100-Meter-Gigant wurde NFL-Flop

100-Meter-Gigant wurde NFL-Flop

Jim Hines war Hauptdarsteller der legendären "Night of Speed", Olympiasieger, Weltrekordler. Mit 22 startete er in der NFL neu - legendär erfolglos.
Jim Hines im Jahr 1996
Jim Hines im Jahr 1996
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 20. Juni

Eine Schallmauer, zwei Rennen, drei Weltrekorde - der Abend des 20. Juni 1968 sollte als "Night of Speed" in die Leichtathletik-Geschichte eingehen.

Binnen weniger Minuten unterboten Jim Hines und Ronnie Ray Smith im ersten sowie Charles Greene im zweiten Halbfinale der US-Trials in Sacramento die Schallmauer von zehn Sekunden über 100 m.

Hauptdarsteller Hines schrieb später noch einmal 100-Meter-Geschichte - ehe er frühzeitig seine Karriere beendete und erfolglos die Sportart wechselte.

"Night of Speed": Armin Hary dreimal getoppt

Bei jedem der drei Sprinter blieben heute vor 53 Jahren die Stoppuhren bei 9,9 Sekunden stehen. Die glatten zehn Sekunden, die acht Jahre zuvor der spätere deutsche Olympiasieger Armin Hary als Erster gelaufen war, waren damit Geschichte, ein Ex-Weltrekord.

Jim Hines (r.) bei der "Night of Speed"
Jim Hines (r.) bei der "Night of Speed"

"Eine solche Nacht wird es kaum wieder geben. Es war die größte Sprintserie in der Geschichte der Leichtathletik. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit etwas Ähnliches passieren wird", sagte Hines am Ende dieses historischen Tages in Hughes Stadium im kalifornischen Sacramento. Und sollte damit bis heute recht haben.

Jim Hines wurde Olympiasieger 1968 - und erfolglos in der NFL

Vier Monate nach der "Night of Speed" wurde der damals 22-Jährige über 100 m im Mexiko-Stadt auch Olympiasieger - in diesmal elektronisch gestoppten 9,95 Sekunden. Für den Weltverband IAAF der Anlass, dies als neuen "modernen" Weltrekord zu proklamieren.

Bei den von Bob Beamons Jahrhundertsprung und dem Black-Power-Protest von Tommie Smith und John Carlos geprägten Spielen gelang damit auch Hines eine  historische Errungenschaft - seine Bestmarke sollte letztlich 15 Jahre Bestand haben.

Erst 1983 war Hines' Landsmann Calvin Smith zwei Hundertstelsekunden schneller. In dessen Fußstapfen traten dann Carl Lewis (von 9,92 auf 9,86), der dann als Betrüger enttarnte Ben Johnson (9,79), Leroy Burrell (9,91-9,85), Donovan Bailey (9,84), Maurice Greene (9,79), Asafa Powell (9,79-9,74) und schließlich der bis heute unübertroffene Usain Bolt (9,72-9,58).

Hines beendete seine Karriere nach Olympia mit nur 22 Jahre, wie viele Leichtathleten früherer Jahre hatte er keine Aussichten, einen Lebensunterhalt mit seinem Talent zu verdienen.

Er versuchte eine zweite Karriere in der NFL, spielte als Wide Receiver bei den Miami Dolphins und den Kansas City Chiefs. Genug Talent für den Sportartenwechsel hatte er aber nicht, er bekam den spöttischen Spitznamen "Oops" verpasst, hörte 1970 schon wieder auf und verabschiedete sich ins normale Berufsleben. In diesem Jahr wird er 75.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)