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ManCity-Eigentümer kauft FC Palermo: Das steckt hinter dem Imperium der Klub-Besitzer

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ManCity-Eigentümer kauft FC Palermo: Das steckt hinter dem Imperium der Klub-Besitzer

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Das City-Imperium wächst weiter

Das City-Imperium wächst weiter

Die City Football Group (CFG) ist die größte Fußball-Allianz der Welt. Zu der Gruppe gehört auch Manchester City - und nun ist ein weiterer Verein dazu gekommen.
Stefan Ortega wechselt zu Manchester City. Der 29-Jährige kommt ablösefrei vom Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld zu den Citizens.
Vincent Wuttke
Vincent Wuttke

Das größte und reichste Fußball-Imperium der Welt breitet sich weiter aus.

Die City Football Group (CFG) ist neuer Eigentümer des italienischen Fußball-Traditionsklubs FC Palermo. Der Vertrag wurde am Freitag vor einem Mailänder Notar offiziell geschlossen - der Zweitligist ist ab sofort das elfte Mitglied der Allianz.

2017 war Palermo aus der Serie A abgestiegen. Nach der Aufdeckung mehrerer Bilanzfälschungen in der Vergangenheit folgte 2019 die Pleite und der Zwangsabstieg in die vierte Liga.

City erhält 80 Prozent an FC Palermo

Nach seiner Neugründung stieg der Verein in der wegen der Pandemie abgebrochenen Saison 2019/20 wieder in die Serie C auf und kehrte nun in die Serie B zurück.

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Die City Football Group erhält für rund 13 Millionen Euro 80 Prozent der Anteile des Klubs aus Sizilien. Die restlichen 20 Prozent bleiben beim Unternehmer Dario Mirri, der auch Präsident des Klubs ist.

Vor Palermo war der ES Troyes AC aus der zweiten französischen Liga der letzte Verein, der zur CFG dazugestoßen war. Weniger als neun Millionen Pfund waren für den „Neuzugang“ nötig gewesen. Für die CFG stellt der jüngste Kauf das nächste kleine Etappenziel auf dem Weg zum großen Traum dar.

Elf Klubs gehören zur Allianz

Auf jedem Kontinent und in jedem bekannten Fußballland soll ein Verein zur Allianz gehören. „Es ist ein Meilenstein für die City Football Group und demonstriert, wie sich unser Modell innerhalb kürzester Zeit weiterentwickelt und wächst“, hatte Geschäftsführer Ferran Soriano nach der Übernahme von Troyes erklärt.

Soriano führt das Imperium geradlinig immer näher an das große Ziel heran. Die City Football Group hat Teams auf jedem Kontinent - ausgenommen Afrika. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis dort etwas passiert.

Aktuell gehören Manchester City (England), New York City (USA), Melbourne City (Australien), Yokohama F. Marinos (Japan), Montevideo City Torque (Uruguay), FC Girona (Spanien), Sichuan Jiuniu (China), Mumbai City (Indien), Lommel SK (Belgien), ES Troyes (Frankreich) und nun auch der FC Palermo (Italien) zur Allianz.

Scheich Mansour zieht die Fäden

Aber was steckt hinter dem Netzwerk, das in der Fußballwelt allgegenwärtig ist?

Die Gruppe gibt es seit 2013 und ist aus der Abu Dhabi United Group von Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan entsprungen. Heute gehören 77 Prozent der Gruppe noch der Gründervereinigung, 13 Prozent der China Medial Konsortium und zehn Prozent der Silver Lake. Das Trio vereint also mehrere Milliarden Euro Kapital.

Finanziell sind der Vereinigung so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Der argentinische Stürmer-Star Julián Álvarez kommt im Juli zu Manchester City. Die Stats des 22-Jährigen zeigen, warum er in Kombination mit Erling Haaland Fußballfans zum Staunen bringen kann.
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Das ist vor allem bei der Infrastruktur der Vereine zu erkennen. Sie trainieren in sehr modernen Akademien, die nach dem Vorbild des Geländes in Manchester gebaut sind. Im Idealfall sollen die Talente in den Zentren weltweit so ausgebildet werden, dass sie später den Sprung zu Manchester City schaffen.

„Fußball zu nutzen für soziale Verbesserungen“

Das Modell hat allerdings erst bei einem Spieler funktioniert - und auch da nur ansatzweise. Daniel Arzani, ausgebildet in Melbourne, ging 2018 nach Manchester, spielte dort aber keine Rolle und ist schon wieder weg.

