Formel 1>

Was Audi aus Versehen verriet

Was Audi aus Versehen verriet

Audi zeigt das Design seines Formel-1-Autos in Berlin und verrät mehr, als man eigentlich wollte.
Audi präsentiert wenige Monate vor Saisonstart den ersten Formel-1-Boliden seiner langen Motorsport-Geschichte. Nico Hülkenberg verrät seine ersten Eindrücke von seinem neuen Arbeitsgerät.
Audi zeigt das Design seines Formel-1-Autos in Berlin und verrät mehr, als man eigentlich wollte.

Audi meint es ernst mit seinem Einstieg in die Formel 1: Mit einer aufwendigen und hoch emotionalen Inszenierung in einem ehemaligen Berliner Heizkraftwerk hat der neue Werksrennstall sein nächstes Formel-1-Geheimnis gelüftet: die künftige Lackierung des Rennwagens mit den vier Ringen.

Die Botschaft hinter der selbst für Formel-1-Verhältnisse ungewöhnlich großen Show ist klar: Audi will in der Königsklasse des Motorsports nicht nur spielen, sondern angreifen, ja sogar Maßstäbe setzen. Dabei wurde auch der altbekannte Slogan „Vorsprung durch Technik“ reaktiviert.

Audi setzt klares Zeichen in der Formel 1

„Dies ist ein Moment, auf den wir seit vielen Jahren hingearbeitet haben“, betonte Audi-Vorstand Gernot Döllner bei der Veranstaltung. „Unser Einstieg in die Formel 1 ist Teil von etwas Größerem, es ist eine strategische Entscheidung, die unterstreicht, wie wir die Kraft der Technologie weiterentwickeln.“

Dass man den ersten Audi-Renner der Formel-1-Geschichte ausgerechnet in Berlin präsentiert, gehört zum durchdachten Konzept: „Mit den Auto-Union-Rennwagen haben wir auf der AVUS eine erfolgreiche Vergangenheit“, so der CEO selbstbewusst. „Daran wollen wir anknüpfen. Überall wo Audi im Motorsport angetreten ist, haben wir gewonnen, haben Innovationen gebracht und den Sport so auf das nächste Level gehoben.“

Optisch setzt Audi entsprechend auf eine markentypische Mischung aus Titan, Carbon-Schwarz und Audi-Rot und bringt damit neben Mercedes den zweiten Silberpfeil in der Formel 1 an den Start. Das Design hat sich dabei mit Ausnahme der diversen Sponsorlogos nur minimal im Vergleich zum Konzept aus dem November verändert.

Panne lüftet Audi-Geheimnis

Allein: So perfekt die Präsentation vor mehr als 400 geladenen Gästen geplant war, eine kleine (vielleicht sogar bewusste) Panne unterlief dem Hersteller dann doch. Eigentlich sollten noch keine technischen Geheimnisse des R26 gelüftet werden. Das Fahrzeug auf der Bühne und auch die verschickten Bilder zeigen die Ur-Version des Rennwagens nach den neuen Regeln, die ab 2026 greifen.

Auf der Leinwand hinter dem Showcar liefen allerdings erste Renderings einer weiterentwickelten Version. Darauf zu erkennen: Eine ungewöhnlich breite Nase, die sich zur Spitze hin weniger stark verjüngt als bei Red Bull. Insgesamt wirkt die Front wuchtiger, auch die Seitenkästen fallen bulliger aus. Die wie ein Haimaul geformten Luftöffnungen sind größer, die untere Wölbung ausgeprägter.

Beim Fahrwerk folgt Audi indes dem aktuellen Technik-Trend und setzt an der Vorderachse auf eine Pushrod-Aufhängung mit Druckstreben. Diese Lösung haben zuvor bereits Red Bull, Racing Bulls und Haas in ihren Renderings angedeutet.

Hülkenberg und Bortoleto als Fahrerduo

Ebenfalls im Rampenlicht auf der Bühne: Der Deutsche Nico Hülkenberg, der gemeinsam mit Gabriel Bortoleto das neue Fahrerduo bildet. „Ich fühle Aufregung und Stolz“, so der Emmericher. „Für mich ist das eine große Chance, dieses neue Team mitzuformen. Das Auto ist jetzt schon eine Schönheit.“ Bereits seit 2024 steht er als Fahrer fest.

Teamchef Jonathan Wheatley bremst derweil die Erwartungen: „Wir starten von bescheidenen Anfängen und haben ein ehrgeiziges Projekt vor uns. Bis zum ersten Rennen gibt es noch viel zu tun“, betont der ehemalige Red Bull-Teammanager und nimmt die Mannschaft in die Pflicht. „Es ist wichtig, dass wir in den nächsten Jahren als Einheit alle an einem Strang ziehen.“

WM 2030: Binotto formuliert großes Ziel

Hintergrund: Der neue R26 wird an verschiedenen Standorten gebaut. Der Antrieb stammt aus Neuburg an der Donau, das Chassis aus dem Schweizer Hinwil und auch in England hat man einen Technologie-Hub. Diese drei Standorte zu verbinden wird eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zu Siegen und Titeln.

Dabei sind Richtung und Zeitplan längst klar. Formel-1-Projektleiter Mattia Binotto formuliert ganz offen das große Ziel: Bis 2030 will Audi um die WM fahren. „Das ist sicherlich ehrgeizig. Aber nur mit einem klaren Ziel kannst du definieren, was fehlt und was es noch braucht“, sagt der ehemalige Ferrari-Teamchef.

Fest steht schon jetzt: Für die Ingolstädter ist der Formel-1-Einstieg auch ein wichtiger Imagefaktor. Gerade in einer Phase, in der deutsche Autohersteller unter Druck stehen und auch Audi mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen hat, sorgt das F1-Projekt für positive Schlagzeilen und neue Aufmerksamkeit für die Marke mit den vier Ringen.

Jetzt für den Motorsport-Newsletter anmelden und keine News mehr verpassen! Alle Infos zu Formel 1, MotoGP und mehr direkt in dein Postfach