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Die bittere Realität im deutschen Spitzensport

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Die bittere Realität im deutschen Spitzensport

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Bittere Realität im deutschen Sport

Als Mutter ein erfolgreiches Comeback im Spitzensport zu feiern, ist in Deutschland immer noch äußerst ungewöhnlich. Gesa Krause zeigt, wie es geht - und sie richtet kritische Worte an das deutsche Sportsystem.
Gesa Krause hofft in Rom auf eine Medaille
Gesa Krause hofft in Rom auf eine Medaille
© IMAGO/Chai v.d. Laage
Johannes Fischer
Johannes Fischer
Als Mutter ein erfolgreiches Comeback im Spitzensport zu feiern, ist in Deutschland immer noch äußerst ungewöhnlich. Gesa Krause zeigt, wie es geht - und sie richtet kritische Worte an das deutsche Sportsystem.

Wenn am Sonntagabend um 22.04 Uhr die Läuferinnen im Finale über 3000 Meter Hindernis an der Startlinie stehen, dann ist mit Gesa Krause eine sichere Medaillenbank für Deutschland dabei, die bei den vergangenen zwei Großveranstaltungen gefehlt hat.

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Der erfreuliche Grund ihrer Absenz ist mittlerweile 14 Monate alt, hört auf den Namen Lola und hält Krause - zusätzlich zu ihren Trainingsumfängen - ordentlich auf Trab.

Dass Lola zu Hause in Deutschland bleibt und sich ihre Mutter in Rom auf die Medaillenjagd konzentrieren kann, liegt an den vielen helfenden Händen, die Krause unterstützen - vornehmlich im familiären Bereich.

„Lola ist mit ihren Großeltern zu Hause“, sagt die 31-Jährige im SPORT1-Gespräch, kurz nachdem sie souverän den Vorlauf überstanden hat.

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Verbände erschweren Müttern die Rückkehr in den Leistungssport

„Training und Mutter-Dasein unter einen Hut zu bringen, ist eine wahre Herausforderung, aber ich finde mich immer mehr in die Aufgabe ein und habe meine Routinen neu entwickelt“, verriet Krause bei SPORT1 kurz nach ihrem ersten Comebackrennen im Januar.

Dass es eine Mutter im deutschen Leistungssport wieder zurück an die Spitze schafft, ist in Deutschland noch immer eine absolute Ausnahme - und daran sind die Sportverbände nicht schuldlos.

„Es ist traurig, weil es für viele junge Mütter, die vielleicht noch keine Erfolge vorzuweisen haben, sicher ein Grund ist, ihren Kinderwunsch auszuschließen“, sagte die zweimalige Europameisterin unlängst im SWR. Zu groß sei die Angst, Sponsoren zu verlieren „oder vielleicht aus dem Kader zu fliegen.“

Die Zahlen sprechen Bände und decken die Missstände auf: In einer SWR-Umfrage unter 700 deutschen Spitzensportlerinnen fühlen sich 90 Prozent der Frauen von ihren Vereinen und Verbänden nicht unterstützt, ein Kind zu bekommen und ihre sportliche Karriere weiterzuführen.

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Kitesurferin Mayer und Beachvolleballerin Ludwig machen es vor

Demnach haben sich zwölf dieser Athletinnen sogar schon einmal für eine Abtreibung entschieden, um die sportliche Karriere nicht zu gefährden.

Gesa Krause bei ihrem Vorlauf in Rom
Gesa Krause bei ihrem Vorlauf in Rom

Eine, die den Widrigkeiten trotzte, ist die Kitesurferin Leonie Meyer. Die 31-Jährige meisterte neben ihrer sportlichen Karriere und dem Mutter-Dasein auch noch ein Medizinstudium - und sie wird bei den Olympischen Spielen in Paris für Deutschland ebenfalls auf Medaillenjagd gehen.

Was Meyer stört, beschrieb sie eindringlich in einem Interview mit der Sporthilfe: „Es kann doch nicht sein, dass ich, um meinen Kaderstatus und damit auch zukünftig Förderung zu erhalten, fünf Monate nach der Geburt meines Kindes bei einem Wettkampf die gleichen Kriterien erfüllen muss wie ein junger Vater oder jede:r andere Athlet:in, der oder die nicht neun Monate schwanger war.“

In Paris dabei ist auch die Beachvolleyballerin Laura Ludwig - wie Krause und Meyer eine der wenigen deutschen Spitzenathletinnen, die als Mütter das Comeback schafften.

Ludwig: „... dann kriege ich das Grauen“

„Wenn ich solche Stories wie die von Leonie (Meyer, d. R.) höre, dann kriege ich das Grauen“, sagte Ludwig, für die früher eigentlich klar war: „Wenn ich Kinder kriege, dann bin ich raus.“

Dass Mütter teilweise sogar stärker zurückkommen als vor der Geburt, zeigen zwei Beispiele aus der Leichtathletik. „Es ist alles Wahnsinn. Allerdings bin ich nicht überrascht“, sagte Lea Meyer bei SPORT1 über ihre Hindernis-Kollegin Krause. „Das haben in den letzten Jahren so viele Mütter gezeigt, dass Leistungssport nach der Schwangerschaft definitiv möglich ist oder die Leistungen sogar positiv beeinflussen kann.“

Kitesurferin Leonie Meyer schaffte es als Mutter zu den Spielen nach Paris
Kitesurferin Leonie Meyer schaffte es als Mutter zu den Spielen nach Paris

Meyer selbst erlebte es in ihrer Trainingsgruppe in Boston, wo Elinor Purrier St. Pierre, ebenfalls Mutter eines kleinen Sohnes, im vergangenen März sensationell Hallen-Weltmeisterin über 3000 Meter wurde - der mit Abstand größte Erfolg in der Karriere der 29-Jährigen.

Und da wäre noch Faith Kipyegon, die Frau, die in den vergangenen Jahren über die Mittel- und Langstrecke alles in Grund und Boden lief - aber erst dann so gut wie unschlagbar wurde, nachdem sie Mutter geworden war. Aus sportlicher Sicht könnte es für Krause ein besseres Vorbild gar nicht geben.

Und so verwundert es auch nicht, dass der deutsche Hindernis-Star von seinem ersten sportlichen Triumph als Mutter träumt: „Ziel ist definitiv, in das Medaillengeschehen einzugreifen. Das wird hier sehr, sehr eng. Das Niveau ist sehr hoch. Aber ich will auch mitmischen und das Beste aus mir herausholen.“