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Leichtathletik: Malaika Mihambo spricht vor den Finals 2022 über Vorbilder, Ziele und Alica Schmidt

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Leichtathletik: Malaika Mihambo spricht vor den Finals 2022 über Vorbilder, Ziele und Alica Schmidt

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So geht Mihambo mit Niederlagen um

So geht Mihambo mit Niederlagen um

Malaika Mihambo will bei den Finals 2022 in Berlin erneut zum deutschen Meistertitel springen. Dazu spricht sie im großen SPORT1-Interview über Vorbilder, ihre Ziele und was sie über Influencer in der Leichtathletik denkt.
Malaika Mihambo startete in Birmingham mit einem 7-Meter-Sprung, so stark wie noch nie, in die Sommersaison. Danach kam sie nicht mehr an ihre Topleistung heran. Wie sie ihren Trainingsstand im Vorfeld der DM bewertet, verrät sie im SPROT1-Interview.
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von SPORT1

Malaika Mihambo ist seit Jahren eines der Gesichter der deutschen Leichtathletik.

Ihren bisherigen sportlichen Höhepunkt feierte sie mit dem Olympiasieg in Tokio 2021. Dazu sicherte sie sich 2019 bei den Weltmeisterschaften in Doha den Titel mit 7,30m!

National ist sie im Weitsprung seit Jahren das Maß aller Dinge. Allein fünfmal gewann sie bereits den Meistertitel. Bei den Finals 2022 in Berlin (23. bis 26. Juni) will sie nun einen weiteren Erfolg hinzufügen.

Im SPORT1-Interview spricht sie über den Wettkampf und ihre weiteren Ziele. Außerdem äußert sie sich zum Thema Vorbilder und sagt, was sie von Influencern wie Alica Schmidt in der Leichtathletik hält.

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SPORT1: Am Wochenende steht mit den Finals in Berlin ein großes Highlight bevor. Ist man als erfahrene Athletin vor einer deutschen Meisterschaft noch aufgeregt?

Mihambo: Vor den deutschen Meisterschaften bin ich persönlich nicht so aufgeregt. Ich freue mich aber auf den Wettkampf, weil ich als Titelverteidigerin an den Start gehe und weiß, dass ich gerne nochmal einen Titel nach Hause bringen möchte. Ich freue mich, dass ich einen guten Wettkampf machen kann und hoffentlich auch werde. Die Konkurrenzsituation hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren nochmal verändert. Da war es ein bisschen schwächer, jetzt ist die Konkurrenz aber wiedererstarkt.

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SPORT1: Was machen Sie die Tage und vor allem den Abend vor dem Wettkampf, gibt es ein Ritual?

Mihambo: Bestimmte Rituale habe ich nicht. Man macht natürlich die gleichen Sachen immer wieder. Ich meditiere zum Beispiel sehr viel und die Meditation ist auch das, was mich über das Jahr hinweg begleitet. Ich habe gelernt, dass es mir bei Wettkämpfen sehr viel bringt. Ansonsten helfen mir auch Dinge wie die Selbstreflektion weiter, um mit mir selbst im Reinen zu sein. Ich weiß, was mich gerade beschäftigt, was in mir vorgeht und wie ich damit umgehen kann. So kann ich im Wettkampf 100 Prozent geben.

Mihambo: Meditation auch neben dem Sport wertvoll

SPORT1: Meditation scheint bei Ihnen ein großes Thema zu sein. Bringt es auch abseits des Sports im Alltag Vorteile?

Mihambo: Definitiv. Für mich ist Sport auch immer der Weg, um diese innere Meisterschaft voranzutreiben. Die Wettkämpfe sind im Äußeren, das macht auch Spaß, sich da zu messen. Aber letztendlich nutzte ich es, um zu überprüfen, wie ich mich weiterentwickelt habe und mit Drucksituationen umgehe. Wie ich immer wieder zur Ruhe kommen und Höchstleistungen schaffen kann. Das ist ein sehr guter Messwert, wie man den Erfolg der Meditation spüren kann. Auch im Alltag merke ich, dass ich stressresistenter und mit mir im Reinen bin und dadurch Freiheit gewinne.

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SPORT1: Sie sagten mal, dass Sie den Wettkampf eher mit sich selbst als mit der Konkurrenz austragen. Gilt das immer noch?

Mihambo: Ja, auf jeden Fall. Ich will mich mit mir selbst messen und darin besser werden. Wenn mir das gelingt, dann weiß ich natürlich auch, dass ich auch Erste werden kann.

SPORT1: Was sind die langfristigen Ziele, sowohl im als auch abseits des Sports?

