Bis Sonntag war Kimi Antonelli ein großes Talent mit der Chance auf einen ganz frühen WM-Titel in seiner Karriere. Seit Sonntag dürfte sich die Wahrnehmung bei so manchem ein wenig verändert haben. Seine Aufholjagd von Monza steht nun in den ewigen Statistiken der Formel 1, es war eine Fahrt, die hängen bleibt und Erwartungen weckt.
Formel 1: Antonelli siegt in Monza nach Mega-Aufholjagd
Das Formel-1-Reife(n)zeugnis: Monza
Für die aktuelle Saison bedeutet sie zudem den nächsten großen Schritt zum Titel. 66 Punkte Vorsprung sind es nun auf Mercedes-Teamkollege George Russell, 76 bereits auf Lewis Hamilton im Ferrari. Die Erkenntnisse aus Monza:
Antonelli deklassiert Teamkollege Russell
KIMI ANTONELLI: Vielleicht wird der 6. September 2026 rückblickend der Tag sein, an dem die Sportwelt verstanden hat, dass Kimi Antonelli einer der ganz Besonderen ist. Die Fahrt vom 19. Startplatz nach ganz vorne ist fast unerreicht, nicht mal die großen Aufholjagden von Michael Schumacher oder Max Verstappen waren derart weit.
Mit 20 Jahren sieht Antonelli in dieser Saison jetzt schon aus, wie der sichere Weltmeister, und wo soll das alles noch hinführen? Für viele ist die Antwort klar: Zu Ferrari, „mit Sicherheit, eines Tages“, sagte etwa der einstige Weltmeister Nico Rosberg bei Sky. Die Fans der Scuderia adoptierten ihren Landsmann am Sonntag bereits, „Kimi, Kimi“-Sprechchöre waren schon während des Rennens zu hören.
Es wäre die wohl sinnvollste Verbindung in einem Land, in dem die Formel 1 noch etwas emotionaler gelebt wird als anderswo. Noch ist Antonelli eine ganze Weile an Mercedes gebunden, aber er hat ja noch sehr viel Karriere vor sich.
GEORGE RUSSELL: Sein Teamkollege dagegen ist bereits 28 und eigentlich in der Phase seiner Karriere, in der die Krönung so langsam angedacht war. Russell kam als besonderes Talent in die Formel 1, war jeweils im ersten Anlauf Meister in der GP3 und der Formel 2 geworden. Er ließ dann bei Mercedes den Rekordweltmeister Lewis Hamilton alt aussehen, und es wirkte, als brauche er nur ein titelfähiges Auto.
Das hat er jetzt, aber wie aus dem Nichts ist plötzlich Antonelli aufgetaucht – und lässt wiederum ihn aussehen wie ein Auslaufmodell. Die Niederlage am Sonntag war eine Degradierung für Russell. Der Engländer muss sich bis auf Weiteres mit einer Rolle als Nummer zwei abfinden.
Ferrari erleidet Strategie-Debakel
FERRARI: Auch bei Ferrari wollte man die Startplatzstrafe Antonellis nutzen, um neuen Druck aufzubauen im WM-Kampf – und man scheiterte noch etwas krachender als Russell. Ein unnötig harter Angriff von Lewis Hamilton auf Charles Leclerc, dann ein schwer erklärbarer Abflug von Leclerc, und zudem eine merkwürdige Boxenstopp-Strategie: Die Scuderia warf die geringen Chancen weg, die sie an diesem Tag hatte, sie gab in ihrem wichtigsten Rennen des Jahres eine ganz schlechte Figur ab.
Mit Blick auf die kommenden Wochen macht aber auch das Tempo Sorgen. Der Höhenflug des Sommers mit Siegen und Podestplätzen für beide Piloten scheint beendet, Ferrari kam sehr schleppend aus der Pause. Ein echter Endspurt in den verbleibenden 10 Rennen ist schwer vorstellbar.
DER REST: Für Max Verstappen im Red Bull war Platz drei ein netter Erfolg, auch McLaren mit Weltmeister Lando Norris (4.) und Oscar Piastri (5.) bewertete das Ergebnis am Ende positiv. Doch mit dem Titel werden beide in dieser Form nichts zu tun haben, Mercedes ist auf diese Weise nicht angreifbar.
Die Silberpfeile sind zwar nicht überall überlegen, aber sie kommen zumindest auf jeder Strecke zurecht. Kein anderes Team ist derart stabil, und das wäre notwendig, um in dieser Saison noch einmal für Spannung zu sorgen.