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Ein englischer Horrorfilm: Wie konnte es nur so weit kommen?

Wie in einem Horrorfilm

Leicester City ist auf dem Weg in die Drittklassigkeit. Der Fall des Sensations-Meisters aus dem Jahr 2016 könnte viel Stoff für eine Verfilmung bieten.
Nach 13 Jahren bei Leicester City wird Jamie Vardy den Premier-League-Klub zum Saisonende verlassen. Darauf angesprochen gerät Cheftrainer Ruud van Nistelrooy ins Schwärmen und berichtet zudem über ein besonderes Gespräch mit der Vereinslegende.
Leicester City ist auf dem Weg in die Drittklassigkeit. Der Fall des Sensations-Meisters aus dem Jahr 2016 könnte viel Stoff für eine Verfilmung bieten.

„In fast 16 Jahren haben wir fünf Trophäen gewonnen, sind zweimal abgestiegen und haben dreimal in Europa gespielt. Es ist wie ein Film oder eine Serie“, beschrieb Leicester-Klubboss Aiyawatt Srivaddhanaprabha erst Ende Januar die vergangenen Jahre seiner Foxes.

Begonnen hat der Film “Leicester City“ mit dem ultimativen Triumph und einigen zentralen Protagonisten. Jamie Vardy, Riyad Mahrez und N’Golo Kanté waren neben Trainer Claudio Ranieri die Gesichter der vermutlich größten Sensation im englischen Fußball. Im Jahr 2016 gewann das Quartett mit Leicester City als 5000:1-Außenseiter die Premier League.

Sensationsmeister Leicester City erlebt brutalen Absturz

Knapp zehn Jahre später ist von diesem Triumph nicht mehr viel übrig. Nach Verstößen gegen finanzielle Regularien stehen die Foxes mit einem Abzug von sechs Punkten in der Tabelle der Championship (2. englische Liga) nur auf Rang 20 – einzig ein besseres Torverhältnis trennt den Traditionsklub noch von einem Abstiegsplatz.

Die Lage des Klubs aus den East Midlands in der Liga ist mehr als bedrohlich: Teile der Fans boykottieren Spiele und sprechen sich deutlich gegen die Klubführung aus. Zudem steht der Verein nach der jüngsten Trennung von Marti Cifuentes aktuell ohne Cheftrainer da.

Chronologie des Niedergangs

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Dass der sensationelle Meistertriumph nicht wiederholbar sein dürfte, war vermutlich jedem in und um Leicester bewusst. Nach Spielzeiten auf den Rängen 12 und zweimal Rang 9 schien sich der Verein im Tabellenmittelfeld zu etablieren.

Es folgte die erfolgreiche Amtszeit von Trainer Brendan Rodgers, der die Foxes nicht nur zweimal auf Rang 5 und damit ins internationale Geschäft führte, sondern sie auch zum Gewinn des FA-Cups im Jahr 2021 coachte.

In einem ausführlichen Interview mit dem Guardian erkannte Klubbesitzer Srivaddhanaprabha, Spitzname „Top“, dort die ersten Anfänge des Niedergangs: „Wir wurden immer größer und vergaßen, was wir vorher waren. Wir dachten, wir seien hier oben, und das ist die gefährlichste Position, in der man sich befinden kann.“

Tragischer Schicksalsschlag: Klub-Boss stirbt bei Heli-Crash

Der Sohn von Vichai Srivaddhanaprabha hatte das Amt des Klubbesitzers übernommen, nachdem sein Vater im Oktober 2018 bei einem tragischen Schicksalsschlag ums Leben gekommen war: Der Klub-Boss starb bei einem Hubschrauberabsturz im Anschluss an ein Premier-League-Spiel.

Es folgte eine ernüchternde Spielzeit 2022/23, in der unter anderem auch für Cheftrainer Rodgers Schluss war. Trotz neun aufeinanderfolgenden Spielzeiten in der höchsten Spielklasse und namhaften Spielern wie Jamie Vardy, Youri Tielemans, James Maddison und Harvey Barnes im Kader stiegen die Foxes am Ende der Saison in die Championship ab.

Bösewicht Chelsea

Der “Filmheld“ Leicester City wehrte sich jedoch gegen den Rückschlag und stieg mit Trainer Enzo Maresca zurück in die Premier League auf - als Zweitliga-Meister, mit 97 Punkten und nach nur einem Jahr Zweitklassigkeit.

Dort präsentierte sich der FC Chelsea dann als filmischer Bösewicht und schnappte den Foxes kurzerhand den Aufstiegstrainer weg. Die Blues eisten den Italiener für eine Summe von 11,75 Millionen Euro aus Leicester los.

Der nächste Niedergang war programmiert. Die Folge waren etliche erfolglose Trainerwechsel und schließlich der erneute Abstieg.

Proteste gegen Klubführung

Eigentümer “Top“ steht im Zentrum der Kritik der LCFC-Anhänger. Aufgrund der bedrohlichen Lage sowie der Unruhen um den Verein und Besitzer meldeten sich einige Fangruppen in einem Statement zu Wort: „Immer mehr Fans sind der Meinung, dass der Verein schlecht geführt wird, dass die Anliegen der Fans regelmäßig ignoriert werden und dass bedeutende Veränderungen nur dann stattfinden, wenn der Druck nicht mehr zu ignorieren ist.“

Die Folge war eine von den Anhängern durchgeführte Protestaktion beim Ligaspiel gegen den Lokalrivalen West Bromwich Albion, bei dem viele Plätze im King-Power-Stadium leer blieben.

In der Folge äußerte sich auch der Eigentümer erstmals zur heftigen Kritik an seiner Person. An einen Verkauf des Klubs denkt der 40-Jährige trotz der vielen kritischen Stimmen und Protestaktionen nicht: „Den Verein zu verkaufen, ist nicht der richtige Weg, um auszusteigen. Ich muss sicherstellen, dass ich alles, was ich hier begonnen habe, zu Ende bringe, bevor ich gehen möchte. Jetzt muss ich dafür sorgen, dass der Verein in einer guten Position ist“.

Leicester City: Bekommt der Film noch ein Happy End?

Und das traut er sich weiterhin zu, wie er betont: „Ich liebe es immer noch hier und möchte sicherstellen, dass der Verein wieder erfolgreich wird. Die Verantwortung liegt bei mir und das Wichtigste ist, das Problem zu identifizieren und zu beheben.“

Dafür brauche es aber noch die Unterstützung der eigenen Anhänger, an die er appelliert: „Mit diesem Kader sollten wir nicht noch einmal absteigen. Die Spieler brauchen die Unterstützung der Fans massiv. Denn niemand will uns in der League One spielen sehen.“

Nun liegt es an ihm und den anderen Verantwortlichen, dafür zu sorgen, dass der Film “Leicester City“ nicht endgültig zum Horrorstreifen wird.

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