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Wie lange kann Ancelotti noch wegsehen?

Ein Maurer mischt England auf

Igor Thiago ist beim FC Brentford der Mann der Stunde. Mit einem Dreierpack schreibt der Stürmer mit der bewegenden Lebensgeschichte erneut Schlagzeilen und darf immer mehr von der Nationalmannschaft träumen.
Die englische Premier League gilt für viele Experten als beste Fußball-Liga der Welt. Hier gibt es die wichtigsten Infos, Zahlen und Fakten zur englischen Top-Liga.
Igor Thiago ist beim FC Brentford der Mann der Stunde. Mit einem Dreierpack schreibt der Stürmer mit der bewegenden Lebensgeschichte erneut Schlagzeilen und darf immer mehr von der Nationalmannschaft träumen.

Die Vorzeichen vor der Partie standen nicht sonderlich gut für den FC Brentford. Erst zwei Auswärtsspiele konnten die Bees in der laufenden Premier-League-Saison vor dem Duell gegen den FC Everton gewinnen. Nur die historisch schwachen Wolverhampton Wanderers und der FC Burnley waren in fremden Stadien noch seltener erfolgreich.

Doch nicht zum ersten Mal in dieser Saison war am Sonntag ein Mann fast im Alleingang dafür verantwortlich, Brentford zum Sieg zu führen und die Auswärtsbilanz deutlich zu verschönern.

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Stürmer Igor Thiago versenkte drei Bälle im gegnerischen Tor (11., 51., 88.) und stellte damit die Weichen für den 4:2-Sieg gegen Everton. Zudem untermauerte der Brasilianer erneut, dass er derzeit einer der formstärksten Stürmer in den europäischen Top-Ligen ist.

Thiago in elitären Kreisen: Nur Haaland, Kane und Mbappé sind besser

Mit 14 Treffern in der Premier League wird Thiago nur von Superstar Erling Haaland (19) übertroffen und muss sich auch im europäischen Vergleich nur Harry Kane (19) und Kylian Mbappé (18) geschlagen geben.

„Seine Abschlüsse waren herausragend“, schwärmte Trainer Keith Andrews vom Mann der Stunde: „Er war wirklich präzise, ruhig und selbstbewusst. Die Namen, die Sie gerade genannt haben (Haaland, Mbappé und Kane; Anm. d. Red.), sind natürlich hochkarätige Spieler, aber er hat sich das verdient. Er war letzte Saison lange verletzt.“

Thiago war in der vergangenen Saison für 33 Millionen Euro zu Brentford gewechselt und sollte dort den Abgang von Ivan Toney auffangen. Stattdessen erlebte der Brasilianer eine Spielzeit zum Vergessen. Bereits wenige Wochen nach seinem Wechsel zog er sich eine Meniskusverletzung zu und fiel vier Monate aus.

Erst im November 2024 konnte Thiago sein Debüt in der Liga feiern und stand bei seinem vierten Einsatz schließlich erstmals in der Startelf. Doch es folgte gleich der nächste riesige Rückschlag. Eine weitere Knieverletzung zwang den Stürmer zu einer fünfmonatigen Auszeit. Zum Ende der Saison reichte es anschließend nur noch für vier Kurzeinsätze.

Im Sommer kamen folglich erste Fragen auf, ob sich die Verpflichtung von Thiago bereits als großer Fehler entpuppt habe, doch mit elf Treffern in den ersten dreizehn Ligaspielen ließ der 24-Jährige seine Kritiker schnell verstummen. Auch seine erste Krise endete durch den jüngsten Dreierpack mit einem Knall, nachdem Thiago zuvor sechs Spiele auf einen Treffer gewartet hatte.

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„Ein besonderer Mensch, der alles verdient“: Die harte Jugend eines Premier-League-Stars

„Er ist ein sehr beliebter Spieler in unserer Mannschaft und ein besonderer Mensch, der alles verdient, was er bekommt, weil er so hart arbeitet und so selbstlos ist. Er gibt immer alles“, feierte Andrews die Leistungen von Thiago.

Harte Arbeit stand stets über der Karriere von Thiago, der erst im Alter von neun Jahren regelmäßig Fußball spielte, geschrieben. „Meine Fähigkeiten waren noch nicht so ausgeprägt wie die anderer Kinder in meinem Alter“, erklärte Thiago in einem Interview mit der Daily Mail. Deshalb habe er zu Beginn einiges aufholen müssen.

