Mit 35 Jahren zählt Dino Buric zu den jüngsten Sportdirektoren im europäischen Profifußball – und gilt als stiller Architekt hinter dem sensationellen Titel-Double des LASK in Österreich. Der Linzer Traditionsklub erlebt unter ihm einen sportlichen und strukturellen Umbruch, der sich auch in der Kaderplanung und Philosophie widerspiegelt.
Im exklusiven SPORT1-Interview spricht Buric über den Schlüssel zum Erfolg, den Einfluss von Trainer Didi Kühbauer – und verrät einen seiner Lieblingsklubs in der Bundesliga sowie unerfüllbare Traum-Transfers von Superstars des FC Bayern.
Der stille Architekt eines Sensationsmeisters
Der Architekt eines Sensationsmeisters
Double? „Ein unbeschreibliches Gefühl“
SPORT1: Herr Buric, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum zweiten Double der Vereinsgeschichte. Was macht diese Mannschaft in dieser Saison so besonders?
Dino Buric: Zunächst einmal vielen Dank. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man sieht, welchen Stellenwert dieser Erfolg für den Verein hat – nach über 60 Jahren. Ich möchte vor allem die Mannschaft hervorheben. Neben der sportlichen Qualität sind es der Zusammenhalt und der Teamspirit, die diese Gruppe auszeichnen. Daraus ist im Laufe der Saison ein echtes Teamgefüge entstanden. Von innen heraus ist eine Mentalität gewachsen – geprägt von Siegeswillen und dem Glauben an uns selbst. Irgendwann hatte die Mannschaft ein echtes Selbstverständnis in der Meisterschaft. Das war auch von außen beeindruckend zu sehen.
SPORT1: Sie haben zuletzt gesagt: „Was die Jungs seit Oktober gespielt haben, ist überragend.“ Was hat sich damals verändert?
Buric: Neben der ohnehin vorhandenen Qualität war der entscheidende Impuls die Bestellung von Didi Kühbauer als Trainer. Er hat es in kurzer Zeit geschafft, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Durch kleine taktische Anpassungen hat er sie auf Positionen gebracht, auf denen sie ihre Stärken optimal ausspielen können. Plötzlich hat vieles sofort funktioniert. Die Mannschaft wirkte wie ausgewechselt. Seit Oktober haben wir, glaube ich, nur zwei Spiele verloren – das spricht für sich.
„Ein wichtiger Punkt war der Kaderumbruch“
SPORT1: Rückblickend – war der Trainer der entscheidende Schlüssel?
Buric: Ich bin seit viereinhalb Jahren beim LASK, zunächst als rechte Hand des Geschäftsführers Sport und seit Sommer 2025 als Sportdirektor. Es war aber immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Ein wichtiger Punkt war der Kaderumbruch im Sommer: Wir haben bewusst verjüngt, 14 Spieler abgegeben und den Altersschnitt innerhalb einer Transferperiode um drei bis vier Jahre gesenkt.
SPORT1: Und trotzdem sagen Sie: Der Trainer war letztlich der entscheidende Faktor?
Buric: Dazu kam eine Budgetreduktion von rund 30 Prozent. Vom Budget her lagen wir eher auf Platz vier der Liga – näher an Platz fünf als an den Top drei. Wir haben viele richtige Entscheidungen getroffen und bei einigen Neuzugängen ein sehr gutes Händchen gehabt. Trotzdem war der Trainer entscheidend, weil er alles ins Rollen gebracht hat.
SPORT1: Was ist bei Transfers entscheidend – und was war Ihr größter Coup?
Buric: Ich bin kein Freund davon, einzelne Spieler hervorzuheben. Fußball ist ein Mannschaftssport, Erfolg entsteht immer im Kollektiv. Wenn man die Neuzugänge betrachtet, haben Spieler wie Kasper Jörgensen, Joao Victor Tornich, Sasa Kalajdzic – der zurückgekehrt ist – oder auch Krystof Danek sehr gut funktioniert, auch wenn manche etwas Anlaufzeit gebraucht haben. Wichtig war außerdem, dass wir mit zentralen Spielern frühzeitig verlängert haben. Das war ein klares Signal und hat Stabilität geschaffen. Am Ende war es immer das Zusammenspiel aller Faktoren.
SPORT1: Andere Transfers funktionieren dagegen nicht. Wie kann so etwas passieren?
Buric: Es ist wirklich so: Manchmal denkst du, du hast alle Hausaufgaben gemacht – und trotzdem funktioniert es nicht. Es gibt immer diesen gewissen Faktor Unschärfe. Fußball ist nicht komplett berechenbar. Manchmal passt der Spieler nicht in die Rolle, manchmal braucht er den richtigen Trainer oder einfach Zeit. Ich kann mich auch an unsere eigenen Beispiele erinnern: Wir hatten Situationen, in denen eher unerwartete Entwicklungen eingetreten sind. Ein Spieler hat plötzlich geliefert, ein anderer ist zunächst nicht in die Spur gekommen. Am Ende zeigt das nur: Scouting reduziert Risiko – aber es eliminiert es nie.