Die Visionen der Vereinigung sind - genau wie der Ausbildungsplan der Jugendspieler - von Optimismus geprägt: "Es ist unsere Ambition, den Einfluss von Fußball auf und neben dem Feld zu erweitern, die besten Fußballtalente zu entwickeln und eine aufregende und offensive Spielweise zu liefern", ist auf der eigenen Homepage zu lesen.

Nach eigenen Aussagen steht der Vorsatz über allem, „Fußball zu nutzen für soziale Verbesserungen“. Es werden jedoch auch immer wieder Zweifel gehegt, ob nicht noch mehr hinter dem Handeln steckt. Der sportliche Erfolg des Flaggschiffs Manchester City zum Beispiel.

Girona-Kauf zu Guardiola-Zwecken?

Zwei Fälle machen das Treiben der Funktionäre bei der Suche nach neuen Vereinen jedenfalls deutlich.

Im Mai 2014 sichert sich die Gruppe einen Anteil von 20 Prozent an den Yokohama F. Marinos in der zweiten japanischen Liga. Den Rest der Anteile am Verein hat der Automobil-Riese Nissan inne. Pikant: Seitdem die CFG und Nissan dort gemeinsame Sache machen, sind die Japaner auch der offizielle Autopartner von Manchester City und zahlen bei den Engländern viel Geld.

Noch deutlicher werden die Beweggründe beim Einstieg beim FC Girona in Spaniens zweiter Liga. Und ein Mann spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle: Pep Guardiola.

Seit langer Zeit gehören 44,3 Prozent des Vereins Pere Guardiola, dem Bruder des heutigen Trainers von Manchester City. 2015, als die City Football Group offiziell noch kein Teil von Girona war, kaufte sich die Gruppe bei Familie Guardiola mithilfe des spanischen Vereins in die Herzen - und das nicht ohne Vorsatz.

Citys Plan geht auf

Guardiola hatte seinen Abschied als Coach beim FC Bayern verkündet und Manchester City wollte sich im Werben um den Katalanen unbedingt durchsetzen.

So sorgten die Bosse von CFG dafür, dass Gironas damals umworbener Verteidiger Florian Lejeune von Manchester City kurzerhand für gerade einmal 300.000 Euro gekauft und direkt zurück nach Girona verliehen wurde. Zudem gab es obendrauf noch die Manchester-Talente Chidiebere Nwakali, Pablo Maffeo und Ruben Sobrino als Leihspieler.

Der Plan ging auf: Pep Guardiola kam ein Jahr später zu ManCity und die City Football Group stieg mit 44,3 Prozent beim FC Girona ein. Vorherige Absprachen über einen Einstieg der Allianz im Falle des Pep-Wechsels sind also alles andere als auszuschließen.

Auffällig ist sonst aber bei den elf Vereinen: Es gibt keinen nennenswerten Spielerbasar zwischen den „Familienmitgliedern“.

Pedro Porro der Rekordtransfer innerhalb der Gruppe

Rekordtransfer innerhalb des Imperiums ist Pedro Porro. Der Rechtsverteidiger ging im Sommer 2019 von Girona für zwölf Millionen Euro zu Manchester City. Sein Marktwert lag allerdings auch bereits bei zehn Millionen. Ein ganz normaler Transfer also, ebenso wie der zweitteuerste Wechsel. Für vier Millionen Euro wechselte Linksaußen Jack Harrison 2017 von New York City zu Manchester City. Sein damaliger Marktwert: gerade einmal 1,75 Millionen Euro.

Diese beiden sind die einzigen Millionentransfers innerhalb der Gruppe. Verschieben von großen Millionensummen, um so das Financial Fair Play zu umgehen, gibt es also nicht.

Nur vier Vereine handeln etwas untereinander: Manchester City, Girona, New York City und Melbourne City.

Lampard und Villa als Leihspieler

Der MLS-Klub aus New York bekam bisher insgesamt vier Akteure aus England und gab zwei Profis auf die Insel ab. Auffälligste Transfers zu den Kooperationspartnern waren die von Chelsea-Legende Frank Lampard, der 2014 kurzerhand zu Manchester City ausgeliehen wurde und von David Villa, der zum Spielpraxis sammeln zu Melbourne verliehen wurde.

Einen Transfer, der als ungewöhnlich einzustufen gilt, gab es von Melbourne nach Manchester: Aaron Mooy. Der Australier kam 2016 ablösefrei nach England, spielte nie für Manchester City und brachte den Citizens 2017 bei seinem Wechsel zu Huddersfield Town eine Ablöse von rund neun Millionen Euro ein.

