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Die größere Farce beim Ballon d‘Or?

Die größere Farce beim Ballon d‘Or?

Mohamed Salah vom FC Liverpool antwortet mit einer erneuten Gala auf seinen fragwürdigen 7. Platz beim Ballon d‘Or. Hätte der Ausnahmestürmer sogar auf Platz 1 gehört?
Jürgen Klopp versteht die Platzierungen beim Ballon d'Or nicht wirklich und verteidigt Robert Lewandowski und Mo Salah.
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
von Martin Hoffmann

Mohamed Salah lachte erstmal los.

Es folgte ein Kopfschütteln, ein Schulterzucken und der Satz: „Ich habe keinen Kommentar dazu.“

Dabei hatte der Reporter des übertragenden Portals Amazon Prime noch nicht mal die Frage zu Ende gestellt. Nur der Ansatz reichte: „Ihr siebter Platz beim Ballon d‘Or ...“ (NEWS: Alle Neuigkeiten zum Fußball)

Der Star-Angreifer von Jürgen Klopps FC Liverpool war klug genug, nicht mehr zu sagen und als motzig und missgünstig gegenüber Sieger Lionel Messi und den anderen vor ihm platzierten Konkurrenten dazustehen.

Die beiden Tore, die er zuvor beim 4:1 im Premier-League-Derby gegen den FC Everton geschossen hatte, sprachen für sich. Und ansonsten hatte Salah ja auch andere, die für ihn sprachen.

„Bester Spieler der Welt: Mo Salah.“

„Er ist ganz gut, dieser Mo-Salah-Junge“ twitterte etwa Englands Stürmerlegende Gary Lineker. Was in dessen bekannt lakonischer Art in etwa dasselbe bedeutete wie das, was Liverpools Klubikone Jamie Carragher in aller Deutlichkeit schrieb: „Bester Spieler der Welt: Mo Salah.“

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Nun ist ein starkes Spiel allein natürlich kein Killer-Argument, eine Spieler-des-Jahres-Wahl anzuzweifeln. Aber es ist ja bei weitem nicht nur dieses eine Spiel, das in England und anderswo eine veritable Debatte ausgelöst hat.

Tenor: Robert Lewandowski schön und gut, aber ist nicht eigentlich Salah der Betrogene?

Nicht nur Klopp fordert bessere Platzierung beim Ballon d‘Or

„Die Beleidigung von Mohamed Salah verdeutlicht, warum der Ballon d‘Or den Respekt nicht verdient, den er bekommt“, wütete etwa der Mirror schon vor dem Merseyside-Derby.

Salah sei „der beste Spieler der Premier League, die Liga, die die beste der Welt sein sollte“. Salah verdiene den Preis nicht nur wegen seiner Bilanz aktuell bester Scorer der großen europäischen Ligen (13 Tore und 7 Vorlagen in 14 Spielen) – sondern auch wegen der Art und Weise „wie er Jürgen Klopps elektrischen Fußballstil verkörpert“.

Vor allem darüber, dass Salah auch hinter Cristiano Ronaldo gelandet ist (4 Tore in 10 Spielen seit der Rückkehr zu Manchester United), zeigte sich Mirror-Autor Tom Blow „flabbergasted“ - völlig baff.

Auch Coach Klopp schaltete sich in die Diskussion ein. Er ging zwar nicht so weit zu sagen, dass Salah der Gewinner hätte sein müssen, aber: „Mo hätte auf jeden Fall weiter oben sein sollen.“ Neben Messi, Lewandowski und Ronaldo (6.) hatten auch EM- und Champions-League-Held Jorginho (3), Karim Benzema (4) und N‘Golo Kante (6) Salah abgehängt.

Alphonso Davies kann - wie so viele - nicht nachvollziehen, dass Robert Lewandowski den Ballon d‘Or nicht erhalten hat. Der Bayern-Star berichtet auf Instagram von seiner Gefühlswelt.
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Davies außer sich: "Wollte was zusammenschlagen!"

Diese Punkte sprechen gegen Salah ...

Hätte Salah höher platziert sein müssen, womöglich sogar ganz oben? Es ist wie immer Auslegungssache.

In der Jahresabrechnung der Topscorer liegt Salah mit 31 Punkten in 26 Ligaspielen hinter Lewandowski (42 in 30), Benzema (38 in 34) und auch Messi (35 in 29) - also mit Ausnahme von Ronaldo hinter allen vor ihm liegenden Stürmern.

Gegen Salah spricht auch, dass Liverpool in diesem Jahr die Meisterschaft Manchester City überlassen musste und in der Champions League im Viertelfinale ausschied. Die coronabedingte Verschiebung des Afrika-Cup nahm dem Ägypter auch die Möglichkeit, dem besten Argument für Messi etwas entgegen zu setzen – dessen lang ersehnten Copa-America-Triumph mit Argentinien.

Nimmt man die offiziellen Ballon-d‘Or-Kriterien beim Wort, gibt es aber trotzdem ein Argument für Salah: Neben den „individuellen und mannschaftlichen Leistungen in diesem Jahr“ zählen ja auch „die Klasse des Spielers (Talent und Fairplay)“ sowie dessen „Karriere“.

... und diese für ihn

Eine schwammige Zusammensetzung, die man einerseits gegen Salah ins Feld führen kann – und als Grund, warum Ronaldo wegen dessen Karriere-Verdiensten immer noch vor ihm liegt.

Andererseits spricht aber gerade der Blick über das Jahr 2021 hinaus wieder für Salah, der seit rund fünf Jahren Premier und Champions League womöglich konstanter als jeder andere in diesem Zeitraum mit Weltklasse-Leistungen geprägt hat.

Weder im Jahr 2018, als Salah Premier-League-Toptorjäger und Englands sowie Afrikas Fußballer des Jahres war, noch in Liverpools Champions-League-Jahr 2019 reichte es für Ballon-d‘Or-Würden.

Dass Salah - auch von Messi geadelt als Spieler, der sich „am Optimum“ befinde - in diesem Jahr „dran“ gewesen wäre: ein ebenso legitimer Standpunkt wie der für Messi oder Lewandowski.

Nicht zu widersprechen ist in jedem Fall dem Schlusssatz des Mirror: „Salah ist in derselben Liga wie Messi, Lewandowski und alle anderen Topstars, die einem einfallen können. Zeit, ihn auch so zu behandeln.“