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Gonzalo Higuaín mit Karriereende - die Geschichte eines ewig Streitbaren

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Gonzalo Higuaín mit Karriereende - die Geschichte eines ewig Streitbaren

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Der ewig Streitbare

Gonzalo Higuaín macht Schluss. Der 34-Jährige blickt auf eine bemerkenswerte Karriere zurück. Sein weiterer Weg soll nichts mit Fußball zu tun haben. Die Geschichte eines ewig Streitbaren.
Star-Stürmer Gonzalo Higuain wird nach der laufenden MLS-Saison seine Karriere beenden. Der Argentinier konnte sich bei seiner Abschiedsrede nicht mehr halten und wurde emotional.
Christopher Mallmann
Christopher Mallmann

Es lief die 21. Minute, als Gonzalo Higuaín die Chance seines Lebens liegen ließ.

Ausgerechnet dem sonst so sicheren Toni Kroos war im WM-Finale von Rio de Janeiro ein schwerer Fehlpass unterlaufen, Higuaín tauchte frei vor Manuel Neuer auf, blickte noch einmal hoch – und vergab.

Sein Schuss rauschte weit am Tor vorbei, es gab Abstoß für die deutsche Nationalmannschaft, die rund 115 Minuten später die Arme in den Nachthimmel von Brasilien reckte, als strahlender Sieger und Weltmeister, während Argentinien im Tal der Tränen versank.

Gonzalo Higuaín vergab eine Großchance
Gonzalo Higuaín vergab eine Großchance

Gonzalo Gerardo Higuaín – wie der berühmte argentinische Stürmer mit vollem Namen heißt – wird jene Szene, jene Chance wohl nie vergessen haben, zumal ein erzieltes Tor durch ihn wenig später wegen Abseits rechtmäßig zurückgenommen wurde.

Zur Wahrheit gehört aber auch – und vor allem: In seiner langen Karriere erzielte der heute 34-Jährige Tore wie am Fließband, sammelte Titel ohne Ende, führte jede Mannschaft, für die er spielte, zu beachtlichen Erfolgen.

Higuaín sagt „Goodbye“

All damit soll demnächst Schluss sein. Am Montag kündigte Higuaín, der bei Inter Miami in der MLS unter Vertrag steht, das Ende seiner Laufbahn zum Saisonende an.

„Der Tag ist gekommen, dem Fußball Goodbye zu sagen. Ich werde all die schönen Momente für immer in meinem Herzen und in meinem Kopf behalten“, erklärte Higuaín bei einer Pressekonferenz.

Dass es nicht immer nur schön war, machte der streitbare Stürmer in etlichen Statements über den Fußball deutlich.

„Du bist als Spieler wie eine Einwegflasche. Wenn sie leer ist, treten sie drauf und schmeißen sie weg“, hatte er erst im März im US-amerikanischen Fernsehen bei UNIVISIÓN gesagt.

Die Leute hätten „gar keine Ahnung, was es bedeutet, Fußballspieler zu sein. Sie glauben, wir spielen einfach nur Fußball, und das war‘s. Du bist interessant, solange du spielst, danach kräht kein Hahn mehr nach dir“, urteilte Higuaín, der schon 2007 von River Plate nach Europa gekommen war.

Damals rief das große Real Madrid. Bernd Schuster war da Trainer und Spieler wie Christoph Metzelder, Arjen Robben oder Ruud van Nistelrooy nahmen neben Higuaín in der Kabine Platz.

Higuaín findet große Liebe

Obwohl erst 19, schoss er in seiner ersten Saison gleich neun Pflichtspiel-Tore, bereite vier Treffer vor. Insgesamt wurden es 121 Tore für die Königlichen sowie drei Meisterschaften, ehe es den bulligen Stürmer nach Italien zog.

Bei der SSC Neapel fand Higuaín dann seine große Liebe. Von den Fans verehrt, von Trainern wie Spielern hoch geschätzt, erzielte er 91 Treffer in 146 Spielen, prägte das Bild der Napoletani wie seit Diego Maradona lange niemand mehr. Die Stadt lag ihm zu Füßen.

Besonders eindrucksvoll: Die Sprechchöre für Higuaín vor den Spielen, wenn sein Name über die Tribünen schallte, als gäbe es nur noch diesen einen Spieler.

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Dabei blieb Higuaín immer ganz bescheiden. „Ich kenne keinen Spieler, der so uneitel ist wie Higuain. Wenn er könnte, würde er im Schlafanzug zum Training kommen“, sagte einmal Ex-Real-Coach José Mourinho über seinen Schützling.

Trotz aller Bescheidenheit wollte es Higuaín nach Neapel aber noch mal wissen, wechselte zum Konkurrenten Juventus Turin, um vielleicht noch ein paar Titel einzusammeln.

Higuaín nach England

Und das gelang: Neben 66 Toren in 149 Spielen wurde er dreimal italienischer Meister, verpasste jedoch den in Turin lang ersehnten Champions-League-Titel.

In der Folge erwies sich der in Frankreich geborene Argentinier als Wandervogel, ging erst per Leihe zur AC Mailand, dann – ebenfalls leihweise – zum FC Chelsea in die Premier League.

Wenngleich immer noch torgefährlich und titelhungrig, fand Higuaín nicht mehr den Halt, wie er ihn zuvor in Italien gefunden hatte. Sein Weg führte ihn zurück zu Juve und von dort zu Inter Miami in die MLS.

Seit 2020 spielt Higuaín für das Team von Besitzer David Beckham – sein weiterer Werdegang geht dabei wohl in eine ganz andere Richtung.

„Meine Zukunft ist ganz klar weit weg vom Fußball. Sehr weit weg. Ich werde den Fußball genießen, wenn ich spiele, aber danach will ich ganz weit davon weg. Er macht dich kaputt“, hatte er im März gesagt.

Higuaín: „Hätte Laufbahn beendet“

Zurückzuführen sind Higuaíns Worte auch auf die schwere Kritik, mit der er sich nach seinem Rio-Fehlschuss 2014 konfrontiert sah. Bis heute scheinen ihm einige Fans nicht verziehen zu haben.

„Ich war kurz davor aufzuhören, aber meine Mutter sagte mir, ich solle weitermachen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich meine Fußballer-Laufbahn beendet“, sagte er der Marca nach zwei weiteren Final-Pleiten, diesmal bei der Copa América 2015 sowie 2016.

„Ich glaube, er hat den Fußball in den vergangenen Jahren mit einigen Qualen gelebt“, erklärte auch der ehemalige Real-Geschäftsführer Jorge Valdano am Montag im Gespräch mit der Marca.

Das verpasste Tor im WM-Finale habe „ihn sehr gestört, aber ich denke, er hatte eine großartige Karriere“, sagte der 67-Jährige weiter.

Jene Karriere soll bald vorbei sein, spätestens im November, wenn die MLS-Saison mit dem Finale gekrönt wird.

Dann blickt Higuaín einer neuen Welt entgegen – einer Welt „weit weg vom Fußball“.