Mihambo: Meine Ziele im Sport sind klar. Ich möchte gute Wettkämpfe machen und mein Bestes geben. Wenn man wirklich gut war, dann weiß man auch, dass man damit sehr gute Platzierungen erreichen kann, was natürlich schön ist. Ansonsten geht es für mich persönlich um die Weiterentwicklung. Ich will wachsen, neue Dinge erlernen, mich weiterentwickeln und Dinge die mich belasten, hinter mir lassen und dem zuwenden, was mich stark macht.

So geht Mihambo mit Niederlagen um

SPORT1: Sie hatten am Anfang der Sommersaison einen Sieben-Meter-Sprung. Waren die weiteren Ergebnisse eher ein Downer?

Mihambo: Im Großen und Ganzen war es gut, wie es war. Man konnte sich erklären, wieso es nach Birmingham keinen weiteren Sieben-Meter-Sprung gab. Oftmals war bei den Wettkämpfen das Wetter nicht gut. Birmingham war mit 23 Grad der wärmste Wettkampf. Selbst in Rom, wo man gehofft hat, da bekommt man an die 30 Grad, waren es nur 19 Grad. Deswegen war es mit den äußeren Umständen schwierig. Ansonsten hatte ich in Hengelo einen sehr guten Sprung, der aber wegen technischer Probleme nicht gemessen wurde. Wegen der unpassenden äußeren Umstände konnten diese Chancen auf sieben Meter gar nicht realisiert werden. Ich habe es aber immer noch in mir, deswegen bin ich da sehr beruhigt. Ich hoffe, dass ich bei den nächsten Wettkämpfen und gutem Wind und guten Bedingungen auch wieder Sieben-Meter-Sprünge haben kann.

SPORT1: Nach Rom ist eine kleine Siegesserie gerissen. War das ein gefühlter Rückschlag?

Mihmabo: Natürlich werde ich lieber Erste als Zweite, obwohl das immer noch eine super Platzierung ist. Im Wettkampf habe ich mich aber leider verletzt, deswegen bin ich ab dem dritten Sprung unter Schmerzen gesprungen. Da war klar, dass es schwierig wird, mit der Konkurrenz mitzuhalten, wenn man zwischen den Durchgängen von Sanitätern und Ärzten behandelt wird. Da war das nicht verwunderlich, ist aber auch kein Weltuntergang. Ich weiß, dass ich schlagbar bin. Es gibt mir aber auch Kraft, weil ich mich nicht mit den Gedanken aufhalten muss, nicht geschlagen werden zu dürfen. Es kann passieren und ist auch schon passiert, deswegen gibt es da keinen Druck.

SPORT1: Hinsichtlich Verletzungen: Hat man eigentlich immer irgendetwas?

Mihambo: Ich bin in der glücklichen Lage, dass bei mir normalerweise nichts weh tut. In der Regel kann ich schmerzfrei trainieren und habe keine Einschränkungen. Ich habe Leistungssport so kennengelernt, dass das auch mit einem gesunden Körper geht.

Das nervt im Sportler-Dasein

SPORT1: Wenn man an die Begriffe Talent und harte Arbeit denkt, wie hält sich das in der Waage?

Mihambo: Also ich bin auf jeden Fall ein Talent, das hat man schon in der Jugend gesehen. Ich war jetzt aber auch kein herausragendes Talent, was sich alle Jugendrekorde geholt hat. Bei mir stehen auch der Fleiß, Disziplin und lange Arbeit dahinter. Aber das Talent ist die Grundlage, die mir ermöglicht, nicht nur sieben Meter zu springen, sondern auch 7,30 Meter. In den 2000ern hat das erst eine Athletin übertroffen, deswegen war das ein sehr guter und außergewöhnliche Wettkampf.

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SPORT1: Gibt es am Sportler-Dasein etwas, was nervt?

Mihambo: Ich glaube, jeder hat mal mehr oder weniger Lust auf seinen Arbeitstag (lacht). So ist es bei mir auch. Manchmal habe ich auch keine Lust auf ein bestimmtes Training, mir tut zum Beispiel die Wade weh und ich würde am liebsten die Füße hochlegen. Für mich geht es letztlich aber darum, am Ball zu bleiben und auf dem Platz zu stehen. Ich bin ein sehr begeisterungsfähiger Mensch. Das heißt, wenn ich mal auf dem Platz stehe, kommt die Freude eigentlich immer dazu, weil ich mich gerne bewege und gerne mache, was ich tue. So ist es bei den meisten anderen Dingen, die zum Sportler-Dasein gehören, ebenfalls.

SPORT1: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?

Mihambo: (lacht) Das passt gar nicht alles in ein Interview. Ich würde mir ans Herz legen, früher zu realisieren, wie wichtig es ist, auf sich selbst zu hören, sich selbst auszuleben und zu ergründen und sich in verschiedenen Facetten wahrzunehmen. Damit man die eigene Vielschichtigkeit sehen und ausleben kann.

Mihambo: Das denkt sie über Vorbilder

SPORT1: Wer ist ein Vorbild für Sie?

