Wolff watscht Russell ab

Wolff watscht Russell ab

Toto Wolff bezieht im Formel-1-Zoff zwischen George Russell und Valtteri Bottas klar Stellung. Der Crash könnte für Mercedes weitreichende Folgen haben.
Beim Formel 1 Grand Prix in Imola kommt es zu einer heftigen Kollision zwischen George Russell und Valtteri Bottas. Unmittelbar danach fliegen bei beiden Fahrern die Fetzen.
Formel-1-Zoff eskaliert: „Willst du uns umbringen?“
00:40
Bianca Garloff
von Bianca Garloff
am 19. Apr

Mercedes-Teamchef Toto Wolff befindet sich angesichts des Unfalls zwischen Valtteri Bottas und Williams-Nachwuchsstar George Russell in einer misslichen Lage.

Einerseits ist er Teamchef und auch Ex-Manager des Finnen, den es für den Mercedes-WM-Kampf gegen Red Bull zu stärken gilt. Andererseits hat er auch Russell ins Mercedes-Juniorteam geholt und ihm als Förderer immer wieder signalisiert: Du bist unsere Zukunft. Nicht zuletzt, nachdem der 23-Jährige Weltmeister Lewis Hamilton 2020 bei dessen Corona-Infektion in Bahrain ersetzen durfte und im schwarzen Silberpfeil glänzte. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Der Crash beim Großen Preis der Emilia Romagna in Imola ist ein Resultat dieser Gemengelage. Das glaubt jedenfalls auch Russell, der die brisante Konstellation mit dafür verantwortlich machte, dass sich Bottas überhaupt so hart verteidigt hat. Dafür bekommt er vom Mercedes-Teamchef jetzt eine verbale Abmahnung.

Wolff sauer auf Russell

Wolff reagiert sauer. "Das ist Bullshit. Es gibt im Leben nie Situationen, in denen einer zu 100 Prozent schuld ist und der andere gar nicht. Diese Situation hätte nie passieren sollen", räumt Wolff zwar ein, watscht dann aber Russell ab: "George hätte dieses Manöver nicht starten sollen, denn die Strecke ist abgetrocknet. Das hat Risiko bedeutet."

Was für den Österreicher fast noch wichtiger ist: die oben erwähnte Konstellation mit Russell als Mercedes-Junior und Kandidat auf ein Silberpfeil-Cockpit 2022. "Das andere Auto vor ihm war ein Mercedes", betont Wolff und macht gleichzeitig klar, dass der junge Brite für Mercedes hätte bremsen müssen: "In einem Young Driver Programm darfst du diese globale Perspektive nie verlieren! Es gibt viel für ihn zu lernen."

Bei Sky England legt der Wiener nach: "Wenn du einen guten Job machst, fährst du eines Tages einen Mercedes, wenn nicht, dann im Renault Clio Cup. Das war heute näher dran am Renault Clio Cup."

Wolff nimmt Bottas in Schutz

Heftige Aussagen, mit denen Wolff den mannschaftsinternen Schiedsrichter spielt und Russell zum Sündenbock abstempelt. "Es ist nass, da ist es ein Risiko zu überholen. Und die Chancen stehen ohnehin schlecht für ihn, wenn die Strecke abtrocknet. Ich will nicht, dass er versucht, uns irgendetwas zu beweisen. Eine Sache, die ich sagen kann, ist: Valtteri ist seit fünf Jahren hier und er hat nie versucht, uns irgendetwas zu beweisen."

Bottas zeigte sich in seiner Presserunde nach solcher Rückendeckung souverän. "George setzte zum Überholen an und hat das Auto verloren. Game Over", beschreibt der Finne das Manöver aus seiner Sicht. (Fahrerwertung der Formel 1)

Zur Erinnerung: Der Brite attackierte Bottas vor der ersten Schikane, die nach der berühmt-berüchtigten Tamburello benannt ist. Der Finne machte leicht die Tür zu, sodass Russell vor Schreck mit den rechten Rädern aufs Gras kam und abflog. Den Mercedes nahm er gleich mit.

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Bottas erklärt Stinkefinger gegen Russell

Bottas über den Stinkefinger, den er dem aufgebrachten Russell noch aus dem Cockpit heraus zeigte: "Der erste Aufprall war sehr hart, aber ich war auch sauer, weil ich wusste, ich habe Punkte verloren. Ich habe jedenfalls keine plötzlichen Bewegungen gemacht und genug Platz gelassen. Wenn ich Rennen fahre, habe ich Respekt. Aber ich werde mich immer gegen jeden Fahrer verteidigen. Ich habe mein Ding gemacht – wer mein Gegner ist, war mir egal. Mein Gefühl ist, dass ich nicht derjenige bin, der an diesem Crash Schuld ist."

Dieses Gefühl gibt ihm eben auch Wolff. "Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen", so Bottas: "Aber Toto sagte mir, er wird mit ihm (Russell; Anm. d. Red.) sprechen."

Unfall mit Folgen für Mercedes

Der Mercedes-Teamchef sitzt in diesem Fall aber nicht nur zwischen den Stühlen. Er bekommt noch ein ganz anderes Problem. "Unser Auto kann man fast komplett abschreiben", bewertet der 49-Jährige den entstandenen Schaden. "Mit der Budgetobergrenze ist das definitiv nichts, was wir gebraucht haben. Wahrscheinlich werden dadurch die Upgrades limitiert, die wir machen können." (Rennkalender der Formel 1 2021)

Hintergrund: 2021 dürfen die Teams maximal 145 Millionen Dollar ausgeben. Der Unfall reduziert nun das Budget für Weiterentwicklungen. Wolff bringt es auf den Punkt: "Das bedeutet weniger Performance am Auto."

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