotz eines enttäuschenden achten Ranges in der vergangenen Saison. Der 48-Jährige verdankte den sicheren Klassenerhalt seiner Mannschaft trotz Punktegleichheit mit Luzern nur der besseren Tordifferenz.

Auf seine zweite Spielzeit blickt der frühere Coach von Lausanne optimistisch und berichtete bei der Neuen Züricher Zeitung von einer „mega guten Stimmung“ in der Mannschaft. Nach zwei Spielen stehen bislang vier Punkte auf dem Konto.

Bangen um Zukunft statt Europas Spitze?

Im vergangenen Jahr hatte Sun für die Grashopper das Ziel ausgegeben, in einer Dekade zu Europas Spitze zu gehören. Davon ist Zürich aber weit entfernt, sogar ein nationaler Titel in naher Zukunft erscheint unrealistisch.

Das liegt zum großen Teil daran, dass die großen Investitionen ausbleiben und fragwürdige Personalentscheidungen den Klub prägen.

Ist jetzt sogar das ganze Projekt gefährdet? Medienberichten zufolge ist Fosun tief verschuldet, was die seit geraumer Zeit ausbleibenden Investments in Wolverhampton erklären würde.

Trotzdem möchte das Konglomerat offenbar weiterhin auf den Fußball setzen und gab mit dem chinesischen Uhrenhersteller Sea-Gull einen neuen Trikotsponsor für den GCZ bekannt.

Was da wohl noch alles kommen wird?