Elf Jahre ohne Tor – und dann das!

Kader zu dünn? "Es wird immer Probleme geben"
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Kader zu dünn? "Es wird immer Probleme geben"

Seit elf Jahren wartet Joe Gomez auf sein erstes Tor für den FC Liverpool. Ausgerechnet im dramatischen Elfmeter-Krimi gegen Chelsea liefert der Dauerbrenner der Reds die Geschichte des Abends.

Als Joe Gomez am Mittwochabend im dramatischen Carabao-Cup-Duell seines FC Liverpool gegen den FC Chelsea zum Punkt schritt, konnte in Anfield wohl kaum jemand über die besondere Ironie dieser Szene hinwegsehen.

Seit Jahren gehört es rund um den FC Liverpool beinahe zum Running Gag, dass der mittlerweile 29-Jährige trotz seiner langen Vereinszugehörigkeit noch immer auf sein erstes Pflichtspieltor für die Reds wartet. 279 Einsätze, aber getroffen hatte Gomez nie.

Joe Gomez beim entscheidenden Elfmeter für Liverpool
Joe Gomez beim entscheidenden Elfmeter für LiverpoolJoe Gomez beim entscheidenden Elfmeter für Liverpool© IMAGO/Propaganda Photo

Und nun kam der Moment. Im Elfmeterschießen wurde der Innenverteidiger plötzlich gebraucht. Nach 14 Schützen auf beiden Seiten musste Gomez als achter Spieler seiner Mannschaft ran und verwandelte eiskalt.

Wenig später jagte Chelseas Wesley Fofana den Ball in den Liverpooler Nachthimmel und Gomez wurde nicht nur einfach zu einem Torschützen, sondern sogleich zum entscheidenden. Nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit setzte sich Liverpool mit 6:5 im Elfmeterschießen durch und zog ins Viertelfinale ein.

Torlosigkeit verfolgt Gomez seit Jahren

Dass Gomez überhaupt erst als achter Schütze antrat, kam wenig überraschend. Auch wegen seiner fast schon chronischen Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor sollten es zunächst sieben andere Liverpool-Spieler richten.

In den vergangenen Jahren hatten ihn Mitspieler und Fans immer wieder scherzhaft mit seiner Torflaute aufgezogen. Wenn Gomez in aussichtsreicher Position zum Abschluss kam und das Tor verfehlte, wurde die Legende vom niemals treffenden Verteidiger weitergeschrieben.

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Doch diese Legende endete jetzt, zumindest teilweise. Auch deshalb musste Gomez nach dem Spiel selbst lachen. „Kann das als mein erstes Tor zählen?“, scherzte der Engländer bei ITV anschließend. Mit einem Grinsen schob er hinterher: „Dann können wir dieses Thema endlich beenden.“

So ganz wird Gomez trotz seines Treffers den Ruf als Torloser nicht loswerden. Offiziell zählt ein Treffer im Elfmeterschießen schließlich nicht für die persönliche Torstatistik. Auf dem Papier bleibt der Innenverteidiger also weiter ohne Treffer für den FC Liverpool.

Mitspieler zwingen Gomez indirekt zum Glück

Gomez und seinem Team wird das egal sein. Denn der Treffer im Elfmeterschießen war weit mehr wert als ein einfaches Tor – es bedeutete den Einzug ins Viertelfinale des Carabao-Cups.

Dass der Innenverteidiger zum Helden des Abends wird, war dabei zum Start des Elfmeterschießens nicht erwartbar. Doch dann nutzte erst Kostas Tsimikas den Matchball zum Einzug ins Viertelfinale nicht, ehe auch Ryan Gravenberch verschoss. Nur dank einer starken Parade von Torhüter Giorgi Mamardashvili ging es überhaupt weiter.

Dann kam Gomez und drosch den Ball kompromisslos in die Ecke. „Die Jungs haben mich praktisch zum Punkt geschoben und zu meinem Glück gezwungen“, berichtete Gomez später. Nach all den vergebenen Chancen und den zahllosen Witzen über seine Torflaute wirkte es fast so, als wollten seine Teamkollegen, dass ausgerechnet er diesen Moment erlebt.

Gomez wird zum Helden

Faktisch wäre dss natürlich nicht nur viel zu kitschig, sondern auch falsch. Die Reds hätten das Spiel natürlich lieber schon früher entschieden, doch auch den besonderen Moment für einen ihrer loyalsten Stars nahmen Fans, Teamkollegen und Verantwortlichen bestimmt gerne mit.

Denn kaum ein anderer Spieler verkörpert die jüngere Liverpool-Geschichte so sehr wie Gomez. Der Engländer kam bereits 2015 von Charlton Athletic an die Anfield Road, gewann die Meisterschaft, die Champions League, den FA Cup und den League Cup.

Der Innenverteidiger wurde immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfen, kämpfte sich aber gleichzeitig auch stetsrzurück. Auch deshalb gönnen alle Gomez diesen ganz speziellen Moment.

Über seinen entscheidenden Strafstoß sagte er: „Ich habe einfach versucht, ruhig zu bleiben und den Ball entschlossen zu treffen.“ Das gelang Gomez mehr als gut: Er schoss nicht nur sein Team in die nächste Runde, sondern beendet auch gleichzeitig seinen ganz persönlichen Torfluch – auch wenn er offiziell noch immer auf sein erstes Tor für Liverpool warten muss.

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