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Premier League: Verrückter Abstiegskampf in England - 10 statt 120 Millionen?

Der tiefe Fall eines Champions

Der Abstiegskampf in England ist so spannend wie lange nicht. Sechs Klubs kämpfen drei Spieltage vor Schluss um ihr sportliches Überleben – ein Abstieg wäre folgenreich.
Pep Guardiola äußert sich erneut zu den vielen Trainerentlassungen in der Premier League. Der Man-City-Trainer findet, dass Trainer heutzutage keine Zeit mehr bekommen, um ein Projekt aufzubauen.
Der Abstiegskampf in England ist so spannend wie lange nicht. Sechs Klubs kämpfen drei Spieltage vor Schluss um ihr sportliches Überleben – ein Abstieg wäre folgenreich.

Der Abstiegskampf in der Premier League hat es in sich.

Drei Spieltage vor Schluss kämpfen noch sechs Klubs um ihren Platz in England höchster Spielklasse. Leeds, Leicester (beide 30 Punkte), Everton (32) und Nottingham (33) trennen lediglich drei Punkte, West Ham (37) hat den Klassenerhalt so gut wie sicher. Dahinter liegt Southampton (24) abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Drei dieser Klubs werden am Ende die Reise in die zweitklassige Championship antreten müssen. Es droht eine Reise ohne Rückkehr, denn die Konkurrenz in der 2. Liga Englands ist stark. Gerade der tiefe Fall von Leicester City ist dramatisch.

Leicester City: Vom Champion zur Championship?

Noch vor sieben Jahren gelang mit der Meisterschaft noch das „Wunder des Jahrhunderts“. Jetzt droht der Abstieg.

Angesichts des harten Restprogramms (Liverpool, Newcastle, West Ham) ist die Gefahr höher denn je. Dass Leicester eigentlich noch zwei Punkte auf Everton aufholen müsste, macht die Sache nicht leichter.

Vom Champion in die Championship – so könnte man das Kapitel der letzten sieben Jahre in Leicester City benennen, falls der Meister von 2016 tatsächlich absteigen sollte. Der einzig verbliebende Spieler aus der Meistermannschaft ist Stürmer-Star Jamie Vardy.

Der heute 36-Jährige spricht vom potenziell „größten Erfolg seiner Karriere“, wenn er mit den Foxes die Klasse halten würde. Der unglaubliche Meisterschafts-Run ist schon lange in den Hintergrund gerückt.

Everton galt als einstiger Top-Six-Verfolger

Erfolgreiche Zeiten sind auch bei Everton noch gar nicht so lange her. Vor den Foxes galten auch die Toffees lange als größte Gefahr für die in England dominanten Top Six.

Zwischen 2006 und 2013 war die schlechteste Platzierung Platz acht. Sonst wurde Everton dreimal Fünfter, einmal Sechster und dreimal Siebter. Doch auch diese Erfolgsgeschichte ist vorüber.

Am Sonntag trifft Everton auf die schier unbesiegbaren Citizens, die mitten Meisterschafts-Kampf stecken, und es droht der Rückfall auf einen Abstiegsplatz. Immerhin folgen nach dieser Mammutaufgabe mit Wolverhampton und Bournemouth vermeintlich leichtere Gegner.

Doch der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz (zwei Punkte) ist minimal. Leicester (vs. Liverpool) könnte theoretisch am Wochenende vorbeiziehen, aber auch Leeds liegt nur zwei Punkte hinter den Toffees. Hoffnung macht der 5:1-Befreiungsschlag gegen Brighton vom vergangenen Wochenende.

„Wir haben einen weiteren Schritt gemacht, aber es gibt noch drei weitere große Schritte, die wir machen müssen“, mahnte Trainer Sean Dyche nach den drei Punkten gegen Brighton zu Recht.

Leeds weiß, wie schwer der Wiederaufstieg ist

Das dritte Jahr in der Premier League könnte vorerst das letzte für Leeds sein. Auch die Whites haben mit Newcastle, West Ham und Tottenham ein hartes Restprogramm.

Und in Leeds ist man sich bewusst, wie gnadenlos die zweitklassige Championship sein kann. 15 Jahre steckte Leeds nach dem Abstieg 2004 in der 2. Liga fest. Erst Trainer-Guru Marcelo Bielsa konnte den Klub in die Erstklassigkeit zurückführen.

Doch es droht der erneute Absturz, obwohl der Kader vor der Saison mit talentierten Spieler wie Bayerns Marc Roca, Leipzigs Tyler Adams oder Salzburgs Brenden Aaronson verstärkt wurde. Doch der 100-Millionen-Plan in Richtung der europäischen Plätze ging vollkommen nach hinten los.

TV-Gelder fallen weg: Von 120 Mio. bleiben 10 Mio.

Der Grund für Schwierigkeiten nach einem Abstieg aus der Premier League ist der Wegfall von etlichen Millionen Euro an TV-Geldern. Die bekommen die Klubs in England zwar en masse – aber nur, solange sie erstklassig sind.

Der letzte Platz kassierte in den letzten Jahren laut Telegraph noch etwas über 120 Millionen Euro - in der Championship sieht das jedoch deutlich dürftiger aus. In den vergangenen Jahren soll der durchschnittliche Betrag bei etwa zehn Millionen Euro pro Klub gelegen haben.

Zwar gibt es für Absteiger noch Ausgleichszahlungen von bis zu 50 Millionen Euro, doch auch diese fallen mit der Zeit weg. Der Wiederaufstieg ist schwer, das Halten der Erstklassigkeit aber ebenso.

Nottingham wirft mit Geld um sich: 36 Zugänge für 190 Mio. €

Oft gelingt es nur mit massiven finanziellen Investitionen, wie sie Aufsteiger Nottingham Forest tätigte. 190 Millionen Euro an Transfer-Ausgaben nahm der Klub um den griechischen Besitzer Evangelos Marinakis in die Hand - um jetzt trotzdem im Abstiegskampf zu landen.

Aber immerhin sieht die Lage dort vielversprechend aus. Drei Punkte trennen die Tricky Trees von der Abstiegszone, das Restprogramm liest sich aber nicht einfacher als das der Konkurrenz.

Neben Wundertüte Chelsea trifft man noch auf Meisterschaftskandidat Arsenal, ehe die Saison gegen Crystal Palace zu Ende geht.

Bei Southampton ist die Hoffnung schon verloren

Die Hoffnung verloren hat wohl jeder Fan, der es mit Southampton hält. Bereits acht Punkte trennen die Saints vom rettenden Ufer. Der Ex-Klub von Trainer Ralph Hasenhüttl ist so gut wie sicher abgestiegen.

Die Saints bräuchten die Hilfe von den restlichen Klubs und müssten die letzten drei Spiele gegen Fulham, Brighton und Liverpool allesamt gewinnen. Ein aussichtsloses Unterfangen, so scheint es.

Am Wochenende könnte der Abstieg bereits besiegelt werden.