SPORT1: Ist das im Alltag eher etwas, das Sie akzeptieren – oder nervt es Sie, dass es im Fußball keine Sicherheit gibt?
Buric: Bauchgefühl kommt dann ins Spiel, wenn Informationen fehlen oder Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden müssen. Dann zählt der persönliche Eindruck – vor allem der Charakter eines Spielers. Wenn zwei Spieler ähnliches Potenzial haben, kann genau dieser Faktor entscheidend sein: Was bringt er für die Kabine mit? Welche Rolle nimmt er auf und neben dem Platz ein? Diese menschliche Komponente ist enorm wichtig.
SPORT1: Haben Sie sich im Scouting schon einmal getäuscht?
Buric: Ja, das passiert. Es gibt immer Spieler, bei denen sich die Entwicklung anders darstellt als erwartet. Das hängt oft auch von Faktoren wie Konkurrenz, Verletzungen oder Form ab. Daten helfen uns sehr, Dinge einzuordnen – gerade im physischen Bereich. Aber sie dürfen nie die alleinige Grundlage sein. Am Ende ist es immer ein Gesamtbild.
„Mein Vater ist mein Vorbild“
SPORT1: Wie sehr hat Sie Ihr Vater geprägt? Er war Spieler beim SC Freiburg und bei Borussia Mönchengladbach und dort auch Co-Trainer. Zuletzt war er in Deutschland Cheftrainer bei Greuther Fürth.
Buric: Sehr stark. Er ist mein absolutes Vorbild. Ich konnte früh viel von ihm lernen, weil er selbst extrem analytisch arbeitet. Als Jugendlicher sitzt du dann daneben, schaust zu und nimmst automatisch Dinge auf. Das prägt dich nachhaltig – fachlich und menschlich.
SPORT1: Ist es ein Vorteil, einen Vater im Fußballgeschäft zu haben?
Buric: Ja, definitiv. Du hast jemanden, den du jederzeit um Rat fragen kannst. Er hat in vielen Vereinen gearbeitet und unterschiedliche Situationen erlebt. Dieses Erfahrungswissen ist extrem wertvoll, gerade in schwierigen Phasen.
SPORT1: Trennen Sie Familie und Beruf?
Buric: Nicht wirklich. Fußball ist immer Thema. Das ergibt sich automatisch. Wir diskutieren viel, sind auch nicht immer einer Meinung, aber der Austausch hilft mir sehr.
SPORT1: Ihr Ziel bleibt die Bundesliga?
Buric: Langfristig ja. Ich bin mit der Bundesliga groß geworden und habe dort viele Einflüsse mitgenommen. Aber aktuell liegt mein voller Fokus auf dem LASK. Ich bin dankbar für die Chance hier und konzentriere mich auf die Aufgabe.
SPORT1: Ihr Lieblingsklub in Deutschland?
Buric: Lieblingsklub ist ein großes Wort, aber ich finde die Arbeit, die der SC Freiburg leistet, klasse. Dort habe ich viele Jahre verbracht und bin stark geprägt worden.
SPORT1: Was macht den SC Freiburg so besonders?
Buric: Die Kontinuität. Dort werden Strukturen über viele Jahre konsequent gelebt. Viele Menschen im Verein sind seit Jahrzehnten dort. Das schafft Stabilität und nachhaltigen Erfolg.
Bundesliga-Traumspieler? „Olise oder Diomandé“
SPORT1: Was braucht ein Verein für nachhaltigen Erfolg?
Buric: Klare Strukturen, gute Organisation, finanzielle Disziplin und Bodenständigkeit. Man darf sich in Erfolgsphasen nicht treiben lassen. Nachhaltigkeit ist entscheidend – nicht kurzfristiger Erfolg.
SPORT1: Wie geht es jetzt für Sie weiter: Urlaub oder direkt wieder Arbeit?
Buric: Eigentlich direkt wieder Arbeit. Nach dem Double ging es sofort mit Meetings und Planung weiter. In diesem Beruf gibt es kaum Pausen – gerade bei einem Klub, der wirtschaftlich arbeiten muss. Man muss früh Entscheidungen treffen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
SPORT1: Zum Schluss: Welchen Bundesliga-Spieler würden Sie gern einmal verpflichten?
Buric: Realistisch ist das kaum möglich, weil die finanziellen Unterschiede sehr groß sind. Aber Spielertypen mit Kreativität und Eins-gegen-eins-Qualität wie Olise oder Diomandé sind natürlich spannend, auch wenn das für uns natürlich illusorisch ist. Ich will damit nur sagen, dass das genau die Spieler sind, die Fans begeistern und ein Stadion mitreißen.