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Zwölf Aufstiege seit Gründung! Dorking Wanderers verzücken Englands Fußball

Dieser Klub verzückt Englands Fußball

Insgesamt zwölf Aufstiege in den letzten 23 Jahren stehen für die Dorking Wanderers zu Buche, dabei war der Plan eigentlich mal ein ganz anderer. Was steckt hinter dem bemerkenswerten Amateurverein?
In einer serbischen Amateurliga sorgt ein unkonventioneller Videoschiedsrichter-Einsatz für Aufsehen.
Insgesamt zwölf Aufstiege in den letzten 23 Jahren stehen für die Dorking Wanderers zu Buche, dabei war der Plan eigentlich mal ein ganz anderer. Was steckt hinter dem bemerkenswerten Amateurverein?

Nach acht Spieltagen stehen die Dorking Wanderers auf Platz 13 der Vanarama National League, Englands fünfter Liga. Drei Plätze vor Oldham Athletic, gegen die es jedoch eine deutliche 0:3-Niederlage setzte. Es sind zwei Vereine, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Denn als Oldham 1992 als Gründungsmitglied in der Premier League spielte, gab es die Wanderers noch nicht einmal.

Der Klub aus dem südlich von London liegenden Dorking wurde erst 1999 gegründet. Seitdem ging es aber rasant nach oben. Unglaubliche zwölf Aufstiege durfte das Städtchen mit seinen 17.000 Einwohnern in den vergangenen 23 Jahren feiern.

Überraschend erfolgreich, wenn man bedenkt, dass Gründer Marc White mit seinen Freunden nur nach einem Zeitvertreib an Samstagen suchte, weil sein Lieblingsverein AFC Wimbledon damals aus der Premier League abgestiegen war.

„Meine Freunde und ich gingen freitags in die Clubs, übernachteten beieinander, spielten am Samstag Fußball und gingen dann in den Pub“, erzählte White The Athletic über die Anfangszeit. „So fing es an, und jetzt haben wir eine Frauenmannschaft, Mannschaften in verschiedenen Altersklassen, darunter sogar eine Akademie.“

„Wir waren 14 Jungs, von denen einfach jeder einen Fünfer gezahlt hat.“

Doch bis dahin war es ein weiter Weg für die Wanderers, insbesondere für White. Denn er ist nicht nur Gründer und Besitzer, sondern auch erster Vorsitzender und außerdem noch Teammanager der ersten Mannschaft. Dabei wird sein Alltag neben der Taktik fürs nächste Spiel und den Finanzen durch die vielen Aufstiege von immer neuen Herausforderungen beherrscht.

„Wenn man sich die Ligen hocharbeitet, muss man kontinuierlich an der Infrastruktur arbeiten. Angefangen hat es damals im Big Field (im Nachbar-Örtchen Brockham, Anm. d. Red.). Als wir das erste Mal aufgestiegen sind, mussten wir ein Seil um das Spielfeld hängen! Daraus wurde eine feste Absperrung, dann Wege, Flutlicht, Sitzplätze und jetzt sind wir in einem Stadion mit 3.000 Plätzen“, resümierte White, der hauptberuflich eine Marketing-Agentur leitet.

Aber auch hier soll noch nicht Schluss sein: „Die nächste Herausforderung für Dorking besteht darin, bis zum 31. März nächsten Jahres eine weitere Tribüne zu errichten, die zusätzliche 2.000 Fans aufnehmen kann.“

Früher war das leichter. Damals mieteten der damals noch aktive White und seine Freunde Gemeinde-Plätze: „Wir waren 14 Jungs, von denen einfach jeder einen Fünfer gezahlt hat.“

In den alten Zeiten lief es eben noch etwas unprofessioneller. In Dorking-Kreisen kursiert die Geschichte, laut der damals ein Spiel abgebrochen werden musste, weil ein Shetland Pony aufs Spielfeld stürmte und dieses nicht mehr verlassen wollte.

2007 war aber Schluss mit den Gemeinde-Plätzen, als der Verein in die Westhumble Playing Fields umzog. „Wir mussten Umkleidekabinen bauen, mit Holz, das wir von Leuten in der Nähe bekamen. Wir hatten Leute, die für die Wasserleitungen Löcher gegraben haben. Wir haben das alles selbst gemacht“, erinnert sich White an den arbeitsintensiven Umzug.

Mittlerweile reichen einfache Plätze aber nicht mehr aus. So spielt der Verein seit 2018 im Meadowbank Park, der künftig bis zu 5.000 Zuschauern Platz bieten soll.

Serie „Bunch of Amateurs“ begleitet die Dorking Wanderers

Jedoch waren insgesamt zwölf Aufstiege nicht ganz ohne monetäre Mittel zu meistern, weswegen White sich viel mit langfristiger Finanzplanung beschäftigte.

