Am Freitag erschütterte die Nachricht, dass Erich Zakoswki im Alter von 89 Jahren verstorben ist, den deutschen Motorsport. Auch für SPORT1-Experte Christian Danner war diese Nachricht ein Grund zur Trauer. Er fuhr für Zakowski dereinst in der Formel 1 und war auch später freundschaftlich mit dem Gründer des Zakspeed-Rennstalls verbunden.
Formel 1: "Eine deutsche Motorsportgröße!" Danner erinnert sich an Erich Zakowski
Er war seiner Zeit 20 Jahre voraus
„Er war eine deutsche Motorsportgröße“, huldigte Danner Zakowskis Lebenswerk. In der Deutschen Rennsport-Meisterschaft, dem Vorläufer der heutigen DTM, sowie vielen anderen Tourenwagenserien hat er zahlreiche Erfolge gefeiert.
Dazu hat er in Deutschland ein eigenes Formel-1-Team aufgebaut, mit dem er in den 1980ern in der Königsklasse des Motorsports sein Glück versuchte. „Damals hat keiner so richtig gemerkt, was er eigentlich geleistet hat“, erinnert sich Danner an dieses Projekt und fügt anerkennend hinzu: „Das war aber sagenhaft. Er hat das Chassis, das Auto, das Team und den Motor in Niederzissen gebaut – wie Ferrari in Maranello.“
Zakowski war seiner Zeit voraus
Die Schwierigkeit dieses Unterfangens kann kaum überschätzt werden. Zakowski musste kompetente Menschen für sein Team gewinnen, was aufgrund des geringen Budgets kein Selbstläufer war. „Dass das trotzdem so funktioniert hat, davor habe ich einen großen Respekt und ich bin sehr stolz, dass ich an diesem Projekt maßgeblich beteiligt war.“
Danner selbst ist eher zufällig zu Zakspeed gekommen. Bei Arrows damals unter Vertrag, wollte er eigentlich zu Benetton wechseln. Das habe jedoch aus verschiedenen Gründen nicht geklappt - und dann kam Zakowski. „‚Christian‘, hat er zu mir gesagt, ‚ich will, dass du bei mir fährst. Ich will unbedingt einen deutschen Fahrer. Ich habe mit Martin Brundle bereits einen Engländer. Aber ich will auch einen Deutschen, der das auf die Reihe kriegt.‘“
In der Eifel hatte er sein kleines, aber patentes Team aufgebaut und damit den deutschen Motorsport nachhaltig beeinflusst. Sein einziges Problem laut Danner: Er war seiner Zeit voraus. „Hätte das 20 Jahre später stattgefunden, das wäre ein Welterfolg geworden.“
Rein statistisch war Zakoswkis Formel-1-Abenteuer allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Ein fünfter Platz beim Großen Preis von San Marino in der Saison 1989 war das einzige Mal, dass es WM-Punkte gab. Dabei muss man jedoch bedenken, dass es damals nur für die ersten sechs Plätze WM-Punkte gab. Danner selbst sammelte einige Ränge, die knapp an den WM-Punkten vorbeischrammten.
„Wir sind fast immer in die Top Ten gekommen“, erinnert er sich an diese Saison. „Nach heutigen Standards wären wir ein etabliertes Mittelfeldteam gewesen. Daher war er einfach zu früh dran.“
So tickte der Mensch Zakowski
Aber so war Zakowski. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, zog er es durch. „Das war keiner, der es geschenkt bekommen hat, sondern er hat sich seinen Erfolg hart erarbeitet“, erinnert sich Danner an den Mensch Zakowski. „Was mich menschlich an ihm immer begeistert hat: Es gab Teamchefs, die das wegen des Geldes oder Ego machen. Der Erich hat es wegen Motorsport gemacht. Weil der das einfach toll fand.“
Und für diese Leidenschaft warf Zakowski alles in die Waagschale. So stattete er Danner und Brundle unter anderem mit Verträgen aus, die unmöglich einzuhalten waren. So kam es zwischen den beiden Fahrern zu einer kuriosen Episode, als einmal die Frage aufkam, für wen das Ersatzauto vorzubereiten sei. „Dann hat Brundle gesagt, dass er mit Zakowski einen Nummer-eins-Vertrag abgeschlossen hat und das Ersatzauto immer ihm zur Verfügung stünde. Ich habe einen Vertrag unterschrieben, dass beide Fahrer absolut gleichberechtigt sind, was Ersatzauto und -teile angeht.“
Da sich Brundle und Danner trotz aller Härte auf der Strecke menschlich gut verstanden, habe es die beiden amüsiert, „dass uns der Erich eigentlich einen Schmarrn verkauft hat, der nicht umzusetzen ist“. Danach habe man sich abgesprochen, wie man es dem Teamchef heimzahlen könne. „Unter uns Fahrern war alles super und der Erich musste leiden“, erzählt Danner mit einem Lächeln.
Nach der Saison 1987 trennten sich die sportlichen Wege Danners und Zakowskis. Menschlich blieb man sich jedoch verbunden. „Wir haben uns immer wieder getroffen, wenn ich am Nürburgring war. Er hatte direkt an der Strecke ein Haus gehabt und da haben wir zusammen gelacht und geratscht.“
Nun ist Zakowski aus der Welt geschieden. Seine Leistung für den deutschen Motorsport wird jedoch unvergessen bleiben.