Manchester United hat mit einem fulminanten 5:2 gegen Ipswich Town den ersten Saisonsieg in der Premier League gefeiert. Doch der Erfolg geriet ein wenig in den Hintergrund. England diskutierte vielmehr über das wegweisende 2:1 der Red Devils in der 56. Minute.
"Mein Gott!" Tor von Manchester United erzürnt England
United-Tor erzürnt England
Harry Maguire hatte am gegnerischen Strafraum den Ball erobert, jedoch sprang ihm der Ball ganz klar an den Arm. Direkt danach schoss er flach ins lange Eck zur Führung ein und ließ sich feiern. Als die Wiederholung zu sehen war, gingen alle davon aus, dass der VAR den Treffer einkassieren würde. Doch weil der Schuss von Maguire – der neben dem Tor gelandet wäre – von Gegenspieler Jacob Greaves ins eigene Tor abgefälscht wurde, war das Handspiel von Maguire laut Regelbuch nicht mehr unmittelbar vor dem erzielten Tor erfolgt.
Zum Hintergrund: Die Regel besagt, dass ein Tor aberkannt werden muss, wenn ein Spieler den Ball „unmittelbar“ vor der Erzielung eines Tores mit der Hand berührt. Die sonst angewandten Kriterien (Absicht, Vergrößerung der Körperfläche) spielen dabei keine Rolle.
England streitet nach Maguire-Szene
Bei Maguire lag die Unmittelbarkeit aber nicht mehr vor, wie auch die Premier League selbst in einem Statement bekannt gab: „Die Torentscheidung des Schiedsrichters für Manchester United wurde von der VAR überprüft und bestätigt – es wurde festgestellt, dass Maguire nicht der unmittelbare Torschütze war nach einem versehentlichen Handspiel.“
Maguire selbst sagte bei Sky: „Ich habe noch keine Bilder gesehen. Also kann ich nicht so viel sagen. Ich habe den Ball sicher nicht absichtlich mit der Hand gespielt und ihn nicht mit meinen Fingern berührt. Ich habe dann ja den Schuss verzogen und das geht als Eigentor ein. Und kurioserweise ist das wohl auch der Grund, weshalb es zählt. Wenn es mein Tor gewesen wäre, hätte es nach den Regeln offenbar nicht gezählt. Das Glück war heute auf unserer Seite.“
Der ehemalige deutsche Leicester-Meisterheld Robert Huth wütete bei X: „Was für eine verdammt dumme Regel.“ Thomas Hitzlsperger kommentierte die verwirrenden Momente bei Sky: „Bei solchen Handentscheidungen zögere ich, überhaupt noch was dazu zu sagen. Es ist so schwer, die Entscheidung nachvollziehen zu können. So bitter es wäre für Maguire, aber den Kontakt mit der Hand gab es. Das ist ja unstrittig. Und das Tor fällt unmittelbar danach.“ Kommentator Jonas Friedrich fand deutliche Worte zum Schiedsrichter: „Der hat es allen Ernstes gegeben.“
Englische Presse versteht die Welt nicht mehr
Die Presse in England stürzte sich ebenfalls auf die Szene. Die Daily Mail war fassungslos: „Oh mein Gott. Ja, das Tor zählt, nur weil es ein Eigentor von Jacob Greaves ist. Das kann man gar nicht glauben. Wie funktioniert das überhaupt? Nur weil Harry Maguires Schuss nicht aufs Tor geht, ändert das etwas daran, dass es ein Handspiel war? Das ist verrückt. Oh meine Güte.“
Auch die BBC konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen: „Das wird Ipswich wehtun. Das Tor zählt. Da Harry Maguires Schuss am Tor vorbei gegangen wäre, wird das Handspiel nicht berücksichtigt und als Eigentor von Jacob Greaves gewertet. Interpretiert das, wie ihr wollt.“
Das Boulevardblatt The Sun fügte an: „Moment mal. Die Fans sind verwirrt. Harry Maguires Tor zählt trotz eines klaren Handspiels im Vorfeld aufgrund einer wenig bekannten Regel. Diskussion um die Handregeln sind wieder zurück.“
Für Aufsteiger Ipswich war es besonders bitter. Leif Davis hatte das 1:0 erzielt (29.). Manchester glich durch Bruno Fernandes vor der Pause aus (40.). Dann unterlief Greaves das viel diskutierte Eigentor. Der Verteidiger verursachte direkt nach Wiederanpfiff dann auch noch einen Elfmeter, den Fernandes verwandelte (60.). So konnten erneut Fernandes (68.) und Bryan Mbeumo (82.) noch erhöhen. Ipswich traf dank Chuba Akpom noch einmal (90.+1).