Und Girona empfängt neben den oben bereits erwähnten Personalien in regelmäßigen Abständen Nachwuchsspieler von der Insel. Eigentlich machen die nun elf Vereine aber ihr eigenes Ding. Der FC Palermo, ES Troyes, Mumbai City, Sichuan Jiuniu und Yokohama F. Marinos haben bisher noch nicht einen Deal mit einem Partnerteam abgeschlossen.

Übersicht über die Übernahme der elf Klubs:

Manchester City (100-Prozent-Mehrheit): Im September 2008 verkaufte der ehemalige Premierminister Thailands Thaksin Shinawatra den Verein für etwa 185 Millionen Euro an das Investmentunternehmen aus dem Emirat Abu Dhabi. Der englische Verein ist also nicht nur das Flaggschiff, sondern auch das erste Mitglied des Imperiums gewesen. Der Klub ist vollständig in Händen der City Football Group und hat seit 2008 satte 14 Titel gewonnen.

New York City (Mehrheit): Der Klub aus der MLS gehört seit 2012 zur CFG. 80 Prozent liegen in den Händen des Imperiums, das verbleibende Fünftel gehört der Yankee Global Enterprises - den Besitzern der New York Yankees.

Melbourne City (Mehrheit): Natürlich darf auch der Kontinent Australien kein weißer Fleck sein. 2014 kaufte sich die Gruppe dort in der ersten Liga ein, machte Melbourne damit zu seinem Zentrum im pazifischen Raum und lässt dort vor allem talentierte Trainer Profierfahrungen machen.

Lommel SK (Mehrheit): Der belgische Vertreter war bis Mai 2020 mit rund zwei Millionen Euro verschuldet. Diese Sorgen gibt es nun nicht mehr beim belgischen Zweitligisten. Nach dem Mehrheitseinstieg der CFG wird das Geld natürlich von oben zur Verfügung gestellt.

ES Troyes AC (Mehrheit): Der Zweitligist spielt auf der nationalen Fußballbühne (noch) keine große Rolle. Der reiche Riese kaufte die Anteile vom bisherigen Eigner Daniel Masoni.

FC Palermo (Mehrheit): Der jüngste Zuwachs in der großen Familie ist ebenfalls ein Zweitligist. Die City Football Group erhält 80 Prozent der Anteile. Der Rest bleibt beim Präsidenten und Unternehmer Dario Mirri.

Yokohama F. Marinos: Der erste Deal, bei dem die City Football Group 2014 eine Minderheit in Kauf nahm. Lediglich 20 Prozent des japanischen Vereins gehören dem mächtigen Zusammenschluss. Die anderen 80 Prozent obliegen dem Automobilhersteller Nissan - seitdem der offizielle Autoausrüster Manchester Citys. Bei diesem Einstieg werden der CFG deshalb Hintergedanken nachgesagt.

Montevideo City Torque: Der Verein war eigentlich das Lebensprojekt von Unternehmer Raúl Aquino Reynoso. Er gründete den Klub Torque 2007, brachte ihn innerhalb von zehn Jahren von ganz unten in die erste Liga in Uruguay und verkaufte im April 2017 schließlich. Der Vereinsname wurde danach in Montevideo Torque City geändert, ebenso gab es für das Zeichen eine Frischkur.

FC Girona: Auch beim spanischen Zweitligisten agierten die Geschäftsführer wohl mit Hintergedanken. 44,3 Prozent des Vereins gehören seit längerer Zeit Pere Guardiola - keinem Geringeren als dem Bruder von Pep Guardiola. Die Bosse der CFG kümmerten sich um einige Spielerverstärkungen für Girona, um bei Pep Guardiola und seinem Bruder Pluspunkte beim Manchester-City-Vertragspoker um den Trainer zu sammeln. Es funktionierte: 2016 wechselte Pep Guardiola zu Manchester City und die City Football Group stieg mit 44,3 Prozent bei Girona ein.

Sichuan Jiuniu: Wieder werden die Beweggründe für den Kauf deutlich. 2015 gab die CFG 13 Prozent an die China Media Capital für 400 Millionen Pfund ab. Da ist klar, dass ein chinesischer Klub auf der langen Liste der Imperiums-Mitglieder nicht fehlen darf. 2019 kaufte man sich also beim Zweitligisten ein.

Mumbai City: Die ehemaligen Manchester-City-Akteure Peter Reid und Nicolas Anelka trainierten die Mannschaft bereits, bevor Mumbai City im November 2019 ein Teil des erlesenen Kreises wurde.

Eine Kooperationsvereinbarung besteht zudem mit dem venezolanischen Club Atlético Venezuela.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)