Sebastian Kneißl erinnert sich noch gut an den Tag, als Roman Abramowitsch zum ersten Mal auf dem Trainingsgelände des FC Chelsea aufschlug.
Premier League: Abramowitsch tat Chelsea gut, sagt DAZN-Experte Sebastian Kneißl
Abramowitsch - DAZN-Experte erinnert sich
„Auf einmal fahren sechs schwarze Limousinen vor und heizen da wie die Bekloppten“, verriet der ehemalige Spieler der Blues im Interview mit Spox und Goal: „Ich dachte mir: ‚Ach du Scheiße, was kommt da jetzt!?‘ Es kamen tatsächlich immer fünf bis sechs Limousinen und sie mussten immer eine andere Route fahren, weil man nie wusste, ob es einen Anschlag oder so etwas geben kann. Es durfte auch niemand wissen, in welcher Limo er saß. Es war surreal.“
Das geschah im Jahr 2003, kurz nachdem der Russe den Klub aus London gekauft hatte.
Kneißl: „Wie ein Kind, das ein Geschenk auspacken darf“
„Abramowitsch kam auf den Platz. Es standen alle aufgereiht nebeneinander wie bei einem offiziellen Fußballspiel. Er ist jeden einzeln durchgegangen, hat jedem in die Augen geschaut, jeden begrüßt und versucht auf Englisch ein paar Brocken zu sagen. John Terry ist mitgelaufen und hat jeden namentlich vorgestellt“, erinnerte sich Kneißl, der von 2000 bis 2005 an der Stamford Bridge unter Vertrag stand.
Kneißl hatte eigentlich eine „russische Kante“, einen „Bodybuilder-Typ“ erwartet. Stattdessen „schüttelt er dir die Hand und wirkt wie ein Kind, das an Weihnachten sein Geschenk auspacken darf.“ Einen Elfmeter durfte der Investor dann auch noch gegen Keeper Carlo Cudicini schießen - und er traf.
„Hallo, er hat bezahlt“, lachte Kneißl: „Da machst du alles. Hätte Carlo gehalten, hätte Roman ihn sofort aus der Hosentasche ausbezahlt und ihm gesagt, dass er jetzt gehen kann.“
Kneißl Leidtragender von Abramowitsch
Er selbst war damals Leidtragender von Abramowitsch, da er als junger Spieler nach den namhaften Neuzugängen keine Chance auf Einsatzzeit mehr hatte, obwohl ihm der damalige Coach Claudio Ranieri zuvor Hoffnungen auf Premier-League-Spiele gemacht hatte. Auf einen Schlag änderte sich aber die Erwartungshaltung. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Premier League)
Kneißl ging 2005 ablösefrei zurück nach Deutschland, zu Wacker Burghausen. Abramowitsch ist er aber nicht böse, auch wenn er wohl auch seinetwegen nie ein Pflichtspiel für Chelsea machte.
„Der Verein wird noch lange von der finanziellen Unterstützung aber auch von dieser Leidenschaft profitieren. Es ist etwas Nachhaltiges aufgebaut worden“, glaubt der 39-Jährige, der heute als Experte für DAZN arbeitet.
Kneißl: Kein Spieler spricht negativ von Abramowitsch
Derzeit, fast 20 Jahre nach dem ersten Besuch auf dem Trainingsgelände, verkauft Abramowitsch den Klub wieder. Er steht als eine schillernde Persönlichkeit des Fußballs schwer in der Kritik, da ihm eine gewisse Nähe zu dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird - und seine Rolle rund um den Kreml undurchsichtig ist.
Kneißl glaubt, dass man hier zwischen Sport und Politik unterscheiden muss:
„Wenn es diese Nähe zu Wladimir Putin und das Wissen zum Kriegsvorhaben gibt, ist es natürlich eine Schande. Aber sportlich hat er viele Menschen positiv beeinflusst. Er hat für viele Glücksmomente bei den Menschen in und um den Verein gesorgt. Er war 19 Jahre da und hat 19 Titel geholt. Ich finde auch, dass er dem Fußball einen großen Gefallen getan hat. Er hat 20 Jahre lang gezeigt, dass das Modell Investor funktionieren kann und man nicht immer Angst haben muss, dass er zurückzieht.“
Bei den Spielern kam Abramowitsch laut Kneißl immer gut an. „Ich habe erst neulich das Video von John Terry gesehen, wie er sich bei Roman für alles bedankt. Da gab es viel Aufregung, wie er so etwas machen kann. Aber John hat auch damals nach einer Meisterschaft vor 40.000 Menschen gesagt: ‚Ohne dich wäre das nicht machbar und ich bin dir von Herzen dankbar!‘ Man wird keinen Spieler finden, der negativ über Roman Abramowitsch spricht“, glaubt er.