Auch neben dem Platz musste sich Thiago früh für seine Familie einsetzen. Nachdem sein Vater bereits mit 39 Jahren verstorben war, war Thiago als Jugendlicher in mehreren Jobs tätig, darunter auch als Maurer. Trotzdem fehlte der Familie manchmal sogar das Geld für Mahlzeiten.

„Diese Jobs als Kind waren für meine Entwicklung sehr wichtig. Sie haben mir beigebracht, Dinge zu schätzen, harte Arbeit zu würdigen, und sie haben mich motiviert, dem nachzugehen, was ich heute habe“, blickte Thiago zurück. „Durch den Verlust meines Vaters musste ich sehr schnell erwachsen werden. Ich musste sehr schnell reifen, und da habe ich angefangen, mich buchstäblich voll und ganz dem Fußball zu widmen, wobei mich meine Mutter immer unterstützt hat.“

Eine Reise quer durch Europa

Seine Mutter hielt die Karriere des Stürmers auch am Leben, nachdem Thiago infolge einer Absage des brasilianischen Klubs Athletico Paranaense seine Motivation verlor und zwischenzeitlich kein Fußball mehr spielte.

Schon mit 17 Jahren schaffte das Juwel letztlich den Sprung zu EC Cruzeiro, einem prominenten Klub des Landes. Auch wenn Thiago für die Profis nur zehn Tore in 64 Spielen in der zweiten Liga erzielte, wagte er 2022 den Schritt nach Europa.

In Bulgarien war Thiago mit 21 Toren und elf Vorlagen in 55 Spielen maßgeblich daran beteiligt, dass Ludogorets Razgrad die Meisterschaft feierte. Diese Leistungen rückten erstmals auch die Aufmerksamkeit weiterer europäischer Klubs auf Thiago, der nach einem erfolgreichen Jahr beim belgischen Champions-League-Teilnehmer Club Brügge schließlich in die Premier League wechselte.

Kann Ancelotti noch wegsehen? „Ich weiß, dass ich in die Nationalmannschaft komme“

Der steile Karriereaufstieg des Brasilianers wartet aber weiterhin auf einen besonderen Höhepunkt: die Nominierung für die Nationalmannschaft. „Ich weiß, dass ich dahin komme und dort auch bleiben werde, sobald meine Zeit gekommen ist. Ohne Zweifel. Ich bin geduldig, ich bin zuversichtlich, und wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich bereit sein, sie zu ergreifen und niemals wieder loszulassen“, kündigte Thiago im Oktober an.

In den drei Monaten darauf setzte Thiago weitere Ausrufezeichen, die auch Nationaltrainer Carlo Ancelotti bemerkt haben dürfte. „Der 24-Jährige hat noch nie für eine Juniorenauswahl gespielt und war noch nie im Kader der A-Nationalmannschaft“, schrieb die BBC nach dem Jahreswechsel und fragte: „Wenn er am Ende 20 Tore erreicht, könnte Carlo Ancelotti ihn dann ignorieren? Und könnten die Bees ihn halten?“

Im Dezember berichtete CaughtOffside, dass neben Aston Villa auch Tottenham Hotspur und Newcastle United sowie Klubs aus Italien und Spanien an Thiago interessiert sein sollen. Brentford peile dabei eine Ablöse von rund 79 Millionen Euro an.

Vom Abstiegsfavoriten zum Champions-League-Aspiranten

Bisher gibt es für Brentford aber wenige Gründe, schon im Winter über einen Verkauf nachzudenken. Aktuell stehen die Bees auf Rang sieben und liegen nur vier Punkte hinter dem FC Liverpool und den Champions-League-Rängen.

Es ist eine Entwicklung, die im Sommer nur wenige Experten erwartet haben. Nach den Abgängen von Kapitän Christian Norgaard sowie den Torjägern Bryan Mbeumo und Yoane Wissa, die für 60 Prozent der Tore verantwortlich waren, galt Brentford als heißer Abstiegskandidat.

Doch Thiago und Brentford drehten das Narrativ schnell um 180 Grad. Könnte der Torjäger gar einer der besten Brasilianer der Liga-Historie werden?

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Schon jetzt konnten nur Roberto Firmino, Gabriel Martinelli und Matheus Cunha in einer Saison häufiger treffen (15).

Sollte Thiago in dieser Saison tatsächlich sogar die 20-Tore-Marke durchbrechen, würde er sich in rasantem Tempo bereits unter die besten 13 brasilianischen Torschützen der Premier-League-Geschichte katapultieren. Eine Nominierung für die Selecao scheint dann auch mit Blick auf die WM 2026 in fünf Monaten sehr wahrscheinlich.

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