Olympia-Skandal um XL-Entertainerin

Olympia-Skandal um XL-Entertainerin

Entertainerin Naomi Watanabe wird zur unfrewilligen Hauptfigur eines Olympia-Skandals: Der Kreativdirektor tritt nach einer peinlichen Enthüllung zurück.
Naomi Watanabe ist in Japan eine bekannte Entertainerin
Naomi Watanabe ist in Japan eine bekannte Entertainerin
© Imago
Lisa Obst
von SPORT1
am 18. März

Naomi Watanabe ist in Japan als Multi-Talent bekannt.

Sie erlangte Berühmtheit durch Promi-Imitationen, vor allem für ihre Performances von Songs von Beyoncé. Mittlerweile kennt man sie auch als Komikerin, Plus-Size-Model, Modedesignerin, Schauspielerin und Synchronsprecherin - unter anderem war sie die japanische Stimme von Melissa McCarthy im Remake von "Ghostbusters".

Auf Instagram folgen 9,3 Millionen Fans dem Multitalent, das nun zusätzlich an Bekanntheit gewonnen hat - als unfreiwillige Hauptfigur eines Skandals, der einen mächtigen Olympia-Planer den Job gekostet hat.

Hiroshi Sasaki, der als Kreativdirektor die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio hatte planen sollen (wie Star-Regisseur Danny Boyle die in London 2012), hatte die Idee, die schwergewichtige Watanabe in einem Schweinekostüm als "Olympig" einschweben zu lassen. Was Sasaki anscheinend für einen gewitzten Einfall hielt, hat nun zu seinem Aus geführt. Wenige Stunden nachdem das Wochenmagazin Shukan Bunshun das Gedankenspiel enthüllt hatte, bot Sasaki reumütig seinen Rücktritt an.

Hiroshi Sasaki hat seinen Rücktritt angekündigt
Hiroshi Sasaki hat seinen Rücktritt angekündigt

Naomi Watanabe über peinlichen Einfall "überrascht"

"Meine Ideen und Bemerkungen waren vollkommen unangemessen. Sie wären eine große Beleidigung für Frau Watanabe. Das kann nicht zurückgenommen werden", teilte der 66-Jährige in einem Statement mit: "Ich entschuldige mich aufrichtig bei ihr und den Menschen, die sich wegen solcher Inhalte unwohl gefühlt haben." Generell sei er ein Mensch, "der zu Scherzen neigt".

OK-Chefin Seiko Hashimoto akzeptierte Sasakis Rücktrittsgesuch. "Ich war schockiert. Über das Aussehen zu scherzen ist sehr, sehr unangemessen", sagte die Nachfolgerin des soeben über einen Sexismus-Skandal gestolperten Yoshiro Mori und fügte an, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Artikel "besorgt" gewesen sei.

Auch Japans Regierung schaltete sich ein, der stellvertretende Kabinettschef Naoki Okada wertete Sasakis Idee als "vollkommen unangebracht". Eine Reaktion, welche die Tragweite der Verfehlung verdeutlicht - die einen neuen skurrilen Höhepunkt in der Skandalgeschichte dieser Spiele lieferte, die wegen der Corona-Pandemie ohnehin genug Probleme hat.

Entertainerin Watanabe selbst sagte in einer Erklärung, die über ihre Agentur herausgegeben wurde, dass sie von den Bemerkungen "überrascht" sei. "Ich bin glücklich mit meiner Körperform", fügte sie hinzu und forderte eine Welt, in der "Individuen sich gegenseitig respektieren" können (SERVICE: Alles zu Olympia).

Nicht der erste Skandal um Olympia 2021 in Tokio

Bei der Abschlusszeremonie in Rio 2016 war Sasaki bereits an der künstlerischen Umsetzung beteiligt, er ließ den damaligen japanischen Premierminister Shinzo Abe als Super Mario auftreten. Den Posten für Tokio hatte Sasaki erst im vergangenen Dezember erhalten, der ehemalige Manager des Marketing-Riesen Dentsu sollte ein siebenköpfiges Team ersetzen - und die ohnehin längst aus dem Ufer gelaufenen Kosten im Auge behalten.

Entsprechend demütig gab sich Sasaki bei seiner Vorstellung: "Schrille und extravagante Zeremonien wurden in der Vergangenheit bestaunt, sie werden aber in der heutigen Zeit als übertrieben empfunden." Man müsse "diese Zeit als Chance betrachten, uns zu ändern - wegen Covid-19, oder eher dank Cobid-19", sagte er kurz vor Weihnachten.

Ungefähr zu dieser Zeit hatte er auch die Idee mit dem "Olympig". Mehrere Mitglieder seines Planungsteams schmetterten den Gedanken ab, der über Umwege nun den Weg an die Öffentlichkeit fand.

Durch die Preisgabe von Interna war auch Mori im Februar zu Fall gekommen, er hatte Frauen unterstellt, sie würden Meetings in die Länge ziehen, weil sie "Schwierigkeiten haben, sich präzise auszudrücken". Das Organisationskomitee und auch das IOC um Präsident Thomas Bach zögerten lange, erst nach Tagen trat der frühere Premierminister unter dem stetig zunehmenden Druck zurück. Diesmal ist den Verantwortlichen zumindest ein schneller Schlussstrich gelungen.

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