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Weltrekordler Warholm: „Einfach unfassbar“

Weltrekordler Warholm: „Einfach unfassbar“

Karsten Warholm war einer der größten Olympia-Stars in Tokio. Bei SPORT1 erinnert sich der Norweger an seinen grandiosen Lauf über 400 Meter Hürden.
Karsten Warholm unmittelbar nach seinem Super-Lauf in Tokio
Karsten Warholm unmittelbar nach seinem Super-Lauf in Tokio
© Imago
Johannes Fischer
Johannes Fischer
von Johannes Fischer

Denkt man an die größten Highlights der Olympischen Spiele in Tokio zurück, landet man unweigerlich beim famosen Finale über 400 Meter Hürden der Männer.

An jenem 3. August 2021 pulverisierte Karsten Warholm den Weltrekord um fast eine Sekunde auf 45,94 Sekunden - eine Zeit, die bis zu diesem Augenblick nicht für möglich gehalten wurde.

Bei SPORT1 erklärt der norwegische Superstar nun, wie er seinen Super-Lauf erlebte, warum er eine weitere Steigerung für möglich hält und wie er ein Duell mit BVB-Star Erling Haaland bewertet.

Karsten Warholm pulverisierte den Weltrekord über 400 m Hürden
Karsten Warholm pulverisierte den Weltrekord über 400 m Hürden

SPORT1: Herr Warholm, Sie haben in Tokio einen Weltrekord aufgestellt, der auch noch fast fünf Monate später unvorstellbar ist. Was haben Sie gedacht, als Sie die Zeit gesehen haben?

Warholm: Mein erster Gedanke war: ‚Die Uhr muss falsch gehen‘. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich so schnell gelaufen bin. Ich brauchte einige Zeit, um zu begreifen, dass es wahr ist. Es war einfach unfassbar, aber ich freue mich sehr darüber.

Warholm: „Haben hart für dieses Ergebnis gearbeitet“

SPORT1: Dass ein Mensch unter 46 Sekunden über 400 Meter Hürden laufen kann, schien völlig utopisch. Was sind die Gründe für diese unglaubliche Zeit?

Warholm: Die offensichtliche Antwort ist harte Arbeit und langfristiges, qualitativ hochwertiges Training. Mein Trainer und ich haben uns immer auf den Fortschritt und die Entwicklung konzentriert, aber auch darauf, zwischen all den harten Übungen Spaß zu haben.

SPORT1: In Deutschland - einem Land mit 15 Mal mehr Einwohnern als Norwegen - gibt es kaum 400-Meter-Läufer, die ohne Hürden unter 46 Sekunden laufen. Können Sie sich vorstellen, dass die von Ihrem Weltrekord besonders verblüfft sind?

Warholm: Ja, das kann ich verstehen, denn es ist eine unglaublich gute Zeit. Wir haben hart für dieses Ergebnis gearbeitet, und es war ein perfektes Rennen mit einem guten Ablauf.

Karsten Warholm ist erfreut über die ISTAF-Teilnahme in Berlin
Karsten Warholm ist erfreut über die ISTAF-Teilnahme in Berlin

SPORT1: Was ist Ihre Motivation, nachdem Sie nun alles gewonnen und einen Weltrekord für die Ewigkeit aufgestellt haben?

Warholm: Den Weltrekord zu schlagen, ist nicht meine einzige Motivation. Mein Hauptaugenmerk liegt jetzt darauf, so viele Rennen wie möglich mit einer konstant guten Zeit zu laufen.

SPORT1: Glauben Sie, dass Sie die 45,94 Sekunden im Laufe Ihrer Karriere noch verbessern können?

Warholm: Mein Trainer meint, dass einige Anpassungen und Arbeiten dazu beitragen können, den Rekord noch weiter zu verbessern. Aber unter 45,94 Sekunden zu laufen ist nichts, was man verordnen kann - es ist wichtig, sich zu konzentrieren und zu trainieren. Und wenn man das tut, wer weiß, vielleicht ist es unter den richtigen Umständen möglich, den Rekord zu verbessern.

„Vielleicht habe ich gleichen Killerinstinkt wie Matthäus“

SPORT1: Können Sie sich vorstellen, bei den kommenden Welt- und Europameisterschaften eine andere Distanz auszuprobieren?

Warholm: Meine Lieblingsdistanz sind nach wie vor die 400 Meter Hürden. Ich glaube nicht, dass ich vor der Europameisterschaft noch etwas ändern werde.

SPORT1: In einem Interview mit Lothar Matthäus auf Sky haben Sie kürzlich gesagt, dass Sie dessen ‚Killerinstinkt‘ bewundern. Den scheinen Sie aber auch zu besitzen, oder?

Warholm: Ja, vielleicht. Ich liebe Herausforderungen und die Denkweise ist natürlich wichtig, vielleicht habe ich den gleichen ‚Killerinstinkt‘.

Lothar Matthäus (l.) und Karsten Warholm
Lothar Matthäus (l.) und Karsten Warholm

SPORT1: Norwegen, das eine relativ geringe Bevölkerungszahl hat, bringt derzeit viele Superstars im Sport hervor. Wen sollten die Norweger zum Sportler des Jahres küren? Jakob Ingebrigtsen, Erling Haaland - oder Karsten Warholm?

Warholm: Das ist schwer zu beantworten, weil wir alle drei in diesem Jahr großartige Ergebnisse erzielt haben. Da wir nicht die gleiche Sportart haben, verdienen im Idealfall alle drei von uns den Titel.

SPORT1: In Norwegen kennt Sie jedes Kind. Freuen Sie sich über diese Popularität oder ist sie manchmal auch ein bisschen lästig?

Warholm: Wenn meine Ergebnisse Kinder und Jugendliche dazu motivieren können, Spaß an Bewegung und Sport zu haben und den Sport, den sie lieben, weiter zu betreiben, bin ich mehr als glücklich. Es macht viel Spaß, meine Fans zu treffen.