Jetzt sprechen die Ausgeschlossenen
Die Ultimate Championship soll die Leichtathletik neu erfinden, doch einige der besten Athleten dürfen gar nicht antreten. Vier deutsche Stars zeigen sich bei SPORT1 enttäuscht, dass ihnen diese Chance verwehrt bleibt.
Merlin Hummel warf – und plötzlich war er der erste Ultimate Champion der Leichtathletik. 81,46 Meter im ersten Versuch, Gold im Hammerwurf, 150.000 Dollar Preisgeld.
Budapest erlebte an diesem Freitag den Auftakt eines Wettbewerbs, der sich mit viel Geld, schwarzem Infield und großer Inszenierung neu erfinden will. Hummel selbst muss das alles erst einmal sacken lassen. „Davon werde ich erstmal viele Steuern zahlen und dann hoffentlich gut anlegen“, sagte er nach seinem Coup in der ARD.
Es gibt allerdings auch Athleten, für die Budapest an diesem Wochenende vor allem eines ist: ein verpasster Ort.
Leichtathletik Ultimate Championship: Die verpasste Bühne
Henrik Janssen etwa hätte ziemlich genau in dieses neue Spektakel gepasst. Der deutsche Diskuswerfer steht aktuell auf Rang fünf der Weltrangliste. Wäre seine Disziplin Teil des Programms, hätte er nach den Qualifikationskriterien zu den eingeladenen Athleten gehört.
Stattdessen meldet er sich aus dem Urlaub. „Es ist natürlich sehr schade“, sagt Janssen bei SPORT1. Gerade in einem Jahr, in dem nur eine Europameisterschaft auf dem großen internationalen Kalender steht, hätte er die Gelegenheit gerne genutzt, „sich international noch einmal auf einer großen Weltbühne zu zeigen“.
Und es wäre nicht nur um die Bühne gegangen. Die 150.000 Dollar, die Hummel an diesem Abend gewonnen hat, machen schließlich einen wesentlichen Teil des Reizes der Ultimate Championship aus. „Natürlich nimmt es einem auch die Möglichkeit, bei einem so hoch dotierten Meeting Geld zu verdienen“, moniert Janssen. Ein Preisgeld in dieser Größenordnung gibt es in der Leichtathletik sonst nicht.
Janssen kann die Enttäuschung auch deshalb schwer wegschieben, weil er nicht irgendein Diskuswerfer ist, der knapp an einer Einladung vorbeigeschrammt wäre. Er wäre als Nummer fünf der Welt dabei gewesen. „Gerade weil ich mit meinem fünften Platz dabei gewesen wäre, ist es natürlich besonders schade.“
Wenn die Sichtbarkeit fehlt
Auch sein Diskus-Kollege Steven Richter, in diesem Jahr mit 74 Metern in die Weltspitze vorgestoßen, findet viel Gefallen an dem neuen Wettbewerb. „Das könnte ein sehr cooles Format werden. Gerade die Aufmachung mit dem schwarzen Infield sieht mega aus“, sagt er bei SPORT1. Das Problem: Der Diskuswurf bleibt außen vor.
Richter sieht darin mehr als einen entgangenen Wettkampf. Gerade Disziplinen, die ohnehin weniger Aufmerksamkeit bekommen, würden dadurch weiter ins Abseits geraten. „Man nimmt den Athleten dadurch die Chance auf Sichtbarkeit – und natürlich auch auf Preisgelder und Sponsorendeals.“
Der Diskuswurf ist dabei nicht die einzige Disziplin, die in Budapest fehlt. Auch der 3000-Meter-Hindernislauf gehört nicht zum Programm – dabei wären mit Karl Bebendorf und Frederik Ruppert zwei Deutsche um den Titel mitgelaufen.
Für Bebendorf ist das schwer nachvollziehbar. „Das kann ich mir selbst nicht erklären. Wir haben eine sehr spektakuläre Disziplin, die meiner Meinung nach in so ein Format gehört“, betont der EM-Dritte im Gespräch mit SPORT1. Er hätte „wirklich Bock darauf gehabt“ und sich wahrscheinlich sogar noch einmal speziell auf die Ultimate Championship vorbereitet.
Ein Anreiz, die Saison zu verlängern
Nun bleibt ihm nur, die Entscheidung hinzunehmen und auf die Zukunft zu hoffen. „Ich hoffe natürlich, dass das Event gut wird und im nächsten Jahr wieder stattfindet – im besten Fall dann auch mit Hindernisläufen.“
EM-Sieger Ruppert, der nach seinem Titel auf der Hindernisstrecke in den Urlaub verschwand, hätte für Budapest wahrscheinlich sogar sein Saisonende um knapp einen Monat nach hinten verschoben. „Ich schätze, das hätte die Saisonplanung durchaus verändert, wenn Hindernis im Programm gewesen wäre. Das hätte mich schon gereizt“, sagt er bei SPORT1. „Ich denke, es hätte definitiv einen großen Ansporn gegeben, die Saison zu verlängern.“
Genau das ist der größte Widerspruch dieses neuen Wettbewerbs: Die Ultimate Championship trägt ihren Namen, als wolle sie die ultimative Antwort auf die Frage geben, wer die Besten der Leichtathletik sind. Doch sie kann naturgemäß nur die Besten jener Disziplinen versammeln, die auf ihrer Bühne stattfinden.
Die ultimative Bühne hat Grenzen
In Budapest wird deshalb gerade nicht nur um Medaillen und Geld geworfen, gesprungen und gelaufen. Es wird auch darüber entschieden, welche Teile der Leichtathletik sichtbar sein sollen.
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Für Hummel ist das Ergebnis bereits märchenhaft: erster Ultimate Champion, 150.000 Dollar auf dem Konto. Für Janssen, Richter, Ruppert und Bebendorf bleibt die Erkenntnis, dass selbst ein Platz in der Weltspitze nicht automatisch den Weg auf die ultimative Bühne öffnet.