Einige deutsche Legionäre, die ihr Geld in der italienischen Serie A verdienen, sind den Fans bestens bekannt. Zum Beispiel Robin Gosens, der mit der AC Florenz im Abstiegskampf steckt. Yann Bisseck, der mit Inter Mailand am anderen Ende der Tabelle unterwegs ist. Oder Nicolas Kühn, der in Como seine Heimat gefunden hat. Deutlich weniger geläufig ist hingegen der Name Matteo Palma.
Karls einstiger Zimmerkollege startet durch
Ein DFB-Juwel startet heimlich durch
Der Innenverteidiger steht bei Udinese Calcio seit Sommer 2024 unter Vertrag und kam in der laufenden Saison wettbewerbsübergreifend schon achtmal zum Einsatz. Fünfmal in der Liga über insgesamt 115 Minuten und drei weitere Male im Pokal. Eine Bilanz, die auf den ersten Blick relativ unspektakulär wirkt – es aber keineswegs ist. Denn Palma ist gerade einmal 17 Jahre jung.
Beim 2:2 am Samstag gegen Pisa stand der deutsche Jugend-Nationalspieler erneut 16 Minuten auf dem Platz und half mit, das Remis über die Zeit zu retten. Dass der Youngster seine Einsatzzeiten kontinuierlich ausbaut und das Vertrauen von Trainer Kosta Runjaić genießt, ist alles andere als selbstverständlich.
Vielleicht hilft ihm, dass er bereits mit 16 Jahren von einem der ganz Großen des italienischen Fußballs geprägt wurde: Fabio Cannavaro – Weltmeister und Kapitän der Squadra Azzurra von 2006.
„Etwas Besonderes“: Von Cannavaro gelernt
„Es war natürlich etwas Besonderes, von einem Ballon-d‘Or-Gewinner trainiert zu werden“, antwortete Palma im Interview mit der Bild auf eine Frage, als er auf Cannavaro angesprochen wurde. Cannavaro hatte Udinese 2024 vor dem Abstieg bewahrt und den Klub anschließend wieder verlassen,
„Er hat speziell uns Verteidigern extrem viel beigebracht – etwa über die richtige Distanz zu den Angreifern, die Vorbereitung auf einzelne Gegenspieler oder das Kopfballspiel", verriet Palma.
Cannavaro habe ihm nahezu alles mitgegeben, was ein Abwehrspieler brauche, schwärmte Palma, der früh nach Italien kam: „Ich habe in der U9 bei Hertha angefangen und mit meiner Mutter in Berlin gelebt. Nach einigen Jahren bin ich zu meinem Papa nach Italien gezogen – daraus hat sich dann der Wechsel zu Udinese ergeben.“
Inzwischen läuft es auch ohne seinen Förderer Cannavaro gut.
Schlotterbeck ist ein Vorbild von Palma
Ein unmittelbares Vorbild ist der Weltmeister für ihn dennoch nicht. Palma nennt Sergio Ramos, Virgil van Dijk – und auch Borussia Dortmunds Nico Schlotterbeck.
„Schlotterbeck ist nicht nur physisch sehr gut, sondern auch stark am Ball. Das ist im modernen Fußball selbst für Innenverteidiger extrem wichtig. Diesen Mix will ich auch haben, daran arbeite ich“, führte Palma aus. Er selbst spielte bereits für die deutsche U16- und U17-Nationalmannschaft.
Dort traf Palma auch auf einen in der Bundesliga inzwischen bestens bekannten Spieler: Lennart Karl.
„Bei einem Lehrgang waren wir sogar im selben Zimmer. Es hat immer Spaß gemacht mit ihm – auch, weil man schon damals sehen konnte, welches Potenzial er hat. Es freut mich total, dass Lennart sich bei Bayern gerade so durchsetzt, das ist unglaublich stark“, hob er hervor.
Ob sich beide künftig weiterhin im DFB-Trikot begegnen, dennoch unklar.
Entscheidet sich Palma für Deutschland?
Der Innenverteidiger, der mit Udinese aktuell auf Rang zehn im gesicherten Mittelfeld der Serie A steht, ist Sohn eines italienisch-österreichischen Vaters und einer deutsch-kamerunischen Mutter.
Theoretisch könnte er also für gleich vier Nationalteams spielen. Realistisch wird die Entscheidung jedoch zwischen Deutschland und Italien fallen – allerdings nicht in naher Zukunft.
„Das sind beides riesige Fußballnationen. Ich fühle mich beim DFB super, kann aber natürlich noch nicht sagen, was die nächsten Jahre bringen werden. Aktuell will und muss ich erstmal meine Leistungen für Udinese bringen – alles andere ist ein fantastischer Bonus“, sagte Palma. In der U15 trug er noch die Trikots Italiens, wechselte dann aber zu den deutschen Junioren-Mannschaften.
Kurzfristig besteht Palmas Ziel darin, mit Udinese „in der oberen Tabellenhälfte der Serie A“ zu bleiben.
Langfristig denkt der 17-Jährige größer: „Ich will verletzungsfrei bleiben, mich mit Spaß weiterentwickeln und irgendwann Titel gewinnen. Am besten in der Champions League spielen und bei einer WM dabei sein. Das sind große Träume – aber ich bin bereit, hart dafür zu arbeiten.“