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Olympia 2026: Der "Blutpanscher"-Eklat hat Folgen!

„Blutpanscher“-Eklat hat Folgen

Nach den Vorwürfen zu möglichen Missständen im deutschen Skibergsteig-Team bittet einer der Beschuldigten um seine Freistellung. Auch die Staatsanwaltschaft Turin leitet ein Ermittlungsverfahren ein.
Hermann Gruber bat beim DAV um seine Freistellung
Hermann Gruber bat beim DAV um seine Freistellung
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Nach den Vorwürfen zu möglichen Missständen im deutschen Skibergsteig-Team bittet einer der Beschuldigten um seine Freistellung. Auch die Staatsanwaltschaft Turin leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

Der Sportliche Leiter des Skibergsteig-Teams, Hermann Gruber, wurde vom Deutschen Alpenverein (DAV) nach Vorwürfen zu möglichen Missständen bei medizinischen Tests vor den Olympischen Spielen - Stichwort „Blutpanscherei“ - freigestellt.

Gruber bat laut DAV selbst um diese Entscheidung: „Diese Freistellung erfolgt im Interesse einer transparenten und ungestörten Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft Traunstein sowie im Sinne der Athletinnen und Athleten“, heißt es in einem Statement.

Die Staatsanwaltschaft wiederum gab an, dass in dem Fall eine Anzeige geprüft werde. Es gebe einen Anfangsverdacht, „dass die Beschuldigten eine verfolgbare Straftat begangen haben“, sagte ein Sprecher laut der Bild-Zeitung. Es soll sich um zwei Beschuldigte handeln.

Schwere Vorwürfe stehen im Raum

Zum Hintergrund: Die Sportart Skibergsteigen hatte jüngst ihre olympische Premiere gefeiert.

Während der Spiele veröffentlichte die ARD einen Bericht, in dem die Skibergsteiger Felix Gramelsberger und Sophia Weßling öffentlich über Missstände bezüglich Hygiene- und Sicherheitsstandards bei Leistungstests gesprochen hatten.

Außerdem machten sie öffentlich, dass sie gegen Gruber und den ehemaligen Bundestrainer Maximilian Wittwer bereits Anzeige gestellt hatten.

Konkret geht es bei den Strafanzeigen um die Vorwürfe gefährlicher Körperverletzung, fahrlässiger Körperverletzung, Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung und Nötigung.

Eine „wahnsinnige Blutpanscherei“

Wie die ARD berichtete, sei den Athletinnen und Athleten im April 2024 bei Leistungstests am Olympiastützpunkt Chiemgau in Ruhpolding bis zu 60 Mal innerhalb weniger Stunden Blut aus dem Ohrläppchen entnommen worden sein. Dabei seien grundlegende Hygienestandards missachtet worden.

So hätten die Helfer aus Mangel an Einmalhandschuhen bei mehreren Athleten bereits benutzte Handschuhe verwendet. Ein im Anschluss angefertigtes Rechtsgutachten bestätigt diese Vorwürfe.

„Es war irgendwann einfach nur noch tierisch schmerzhaft“, sagte Weßling. Und ihr Kollege Gramelsberger sprach von einer „wahnsinnigen Blutpanscherei.“ An den Handschuhen sei noch das Blut anderer Athleten zu sehen gewesen, „und damit haben sie dann in die Einstichstellen gedrückt“, sagt Gramelsberger: „Dadurch bestand einfach ein erhebliches Infektionsrisiko.“

Kritische Athleten nicht mehr im Elite-Kader

Die Athleten kämpfen nun schon seit zwei Jahren gegen die Missstände im DAV. Mit der jetzigen Freistellung von Gruber scheint sich auch strukturell etwas zu verändern.

„Nachdem ich Kritik an der Studie geäußert hatte, bekam ich einen sehr unschönen Anruf des damaligen Bundestrainers. Er sagte, er finde es nicht richtig, dass ich andere Athleten aufwiegele“, erzählte Gramelsberger. Ihm wurde laut eigenen Angaben sehr deutlich gemacht, dass er Kritik zu unterlassen habe.

Auffällig ist: Gramelsberger und Weßling erhielten in der folgenden Saison keinen Platz mehr im Elite-Kader und fehlen damit auch im deutschen Olympia-Aufgebot. Der Verband betonte, dass dieser Zurückstufung der beiden Athleten ausschließlich sportliche Gründe zugrunde lägen. An dieser Begründung haben die betroffenen Athleten ihre Zweifel.