Mihambo: Ich bin ein Mensch, der nie viel mit Vorbildern gearbeitet hat. Ich finde es erstaunlich, was andere Menschen in ihrem Leben erreicht haben. Aber nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch in der Musik oder wenn sie sich für Menschen sozial oder politisch einsetzen. Das finde ich wirklich inspirierend und schätze solche Leistungen sehr. Ich weiß aber trotzdem, dass ich nur meinen eigenen Weg gehen kann. Deshalb lasse ich mich gerne inspirieren, aber bleibe doch immer bei mir und versuche eben die Version meines Selbst zu sein.

SPORT1: Gibt es Sportarten, die Sie neben der Leichtathletik besonders interessieren?

Mihambo: Ich mache lieber Sport als Sport anzuschauen. Natürlich guckt man immer mal wieder andere Sportarten, aber es gibt keine, wo man sagen kann, dass ich da ein erwähnenswert großer Fan bin.

SPORT1: Kommen wir nochmal zu Ihrem Sport. Inwieweit kann man den Anlauf planen oder ist da auch immer ein bisschen Glück dabei?

Mihambo: Zentimetergenau klappt es nie, weil allein schon jede Anlage unterschiedlich ist. Dann kommt es natürlich auch viel auf den Wind drauf an. Den muss man richtig einschätzen, um dann den Anlauf richtig anpassen zu können. Das ist die größte Herausforderung. Wir haben nur ein Fähnchen im Wind, welches einem nicht die ganz genaue Information über den Wind gibt. Grundsätzlich kommt es also darauf an, einen stabilen Anlauf zu haben. Das kann man trainieren.

SPORT1: Ist das auch abhängig von der Tagesform?

Mihambo: Das meiste wird über den Kopf bestimmt. Aber manchmal gibt es auch Tage, wo es einem einfach schwerfällt. Man versucht zwar trotzdem, sein Bestes zu geben, aber manchmal ist man vielleicht auch etwas müde. Das ist dann schon abhängig von der Tagesform. Aber im Wettkampf fällt es einem leichter, die Kräfte zu mobilisieren, die man im Training vielleicht nicht hat.

Influencer in der Leichtathletik

SPORT1: Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?

Mihambo: Da fällt mir aus dem Stand keine ein. (lacht) Natürlich wäre deutscher Rekord oder Weltrekord eine schöne Schlagzeile. Aber etwas Persönliches, dass ich andere Menschen inspirieren konnte, würde mich noch mehr freuen.

SPORT1: Wie sehen Sie die Vermarktung des Sports in den sozialen Medien durch Alica Schmidt und andere?

Mihambo: Es ist immer schön, wenn die Leichtathletik mehr Bühne bekommt. Es ist eine schöne Sportart, die auch von vielen Menschen betrieben wird. Trotzdem steht sie – wie jede andere Sportart auch – hinter dem großen Fußball. Das ist schade. In anderen Ländern sind die Sportlandschaften wesentlich vielseitiger. Wenn hierzulande die Leichtathletik durch Influencer mehr Aufmerksamkeit bekommt, find ich das eine gute Sache. (Bericht: Das denkt Mihambo über Alica Schmidt)

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SPORT1: Zum Abschluss noch eine kleine Kurzfragerunde. Lieber Weltmeisterin oder Olympiasiegerin?

Mihambo: Olympiasiegerin.

SPORT1: Die Vergangenheit ändern oder die Zukunft vorhersehen?

Mihambo: Vielleicht die Vergangenheit ändern, damit es eine schöne Zukunft gibt.

SPORT1: Beim Krafttraining lieber Ober- oder Unterkörper?

Mihambo: Unterkörper.

Sie hat vermeintlich schon alle Titel der Leichtathletik-Welt gewonnen. Im Exklusiv-Interview spricht Weitspringerin Malaika Mihambo unter anderem über ihre Begabung, die Vermarktung in der Leichtathletik und Schlafexperimente wie von Cristiano Ronaldo.
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Malaika Mihambo im Exklusiv-Interview über Weitsprung-Talent und Vermarktung

SPORT1: Lieber zu warm oder zu kalt?

Mihambo: Lieber zu kalt.

SPORT1: Lieber müde sein oder hungrig?

Mihambo: Hungrig.

SPORT1: Präferieren Sie das Warm-up oder das Cool-down?

Mihambo: Warm-up.

SPORT1: Was ist Ihre liebste Ballsportart?

Mihambo: Volleyball.

SPORT1: Was ist die nervigste oder häufigste Frage, die Ihnen gestellt wurde?

Mihambo: In letzter Zeit: Wie sieht es mit dem deutschen Rekord aus?

SPORT1: Welche drei Dinge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?

Mihambo: Ein Musikinstrument, viel zu schreiben und irgendwas, um mit meinen Liebsten in Verbindung zu bleiben.