Anzeige
Home>Olympia>

Aberkannte deutsche Olympia-Medaille: Daniela Maier will "alle juristischen Mittel" ausschöpfen

Olympia>

Aberkannte deutsche Olympia-Medaille: Daniela Maier will "alle juristischen Mittel" ausschöpfen

Anzeige
Anzeige

Maier reagiert auf aberkannte Medaille

Daniela Maier muss Olympia-Bronze zurückgeben. Die deutsche Skicrosserin hatte in Peking mit ihrem Fairplay begeistert. Selbst die Nutznießerin hat Mitleid. Der DSV prüft rechtliche Schritte.
Daniela Maier muss Olympia-Bronze zurückgeben. Die deutsche Skicrosserin hatte in Peking mit ihrem Fairplay begeistert. Nun verliert sie ihre Medaille. Selbst die Nutznießerin hat Mitleid.
. SPORT1
. SPORT1
von SPORT1

Die deutsche Skicrosserin Daniela Maier kämpft um ihre nachträglich aberkannte Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking.

„Ich bin von der neuen Situation ehrlich gesagt überrascht und auch gespannt, was nach dem stattgegebenen Einspruch nun passiert“, sagt die 25-Jährige in einem am Sonntagmorgen an SPORT1 übermittelten Statement: „Ich erlebe so eine Situation zum ersten Mal und werde jetzt zusammen mit dem Deutschen Skiverband und dem DOSB alle juristischen Mittel prüfen.“

Die zuständige Kommission des Internationalen Ski-Verbandes FIS hatte zuvor einem Protest des Schweizer Skiverbandes Swiss Ski gegen das Resultat des Rennens am 17. Februar stattgegeben. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)

Bronze erhält die Schweizerin Fanny Smith, die nach dem Finale von der Jury wegen Behinderung von Maier auf den vierten Platz zurückgestuft worden war. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)

DSV prüft rechtliche Schritte nach Urteil

„Ich bin natürlich erleichtert über diesen Entscheid“, wird Smith in einer Mitteilung von Swiss Ski zitiert, „denn ich war stets überzeugt, dass ich keinen Fehler gemacht habe. Gleichzeitig schmerzt es mich aber für Daniela Maier, welche nun die Leidtragende der Situation ist.“

Der Deutsche Skiverband (DSV) wurde von der Entscheidung am Rande der alpinen Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen kalt erwischt, will die Entscheidung der FIS aber nicht so stehen lassen und hatte schon vor Maiers Statement rechtliche Schritte angekündigt. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

DSV-Präsident Franz Steinle sagte der ARD: „Uns hat es etwas gewundert. Es wurde sieben Stunden lang das Bildmaterial ausgewertet, um dann zu der anderen Entscheidung zu kommen.“

Der DSV würde wohl bis zum Internationalen Sportgerichtshof CAS gehen. Was mit der Bronzemedaille geschieht, liegt abschließend in den Händen des IOC.

Der deutsche sportliche Leiter Heli Herdt hatte in Peking nach dem Urteil noch erklärt, dass Bronze sicher sei: „Die Regel für Kontakt sieht weder eine Protestmöglichkeit vor noch ist die Juryentscheidung anfechtbar.“

Behinderung von Smith laut FIS nur Warnung

Die zuständige Berufungs-Kommission der FIS nahm die Videoaufzeichnungen des Rennens nach eigenen Angaben bei vier Sitzungen über Stunden hinweg in Augenschein und überprüfte dabei auch schriftliche Aufzeichnungen.

Die als Behinderung von Smith gewertete Aktion kurz vor dem Ziel war im Wettkampf am 17. Februar mit einer Gelben Karte geahndet worden. Danach erfolgte ihre Rückstufung auf Rang vier.

Smith war kurz vor dem Ziel mit ihrem linken Ski in die Fahrlinie von Maier geraten und hatte diese dabei behindert.

Die FIS wertete dies nun jedoch als eine Berührung, „die nicht zu verhindern gewesen war“ und folglich nur eine „Offizielle Warnung“ hätte nach sich ziehen dürfen. Eine Warnung zieht allerdings laut Reglement keine weitere Sanktionierung nach sich.

Olympia: Maier begeistert mit Fairplay in Peking

Maier hatte unmittelbar nach dem Zieleinlauf großes Fairplay gezeigt und die fragliche Situation ebenfalls nicht als strafwürdig für ihre Konkurrentin angesehen.

„Nein, nein, nein, nein, nein“, rief sie während der minutenlangen Überprüfung der Szene durch die Rennjury und schüttelte immer wieder den Kopf: „Das war ganz normales Skicross.“

Der CT-Wert wird für Olympia gesenkt
Nationalstadion in Peking (Eröffnungs- und Schlussfeier)
Nationales Hallenstadion Peking (Eishockey)
Wukesong Arena Peking (Eishockey)
+8
Olympia 2022: Die Sportstätten der Olympischen Spiele 2022 in Peking

Nach Studie der TV-Bilder sagte Maier dann aber: „So sind die Regeln. Das war ein bisschen Pushing von der Fanny. Sie hat mir da schon den Speed genommen. Eine schwierige Entscheidung.“

Der Schweizer Nationaltrainer Ralph Pfäffli sprach derweil von einem „völligen Unsinn“ und kündigte an, rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Er hatte allerdings befürchtet, dass es sich um eine „Tatsachenentscheidung“ handelt.

Siegerehrung: Freudentränen bei Maier

Als Maier etwas später immer noch fassungslos auf das Siegertreppchen gestiegen war, flossen die Tränen.

„Die Leute haben heute gesehen, dass es Skicross pur war“, sagte sie kurz darauf, ehe ihr erneut die Tränen kamen und sie das Interview mit der ARD sogar für kurze Zeit unterbrechen musste. „O Gott, ich brauch einfach zwei Minuten“, rang sie um Fassung.

Dann sprach Maier über die Wartezeit und die letztendliche Entscheidung: „Meine Nerven lagen blank. Ich dachte, es war ungerecht.“

Gerecht wäre nach dem ganzen Drama wohl beiden Damen die Bronzemedaille zu geben - doch ob sich die FIS dazu durchringen kann, muss sich erst zeigen.

Alles zu den Olympischen Spielen 2022:

---

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)