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Leichtathletik-Eklat: Nicht-Nominierung von Kugelstoßer Zimmermann für Heim-EM! DLV schuld?

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Leichtathletik-Eklat: Nicht-Nominierung von Kugelstoßer Zimmermann für Heim-EM! DLV schuld?

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Wirbel um Kugelstoßer-Ausbootung

Wirbel um Kugelstoßer-Ausbootung

Das deutsche Leichtathletik-Team überzeugt bei der Heim-EM in München. Nun sorgt die Nicht-Nominierung eines Kugelstoßers und die Verwicklungen des zuständigen Verbandes für Unruhe.
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. SPORT1
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von SPORT1

Nach dem WM-Debakel in Eugene hat sich die deutsche Leichtathletik bei der Heim-EM in München von ihrer besten Seiten gezeigt. Das DLV-Team schaffte es auf Platz eins im Medaillenspiegel und verwandelte das Olympiastadion immer wieder in ein Tollhaus.

Doch schon wenige Tage nach dem Spektakel schwelt der nächste Zoff. Im Fokus steht dabei Kugelstoßer Christian Zimmermann, der dem Deutschen Leichtathletik-Verband harte Vorwürfe macht.

So wurde der 28-Jährige nicht für die Europameisterschaft nominiert, obwohl ihm das laut eigener Aussage vom Verband fest zugesichert worden war.

„Es hieß, er (Kugelstoß-Bundestrainer Wilko Schaa, Anm.d.Red.) könne nichts fest versprechen, aber ich solle mir keine Gedanken machen und mich einfach auf die EM vorbereiten“, sagte Zimmermann im SZ-Interview.

Zimmermann durfte nicht zur Heim-EM

Hinter Zimmermann liegt ein schwieriges Jahr. Wegen zahlreicher Verletzungen konnte er sich im Winter nur schwer auf die Saison vorbereiten. Trotz der Probleme wurde er Deutscher Hallenmeister.

In der Sommer-Saison wurde es aber nicht viel besser. So verpasste er die Norm für die EM und stieß bei den Deutschen Meisterschaften die Kugel gerade mal 18,42 Meter weit. „Ein Totalausfall“, wie er sagt.

Dennoch war die Heim-EM im Münchner Olympiapark, in dem er sonst quasi jeden Tag trainiert, fest eingeplant. Grund ist die seit einiger Zeit bestehende Weltrangliste, über deren Platzierungen man sich ebenfalls für die EM qualifizieren konnte, auch wenn man bestimmte Weiten zuvor nicht geschafft hatte.

Storl meldete sich rechtzeitig ab

Der Kugelstoßer musste er in der „Road to Munich“-Rangliste mindestens den 26. Rang belegen, um doch noch nominiert zu werden.

Diesen Platz hatte er zur Deadline am 26. Juli zwar nicht - auf Platz 27 war er aber der erste Nachrücker. Zudem war er zuvor bereits deutlich höher platziert. Das Problem: Der Verband hatte ihm versichert, dass noch ein Athlet aus den Top 26 abgemeldet werden würde. So trainierte Zimmermann „auf eigene Kosten“ am Stützpunkt in Kienbaum.

Dann folgte der Schock: Als die offiziellen Starterlisten vom europäischen Verband EAA veröffentlicht wurden, fehlte der Name Zimmermann. Auf seine Nachfrage hin teilte der DLV mit, dass die geplante Abmeldung von Weltmeister David Storl, der in der Rangliste vor Zimmermann lag, laut EAA zu spät gekommen sei. Laut Bundestrainer Schaa hatte Storl aber versichert, seine Abmeldung rechtzeitig beim DLV hinterlegt zu haben.

Christian Zimmermann konnte nicht an der Heim-EM teilnehmen
Christian Zimmermann konnte nicht an der Heim-EM teilnehmen

DLV bezieht keine Stellung

Und es wird noch undurchsichtiger. So teilte der Verband der SZ mit, dass der 28-Jährige nie unter den besten 26 Athleten rangiert haben soll. Das steht jedoch im Kontrast zu einer E-Mail, die Schaa am 7. Juni an Zimmermann schrieb. Dabei hatte er seinen Schützling animiert, den zu diesem Zeitpunkt 19. Platz mit weiteren Ranglisten-Punkten zu festigen.

Was am Ende bleibt: Hätte der Verband den verletzten Storl rechtzeitig abgemeldet, wäre Zimmermann in die Top 26 gerutscht. Wie es zur Panne kam, beantwortete der DLV bislang nicht.

Beim 28-Jährigen bleibt derweil nur noch Frust - vor allem über die verpasste Heim-EM und den finanziellen Schaden.. Er überlegt sogar, zivilrechtlich gegen den Verband vorzugehen. „Ich verliere ja Prämien von meinen Sponsoren und meinem Verein, weil ich nicht bei der EM gestartet bin“, schildert er.

Auch ein möglicher Rücktritt steht im Raum. „Wenn ich weitermache, muss ich auch mit dem Verband weitermachen.“ Und dieser hat sich nicht einmal entschuldigt: „Das ist eigentlich das Mindeste.“