„Mein Hauptziel in den letzten drei Jahren war es, rund um die Uhr daran zu arbeiten, den Verein rentabel zu machen“, meinte White, laut dem viele Leute die zahlreichen Aufstiege zu Unrecht auf von ihm investiertes Geld schieben: „Das stimmt nicht! Wir haben auf und neben dem Spielfeld einfach clever gewirtschaftet.“

Hilfreich dabei war Klub-Direktor Kris Lea, der insgesamt 70 Sponsorenverträge mit lokalen Unternehmen abschließen konnte. Außerdem konnte er Calum Best (Sohn von Fußball-Legende George) als Vorsitzenden für die Wanderers-Ladies rekrutieren und damit für ein großes Ausrufezeichen sorgen.

Entscheidend beteiligt am Erfolg der Wanderers war und ist auch die Serie „Bunch of Amateurs“ von Rich Pippen, die niedrigklassige Fußballmannschaften begleitet und sich sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr um Whites Mannschaft drehte.

„Die Resonanz der Zuschauer war sehr positiv“, erzählt Pippen. „Marc war nicht mehr nur der Typ, der die besten Spieler für seinen Verein bezahlt hat, sondern der Typ, der ein System hat, der den Fußball beherrscht und die Spieler dazu bringt, dieses System umzusetzen.“

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Und das, obwohl White über keinerlei Trainerqualifikationen verfügt. Mit Hilfe des Co-Trainers Dean Milton, des Cheftrainers Tom Duke, des Koordinators Mark Beard und der übrigen Mitarbeiter im Hintergrund hat er es trotzdem geschafft, einen attraktiven Fußball zu entwickeln.

In einer Liga mit Ryan Reynolds‘ Klub Wrexham

Trotz diesem muss sich die Mannschaft von White nun vorerst unterordnen. Immerhin spielt Dorking inzwischen in der Vanarama National League, also einer Liga nicht nur mit Premier-League-Gründungsmitglied Oldham, sondern auch mit den Championship-Größen Notts County oder Wrexham, wo zuletzt Schauspieler Ryan Reynolds als Besitzer aufschlug.

Diese Vereine spielen auf einem anderen finanziellen Level als die Wanderers: „Unser diesjähriges Spielerbudget gehört zu den vier niedrigsten in der Liga, gut möglich, dass es sogar das niedrigste ist“, verriet White.

Aufstieg durch Treffer in der Nachspielzeit

Vergangene Saison gelang Dorking endlich der Aufstieg, nachdem der Verein zuvor einige heftige Rückschläge hatte hinnehmen müssen. „Es war furchtbar“, erinnerte sich White, als die Saison 2020/21 im Februar abgebrochen wurde und die Wanderers als Tabellenführer nicht aufstiegen: „Das war unser Tiefpunkt.“

Letzte Saison klappte es dann. Trotz vieler Verletzungen hatte es Dorking in die Playoffs um den Aufstieg geschafft, wo das Team gegen Ebbsfleet schon kurz vor dem Aus stand.

In der Nachspielzeit, die wegen aufs Feld geworfener Pyro-Technik von Ebbsfleet-Fans überhaupt erst zustande kam, erzielte der 34-jährige Luke Moore dann den Ausgleich. 30-Tore-Stürmer Alfie Rutherford traf anschließend in der Verlängerung und sorgte für die Entscheidung.

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Rutherfords Erinnerungen an das Tor sind heute „völlig verschwommen. Alle meine Freunde sind auf mich draufgesprungen. Ich habe nur geschrien, dass sie von mir runterkommen sollen. Ich habe meine Beine wegen der Krämpfe nicht mehr gespürt.“

„Ich konnte mich nicht mehr an meinen Heimweg erinnern“

„Solche Momente hat man im Fußball nicht oft, also muss man sie genießen“, resümierte Rutherford, der neben dem Fußball als Dachdecker arbeitet und den Sieg im Anschluss gebührend feierte: „Wir hatten eine Party und ich kann mich nicht erinnern, nach Hause gekommen zu sein, also muss es eine gute Nacht gewesen sein!“

„Wir würden niemals nur den Klassenerhalt anstreben“, verriet Rutherford im Vorfeld der Saison über seine Zielsetzung. „Wir könnten dieses Jahr für einen großen Aufreger sorgen und um die Playoffs kämpfen“, meinte der selbstbewusste Star-Stürmer: „Wir werden einigen Teams einen großen Strich durch die Rechnung machen.“

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White war da etwas zurückhaltender. Er formulierte vor Saisonbeginn keine großen Ziele, konnte es aber kaum erwarten, „unsere Underdog-Mentalität zu zeigen“.

Wenn man ihn auf die bisherige Erfolgsgeschichte anspricht, wird er schnell nostalgisch: „Man kann nicht zu lange darüber nachdenken, was wir erreicht haben, sonst würde man in Tränen ausbrechen“, sagt White. „Es ist eine unglaubliche Geschichte. Ich möchte einfach, dass sie weitergeht. Mit oder ohne mich.“

Bislang sind die Wanderers noch nicht der von Rutherford angekündigte Aufreger. Der 13. Platz in einer 24er-Liga ist aber immerhin ein gelungener Saisonstart, auf dem sie in Dorking weiter aufbauen können.