Schon lange vor den Olympischen Spielen stand fest, dass Mikaela Shiffrin bei den Wettkämpfen von Peking die Schlagzeilen dominieren würde.
Ging diese TV-Übertragung zu weit? Ärger nach Shiffrins Olympia-Drama
Ging diese TV-Übertragung zu weit?
Die 26 Jahre alte US-Amerikanerin ist eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten, der größte weibliche Wintersport-Star ihrer Heimat. Eine Persönlichkeit, die Millionen Fans bewegt, nicht zuletzt auch wegen der tragischen Geschichte um ihren 2020 tödlich verunglückten Vater Jeff.
Sowohl nach dem Riesenslalom als auch nach dem Slalom stand Shiffrin dann auch im Rampenlicht - allerdings nicht als Siegerin. In beiden Wettbewerben patzte sie früh, war tragische statt strahlende Heldin.
Und für die Art und Weise, wie das US-Medienimperium NBC ihre Geschichte erzählte, steht es nun unter Rechtfertigungsdruck. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
NBC reagiert auf Vorwürfe
Der US-Sender filmte Shiffrin rund 20 Minuten lang, während diese in sich zusammengesunken an der Piste saß. Im Anschluss wurde ein emotionales Interview ausgestrahlt. Mit den Tränen der Hoffnungsträgerin in Nahaufnahme.
Schnell kam ob der bewegenden Bilder Kritik an NBC auf. Gefühlslos und sexistisch seien die Aufnahmen gewesen, heißt es von diversen Kritikern in den Sozialen Medien. Nicht wenige erinnerten an Simone Biles, die bei den Olympischen Sommerspielen aus Sorge um ihre mentale Gesundheit von den Wettkämpfen Abstand nehmen musste. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
NBC hat nun auf die Vorwürfe reagiert: Molly Solomon, Executive Producer der Olympia-Berichterstattung des Senders, rechtfertigte ihre Position in einem Interview mit der Nachrichtigenagentur AP.
„Wir haben eine Verpflichtung als Olympia-Sender, den Moment festzuhalten“, erklärte sie, es gebe kein Skript für Übertragungen dieser Art.
Shiffrin stellt alles in Frage
„Der bekannteste Ski-Star der Welt hat seine beiden besten Wettbewerbe nicht zu Ende gebracht. Dann zeigen wir, wie sie auf einem Hügel sitzt und wir analysieren das. Darauf können Sie wetten.“ Der Zuschauer erfreue sich zwar an großen Triumphen, aber die bittere Enttäuschung sei oft die mitreißendere Story: „Die Menschen können sich mit Tragödien besser identifizieren als mit allen anderen Dingen.“ (SERVICE: Der Medaillenspiegel)
Shiffrin stand nach ihrem zweiten verpatzten Rennen rund 45 Minuten lang an diversen Mikrofonen Rede und Antwort, unter anderem auch dem deutschen Rechteinhaber ZDF. Sie stellte dabei ihr komplettes Sportler-Leben in Frage, die „letzten 15 Jahre, alles was ich über mein eigenes Skifahren und den Slalom und die Fahrmethoden zu wissen glaubte.“
Mit Tränen in den Augen entschuldigte sie sich bei ihren Fans für die gezeigte Leistung - und zeigte sich auch bedrückt, dass ihr verstorbener Vater sie nicht mehr trösten könne. (DATEN: Alle Ergebnisse bei Olympia 2022)
NBC-Producerin weist Sexismus-Vorwurf zurück
Dass die Darstellung der Medaillenjägerin empathielos gewesen sei, wollte Solomon nicht gelten lassen. Auch der Sexismus-Vorwurf sei in ihren Augen nicht zutreffend.
„Jetzt sind wir hier in 2022 angekommen und es gibt bei der Berichterstattung über Frauen eine Doppelmoral“, sagte die NBC-Producerin. Man solle den Frauen-Sport aus derselben Perspektive analysieren wie den der Männer. „Ich habe darüber lange nachgedacht. Wenn Joe Burrow oder Matthew Stafford (NFL-Quarterbacks, Anm.) 22 Minuten nach dem Super Bowl an der Seitenlinie sitzen, können Sie darauf wetten, dass die Kameras drauf bleiben.“ (DATEN: Der Zeitplan von Olympia 2022)
Shiffrin habe bereits drei Goldmedaillen gewonnen. Natürlich stehe sie bei den Spielen von Peking im Mittelpunkt: „Ich gehe davon aus, dass sie das auch will.“
Am Donnerstag gab Shiffrin nun allerdings bekannt, dass sie bis auf weiteres nicht mehr mit der Presse sprechen wolle. Dasselbe gelte für ihre Mutter und Trainerin Eileen.
Nachdem sie am Freitag beim Super-G ihr erstes Rennen der Spiele zu Ende brachte (sie wurde Neunte) könnte sie noch um zwei weitere Medaillen kämpfen. Um dann doch die Geschichte zu schreiben, für die sie eigentlich nach Peking gereist ist.