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Hatte Fury-Spektakel gefährlich hohen Preis?

Hatte Fury-Spektakel gefährlich hohen Preis?

Box-Weltmeister Tyson Fury und Deontay Wilder liefern sich einen denkwürdigen Kampf. Doch hätte der Fight früher abgebrochen werden müssen?
Im spektakulären Schwergewichts-Titelkampf musste Deontay Wilder gegen Tyson Fury mehrere heftige Wirkungstreffer einstecken. Nach dem Kampf verweigerte er dem Champion sogar den Handschlag.
Alexandra Müller
Alexandra Müller
von Alexandra Müller, Matthias Weuthen
11.10.2021 | 11:08 Uhr

Es war ein denkwürdiger Kampf zwischen Box-Weltmeister Tyson Fury und Deontay Wilder.

Der WBC-Champion im Schwergewicht besiegte den Ex-Titelträger durch K.o. in der elften Runde, nachdem er den US-Amerikaner über einen langen Zeitraum durch brutale Hiebe zermürbt hatte - obwohl er zuvor selbst mehrfach zu Boden gegangen war.

Was folgte, war ein Spektakel, das Medien, Fans und Promis wie LeBron James und Dwayne „The Rock“ Johnson begeisterte - war es aber ein Spektakel, das zu gefährlich für Wilders Gesundheit war?

Hätte Fury vs. Wilder 3 früher abgebrochen werden müssen?

Der „Bronzed Bomber“ kassierte zahllose Kopftreffer, wirkte über mehrere Runden dem K.o. nahe. Mit Blick auf das gewachsene Bewusstsein für die Gefährlichkeit von Kopfverletzungen - und auch das Parkinson-Schicksal von Ikone Muhammad Ali - hinterließ ein mulmiges Gefühl, dass der Kampf dennoch weiterging.

Hätte Wilder von Ringrichter Russell Mora früher vor sich selbst geschützt werden müssen? SPORT1 hat nachgefragt bei Dr. Stephan Bock, dem langjährigen Ringarzt von Vitali und Wladimir Klitschko.

Mit einem konkreten Urteil über den aktuellen Fury-Wilder-Fight hält der Duisburger Doc sich dabei zwar explizit zurück. Er macht aber zugleich überdeutlich, dass die Gefahr für Leib und Leben im Boxen immer mitgedacht werden muss - in Kämpfen mit Fury insbesondere.

Jeder Schlag von Fury eine Gehirnerschütterung“

„Ein rausgezögerter K.o. - speziell gegen Fury - ist lebensgefährlich“, sagt Bock: „Man muss die Boxer schützen. Man muss davon ausgehen, dass jeder Schlag von Fury eine Gehirnerschütterung ist. Und bei der Menge kann das großen Schäden hervorrufen.“

Bock weist gleichzeitig aber daraufhin, dass die WBC, der Verband, bei dem Fury Weltmeister ist, in der Regel verantwortungsbewusst mit den Boxern umgehe: „Man sieht international, dass Ringrichter mittlerweile schneller dazwischengehen als früher und den Kampf abbrechen.“

Das sei auch nötig, Kämpfe zu lange laufen zu lassen, sei „gefährlich und unverantwortlich“.

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„Kämpfe, die sportlich schon entschieden sind, darf man nicht so lange laufen lassen“, sagt Bock: „Da geht es um die Gesundheit des Boxers, dass er nicht hinterher vielleicht eine Demenz entwickelt. Der Arzt, der Ringrichter und die Ringecke müssen sensibilisiert werden. Wenn die Sportler in der Kabine oder im Krankenhaus an Blutungen sterben, dann wirft das ein schreckliches Bild auf den Boxsport.“ Auch wenn es nicht so weit komme: Die Spätfolgen zu vieler Treffer für Kopf und Gehirn seien nicht abzusehen.

Der Boxsport stehe unter Beobachtung, weil „er gefährlich ist. Deshalb müssen wir als Ärzte den Boxsport so sicher wie möglich halten.“