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Premier League: So ungewöhnlich ist Aufsteiger FC Brentford

Dieser Aufsteiger ist nicht gewöhnlich

In der neuen Saison wird der FC Brentford erstmals seit 74 Jahren wieder in Englands höchster Liga spielen. Der Aufstieg ist kein Zufall und das Ergebnis einer sehr ungewöhnlichen Vorgehensweise.
Sancho, Daka, Trincao: Manchester United, Leicester City & Co. sichern sich gerade die besten Talente der Welt. Die Premier League tätigt Transfers für die Zukunft.
In der neuen Saison wird der FC Brentford erstmals seit 74 Jahren wieder in Englands höchster Liga spielen. Der Aufstieg ist kein Zufall und das Ergebnis einer sehr ungewöhnlichen Vorgehensweise.

Erstmals seit 1947 spielt der FC Brentford wieder in der Premier League. Der Aufsteiger eröffnet gegen den FC Arsenal die neue Ligasaison. (Premier League: FC Brentford - FC Arsenal, ab 21 Uhr im Liveticker)

Die Rückkehr der “Bienen” in die höchste Spielklasse Englands ist kein Zufall, sondern genauestens von der ungewöhnlichen Führungsriege des Londoner Klubs geplant.

Angeführt wird diese von Brentford-Besitzer Matthew Benham. Der studierte Oxford-Physiker verdient seinen Lebensunterhalt mit Sportwetten, indem er darauf abzielt, durch Analyse über die Hälfte seiner platzierten Wetten sicher zu gewinnen.

Er krempelte den Verein komplett um: Alle Entscheidungen auf und neben dem Platz werden unter seiner Führung auf der Grundlage mathematischer Modelle und statistischer Analysen getroffen.

Ein Epidemiologe in der Führungsetage

Doch der Eigentümer, der seit 2012 an der Spitze steht, arbeitet nicht alleine. 2015 brachte er Phil Giles, jetzt Brentfords Co-Direktor für Fußball, und Rasmus Ankersen, den heutigen Sportdirektor und Scouting-Chef, zusammen.

Erstgenannter hatte während seines Statistikstudiums an der Universität Newcastle Pandemien untersucht. Giles erstellte statistische Modelle, die vorhersagen, wie sich Dinge entwickeln und wie viele Ansteckungsfälle es in der Zukunft wahrscheinlich geben wird.

2005 habe er angefangen, “vergangene Daten von Fußballspielen zu verwenden, um zukünftige Fußballergebnisse vorherzusagen. Das ist viel interessanter”, wird der Co-Direktor von der Daily Mail zitiert.

Zu Beginn der Corona-Krise wusste Giles sofort, wie lange sich diese hinziehen könnte. Deshalb handelte Brentford mit seinen Spielern schnell einen Gehaltsverzicht aus.

“Indem wir das frühzeitig taten, waren wir in der Lage, die Krise zu überstehen, ohne später Notmaßnahmen ergreifen zu müssen”, erklärte Giles. Möglicherweise wurde dadurch der Aufstieg des Klubs gesichert.

Während sein Kollege eher rational und logisch an die Aufgaben herangeht, ist Sportdirektor Ankersen auch für die emotionale Seite zuständig. Der Däne vermittelt neuen Spielern die Vision des FC Brentford, oft auch auf unkonventionelle Art und Weise. “Einige Dinge, die wir in Brentford tun, sind in anderen Branchen ganz normal”, betonte er.

So macht Brentford konstant Gewinne

Zugleich ist Ankersen Vorsitzender beim innovativen dänischen Klub FC Midtjylland, der auch im Besitz von Brentford-Eigentümer Benham ist. Als Chefscout von Brentford bedient sich Ankersen bei der Suche nach Neuverpflichtungen an den statistischen Kenntnissen des Klubs.

Auch wenn die genauen Indikatoren geheim sind, zeigt ein Blick auf die Transferbilanz die offensichtliche Vorgehensweise: Brentford kauft junge Talente preiswert ein und verkauft sie später für teures Geld weiter. Die Strategie, in der sich auch einige andere Vereine mehr oder weniger erfolgreich versuchen, brachte den Engländern konstant Gewinne.

So kam etwa Angreifer Ollie Watkins 2017 vom Viertligisten Exeter City zu den Londonern. Drei Jahre später sicherte sich Aston Villa seine Dienste nach über 100 Partien für Brentford und zahlte stolze 34 Millionen Euro.

22 Millionen erhielt der Klub zudem für Linksaußen Said Benrahma beim Verkauf an West Ham United. 2018 hatte Brentford gerade einmal 1,7 Millionen an den OGC Nizza überwiesen. Von der jüngsten raketenartigen Entwicklung zeugt Stürmer Ivan Toney: Mit 31 Toren war er maßgeblich für den Aufstieg verantwortlich und steigerte seinen geschätzten Marktwert von 400.000 Euro auf aktuell 28 Millionen.

Brentford nutzt Key Performance Indikatoren für den Erfolg

Um Erfolge, wie den Aufstieg, einzufahren, hat die Führung des FC Brentford sogenannte KPIs entwickelt. Key Performance Indikatoren, bei deren Einhaltung der Erfolg wesentlich wahrscheinlicher wird. “In der letzten Saison stand in der Strategie nichts über dem Erreichen des Aufstiegs”, erklärte Ankersen.

Insgesamt unterteilt Brentford das Spiel in Phasen, sucht nach Möglichkeiten, Verbesserungen zu erzielen, und prüft, wie jede einzelne Abteilung dazu beitragen kann. Genauere Details über die Vorgehensweise will der Klub nicht preisgeben – auch nicht über die Chancen im Kampf um den Klassenerhalt in der Premier League. “Wir wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir oben bleiben”, verriet Giles ohne genauere Angaben.

Eines steht unabhängig des Klassenerhalts fest: Brentford wird seinen Kurs nicht ändern. “Der Strategie treu zu bleiben, sollte nicht als stur verstanden werden”, stellte Ankersen klar. “Es ist ein Plan, um besser zu werden”, ergänzte Giles. “Es gibt keine Selbstgefälligkeit. Wir wissen, dass wir im Moment nicht zu den besten Mannschaften der Premier League gehören. Da wollen wir dazugehören, das ist der Plan.”