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Muss der Kane-Boss in den Knast? Anzeige gegen Tottenham-Besitzer

Tottenham-Eigner Lewis droht Gefängnis

Tottenham Hotspurs Eigentümer Joe Lewis ist am Dienstagabend von der US-Staatsanwaltschaft für Insider-Trading angeklagt worden. Der 86-Jährige soll unter anderem Börsen-Tipps an seine Liebhaber und Privat-Piloten gegeben haben. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.
Der FC Bayern München ist in Tokio angekommen. Doch auch bei der Asien-Reise dreht sich alles um die neuesten Entwicklungen im Transferpoker um Harry Kane und Kyle Walker.
Tottenham Hotspurs Eigentümer Joe Lewis ist am Dienstagabend von der US-Staatsanwaltschaft für Insider-Trading angeklagt worden. Der 86-Jährige soll unter anderem Börsen-Tipps an seine Liebhaber und Privat-Piloten gegeben haben. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Tottenhams Eigentümer Joe Lewis ist am Dienstagabend in den USA wegen „dreisten“ Insiderhandels angeklagt worden. „Meine Behörde, der Southern District of New York, hat Joe Lewis, den britischen Milliardär, wegen der Inszenierung eines dreisten Insiderhandels angeklagt“, verkündete der US-Staatsanwalt Damian Williams in einer spektakulären öffentlichen Erklärung, die per Video-Schalte live übertragen wurde.

Dem 86-Jährigen wird vorgeworfen, Insider-Börsentipps weitergegeben zu haben, unter anderem „um seine Freunde, Liebhaber und Privat-Piloten zu beschenken“, wie der Staatsanwalt weiter sagte.

Der Tottenham-Besitzer, der in den Bahamas lebt, wird in den USA in 13 Fällen des Wertpapierbetrugs angeklagt, wovon jeder eine Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis trägt. Drei weitere Fälle des Wertpapierbetrugs, für die Lewis angeklagt ist, haben sogar eine Höchststrafe von 25 Jahren Freiheitsentzug. In drei Fällen der Anklage besteht eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft.

Lewis‘ Anwälte dementierten die Vorwürfe umgehend und vehement. Sie betonten, dass sich der Engländer nun freiwillig in die USA gekommen sei, um sich gegen die Anschuldigungen vor Gericht zu verteidigen: „Die Regierung hat eine ungeheuerliche Fehleinschätzung vorgenommen, als sie Herrn Lewis, einen 86-jährigen Mann von tadelloser Integrität und außerordentlicher Leistung, anklagte“, sagte sein Anwalt David M. Zornow am Dienstag.

Joe Lewis kaufte Spurs 2001

Lewis erwarb 2001 durch seine Investment-Firma ENIC erst 26 Prozent der Anteile am Premier-League-Klub Tottenham Hotspur. Damals zahlte er 22 Millionen britische Pfund (etwa 25,7 Millionen Euro) an Sir Alan Sugar, den vorherigen Haupteigentümer.

Über die Jahre kaufte Lewis über ENIC, die auf den Bahamas registriert ist und Lewis zu 70.6 Prozent gehört, immer mehr Anteile am Klub aus Nord-London. Mittlerweile gehören ENIC mehr als 85 Prozent der Anteile an den Spurs. Der Wert des Vereins wird aktuell auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt.

29.4 Prozent der Investment-Firma ENIC gehören übrigens Klub-Chairman Daniel Levy, der als Tottenham-Chairman aktuell mit dem FC Bayern über einen Transfer von Harry Kane handelt.

Lewis‘ Haupt-Wohnsitz ist die 68 Meter lange Jacht Aviva III, die 2007 von der deutschen Werft Abeking & Rasmussen aus Niedersachsen gebaut wurde. Sie soll 228 Millionen Euro wert sein, schreibt die englische Sun, und verfüge über einen Tennis-Platz und Schlaf-Möglichkeiten für 16 Gäste.

Die Jacht ist innen geschmückt von Lewis‘ privater Kunst-Kollektion, die auf mehrere Hundert Millionen Dollar geschätzt wird. An den Wänden des Bootes sollen unter anderem Bilder von Pablo Picasso, Joan Miro, Henri Matisse und Marc Chagall hängen.

Spurs-Verkauf an Amerikaner möglich

2013 hieß Lewis den gesamten Tottenham-Kader in der Sommer-Vorbereitung auf seinem Schiff in den Bahamas willkommen. Ansonsten scheut Lewis, der in bescheidenen Verhältnissen in Ost-London aufwuchs und mit 15 Jahren die Schule verließ, weitestgehend die Öffentlichkeit. Bilder von ihm im Tottenham Stadium gibt es selten, er verfolge aber alle Spiele live im Fernsehen, sagte er einst selber.

Welche Auswirkungen die Anklagen gegen Lewis auf Tottenham Hotspur haben könnten, ist aktuell unklar. In den vergangenen Jahren stand immer wieder ein Verkauf des Klubs im Raum. Der iranisch-amerikanischen Milliardär Jahm Najafi, der unter anderem Vorsitzender des Investoren-Konsortiums MSP Sports Capital ist, soll zwischen 2021 und Anfang 2023 immer wieder um einen Kauf der Spurs gebuhlt haben.

Zuletzt soll eine Investoren-Gruppe um Najafi im Februar 2023 ein Angebot um die 3,75 Milliarden Dollar für Tottenham vorbereitet haben, berichteten die Financial Times und Reuters übereinstimmend. Der englische Mirror schrieb damals allerdings, Lewis stelle sich eher einen Verkaufspreis jenseits der fünf Milliarden Dollar vor.

Stadtkonkurrent Chelsea wurde im vergangenen Jahr für 5,4 Milliarden Dollar an eine Investoren-Gruppe um den Amerikaner Todd Boehly verkauft. Der Chelsea-Verkauft ist aktuell der zweitteuerste Deal im Welt-Sport, wurde jüngst aber durch den 6,1 Milliarden Dollar Deal um das NFL-Team Washington Commanders noch übertroffen.