Anzeige

Als Ali Vaterlandsverräter wurde

Als Ali Vaterlandsverräter wurde

Weil er vor genau 54 Jahren den Kriegsdienst verweigert, gerät Box-Ikone Muhammad Ali in den USA zwischen die Fronten. Er kämpft sich zurück - doch der Preis ist hoch.
Am 30. Oktober 1974 ging der Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman als Rumble in the Jungle in die Geschichte ein. Für viele Experten der beste Box-Kampf aller Zeiten.
. SPORT1
von SPORT1
28.04.2021 | 17:59 Uhr

Cassius Clay oder später Muhammad Ali hatte nicht nur ein sportliches Leben. Ali hatte eins davor und eins danach. Die Trennlinie ist der 28. April 1967. An jenem Tag vor genau 54 Jahren änderte sich für den größten Boxer aller Zeiten mit einem Schlag die Welt.

In Houston/Texas sollte der damals 25-jährige Ali an jenem Tag zur Musterung antreten und anschließend den Bus in Richtung Kaserne besteigen. Im feinen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte erschien der Weltmeister zum offiziellen Termin.

Mit den anderen Rekruten stellte sich Ali in einer Reihe auf. Als ihn der Leutnant schließlich mit den Worten aufrief: "Cassius Clay - Armee", blieb der Box-Champion stehen.

Aus Überzeugung, denn der gläubige Muslim Ali wollte nicht dienen, er wollte nicht in den Vietnamkrieg hineingezogen werden, "nicht gegen meine Brüder kämpfen".

Boxen: Muhammad Ali gegen das weiße Establishment

Und so kam es, wie es kommen musste. Ali wurde im Juni wegen seiner Verweigerung zu fünf Jahren Gefängnis und 10.000 Dollar Geldstrafe verurteilt. Das weiße Establishment in den USA hatte eine neue Hassfigur - Ali galt auf einmal als Vaterlandsverräter.

"Kein Vietcong nannte mich jemals Nigger", sagte er später dazu auch - und erklärte: "Ich habe nicht versucht, ein Anführer zu sein. Ich wollte nur frei sein."

Einem Journalisten gegenüber hatte er zu dem Thema außerdem den berühmten Satz angefügt: "Mann, ich habe keinen Ärger mit dem Vietcong." 

Doch die Konsequenzen, sich seiner Einberufung zu entziehen, waren drastisch: Sein Titel als Champ wurde ihm aberkannt, die Boxlizenz für drei Jahre entzogen.

Doch Ali wäre nicht Ali gewesen, wenn er dieses Urteil einfach so hingenommen hätte. Er zog vor Gericht, ging durch die Instanzen. Ins Gefängnis musste er nie, am 26. Oktober 1970 durfte er endlich wieder in den Ring, im Juni 1971 wurde er freigesprochen.

Am 30. Oktober 1974 ging der Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman als Rumble in the Jungle in die Geschichte ein. Für viele Experten der beste Box-Kampf aller Zeiten.
03:11
Wie Ali im Dschungel zur Legende wurde

Ali kommt zurück - und boxt Frazier und Foreman

Gute Jahre als Boxer allerdings hatte er dadurch verloren.

Herausragende aber sollten noch kommen. Ali zelebrierte legendäre Ringschlachten gegen Joe Frazier, George Foreman, Ken Norton und Leon Spinks.

Er wurde wieder Weltmeister, durchbrach damit als zweiter Boxer nach Floyd Patterson das Gesetz "They never come back" und wurde sogar später noch zum dritten Mal Champion. (Alles Wichtige zum Boxen)

Muhammad Ali, der für viele größte Sportler der Geschichte, boxte noch bis Ende 1981, gezeichnet bereits von Parkinson. Auch gegen diese tückische Krankheit kämpfte er lange an, trug seine Botschaft vom Frieden durch die Welt.

Unvergessen der Moment, als Ali bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta mit zitterndem Körper das Olympische Feuer entzündete. Ali wurde 74 Jahre. Als er am 3. Juni 2016 starb, verlor die Welt einen ganz Großen. Der Himmel aber freute sich auf eine Legende.

-----

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)