Ein Weltreisender wäre wohl stolz auf den Weg, den Jhon Durán schon zurückgelegt hat. Aus Kolumbien in die USA, von England nach Saudi-Arabien. Nun führt der Weg des Stürmers, der sich einst selbst bei Bayern anbot, aus der Türkei nach Russland. Es ist ein bizarrer Werdegang - mit nur 22 Jahren.
Bayern? Ronaldo? Russland!
Bayern? Ronaldo? Russland!
Der Kolumbianer geht ab sofort auf Leihbasis für Zenit St. Petersburg auf Torejagd, Duráns bisherige Leihe zu Fenerbahce Istanbul wurde in diesem Zuge beendet. Bei seinem Stammverein, Al-Nassr in Saudi-Arabien, steht der Angreifer noch bis 2030 unter Vertrag. Erst zu Beginn des vergangenen Jahres war er für satte 77 Millionen Euro von Premier-League-Klub Aston Villa zum Ronaldo-Team gewechselt.
Jetzt folgt der nächste Schritt - doch wieso eigentlich?
Durán: Drei Vereine binnen zwölf Monaten
Trotz eines vielversprechenden Starts im Mittleren Osten und zwölf Toren in 18 Pflichtspielen verließ Durán das Star-Ensemble um Sadio Mané, Kingsley Coman und CR7 schon nach einem halben Jahr wieder gen Europa.
Die Gründe: Hinter den Kulissen soll es Spannungen gegeben haben. Schon bevor er bei Al-Nassr aufschlug, sorgte er für Wirbel, weil er wohl täglich 1.000 Kilometer mit dem Privatjet zum Training pendeln wollte. Der Abgang erfolgte mindestens ebenso laut. Nicht zum ersten Mal - und vor allem nicht zum letzten Mal.
Denn auch bei Fenerbahce lief es für Durán nun nicht mehr so gut. In wettbewerbsübergreifend 21 Partien gelangen ihm nur fünf Tore. Eine Knochenentzündung und zuletzt Oberschenkelprobleme erschwerten es ihm, Anschluss zu finden. Zudem kursieren Berichte, die ein abermals unschönes Ende zeichneten.
So schreibt zum Beispiel Fanatik, dass der Angreifer im Team für äußerst schlechte Stimmung gesorgt habe – er soll sich teilweise gar geweigert haben, am Training teilzunehmen. Durán selbst wies dies in einem kurzen Statement bei X zurück: „Die Nachrichten über mich in den türkischen Medien sind haltlos. Glaubt nicht alles, was ihr hört.“ Ein Wechsel in diesem Winter schien dennoch unausweichlich.
Einst als Bayern-Schreck gefeiert – dann bot er sich selbst an
Der französische Klub OSC Lille soll dem Vernehmen nach an ihm interessiert gewesen sein, konnte aber wohl das üppige Gehalt (laut Daily Mail rund 400.000 Euro pro Woche) nicht stemmen. Also schlug der russische Vizemeister zu - und hofft nun, endlich die vorläufige Endstation für den Wandervogel zu sein.
Denn eigentlich hat Durán die Qualitäten, jeder Mannschaft offensiv weiterzuhelfen. International auf sich aufmerksam machte er erstmals am 2. Oktober 2024 in der Champions League gegen den FC Bayern. Als entscheidender Torschütze beim 1:0-Sieg von Aston Villa sorgte er damals für die erste Pflichtspielniederlage der Bayern unter Neu-Trainer Vincent Kompany.
Wenig später bot sich der Angreifer sogar selbst beim FC Bayern an. Er wolle für diese „großartige Mannschaft“ spielen und sprach vom Verein seiner Träume. Es sollte ganz anders kommen.
Emery: „Wenn Durán geht, ist das gut für uns“
Dabei strahlte er auch in den anderen Wettbewerben Torgefahr aus, knipste in der CL, Premier League und im EFL-Cup insgesamt zwölfmal. Belohnt wurde er vorerst mit einem neuen Villa-Vertrag bis 2030. Doch auch das Ende dieses Kapitels klang nicht sonderlich nach traurigem Abschied.
Vielmehr ließ sein damaliger Coach Unai Emery verlauten: „Wenn Jhon Durán geht, ist das gut für uns, denn sie zahlen gutes Geld.“ Statt hochklassigem Fußball in der wohl besten Liga der Welt folgte der Gang in die Wüste. Al-Nassr machte Durán zum teuersten Kolumbianer aller Zeiten - und ließ ihn doch umgehend wieder ziehen.
Durán auf Wandertour
Durán hält es nirgends besonders lange aus, Zenit St. Petersburg ist nun sein sechster Klub in gut vier Jahren. Ob sich ein Happy End ausgerechnet im kriegstreibenden Russland, dessen Fußballteams weiterhin vom Europacup ausgeschlossen sind, finden lässt, wird sich zeigen.
Am Freitag startet die russische Premjer-Liga aus der Winterpause in die Rückrunde. Zenit rangiert mit nur einem Punkt Rückstand auf den Tabellenführer und letztjährigen Meister FK Krasnodar auf Platz zwei.
Sollte Durán also Zenit tatsächlich zum Titel verhelfen, könnte das Kapitel auch über den Sommer hinaus bestehen bleiben - und der Kolumbianer endlich eine sportliche Heimat gefunden haben.