Eishockey-Star Leon Draisaitl schwenkte beherzt die deutsche Fahne in Mailand, Katharina Schmid ließ Schwarz-Rot-Gold vor den Skisprungschanzen in Predazzo regelrecht fliegen: Die ersten Winterspiele in Europa seit 20 Jahren und die am weitesten verzweigten in der olympischen Geschichte sind nach einer opulenten, knalligen Show feierlich eröffnet.
Olympia 2026: Die Winterspiele sind eröffnet
Olympische Winterspiele eröffnet
Italiens Präsident Sergio Mattarella sprach um 22.51 Uhr in der Fußball-Oper von San Siro im Beisein von rund 50 Staatsgästen um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die traditionelle Eröffnungsformel. Zuvor hatten Weltstars wie US-Diva Mariah Carey („Volare“) vor den Zuschauern auf den nicht komplett gefüllten Rängen geschmettert und geschmachtet.
8000 Einsatzkräfte im Einsatz
„Durch euch sehen wir das Beste in uns. Wir können aufstehen, egal wie hart wir gefallen sind. Wir sind alle eins. Möge die Flamme Hoffnung und Freude entfachen“, sagte Kirsty Coventry, die Nachfolgerin von Thomas Bach an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees, in ihrer Rede an die Adresse der Athletinnen und Athleten – und verlieh einmal mehr ihrer Hoffnung Ausdruck auf 16 spektakuläre Entscheidungstage, in denen die globalen Krisen ein wenig in den Hintergrund rücken mögen. Das gelang schon am Freitag im Rahmen der Show unter dem Motto „Armonia“ (Harmonie) nicht immer: Als Israels Delegation einlief, setzte es laute Pfiffe und Buhrufe.
6000 Polizisten und 2000 Militärangehörige waren rund um die Zeremonien im Einsatz, nachdem - zusätzlich zu den Protesten gegen den Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE zum Schutz von US-Vizepräsident JD Vance - bekannt wurde, dass Russland Cyberattacken auch auf Standorte der Winterspiele lanciert hatte.
Draisaitl vom Einlauf überwältigt
Um 21.18 Uhr führten Olympia-Debütant Draisaitl (30) sowie die siebenmalige Skisprung-Weltmeisterin Schmid (29) das Gros der 130 deutschen Athletinnen und Athleten beim Einzug an. Draisaitl war hellauf begeistert: „Das ist ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Wahrscheinlich der größte Moment in meinem Leben bis jetzt.“
Passend zur Modemetropole Mailand liefen im Herzen des Stadions in San Siro vier Laufstege zu einer Bühne zusammen. Die Feier enthielt wie üblich viele nationale Elemente. Rund 1250 Freiwillige wirkten auf den Bühnen mit, weitere 700 hinter den Kulissen.
Deutsche Rekord-Teilnehmeranzahl
Weitere Feiern fanden parallel im Alpen-Kleinod Cortina und in Livigno statt – wobei diese und die in Predazzo im Vergleich zur Hauptzeremonie minimalistisch gehalten waren und ohne jegliche Elemente zu Oper, Italo-Pop, Malerei, Schauspiel, Mode, Kulinarik oder Historie auskamen. Viele Zuschauer in den Nebenorten verließen ihre Plätze vorzeitig.
Insgesamt ist Team D mit der Winter-Rekordzahl von 185 Sportlern in Norditalien vertreten. Das erklärte Ziel ist, nach den 116 Wettbewerben bis zur Schlussfeier am 22. Februar einen der ersten drei Plätze im Medaillenspiegel einzunehmen. 2022 in Peking standen zwölf Goldmedaillen und Rang zwei hinter Norwegen zu Buche.
Die Anziehungskraft Olympias für die Sportler ist ohnehin ungebrochen, ungeachtet der großen Entfernungen. Bestes Beispiel ist der für die Edmonton Oilers in der NHL spielende Draisaitl, der erst am Freitagmorgen nach einem Zwölf-Stunden-Flug in Mailand gelandet war. Die Reise soll sich nicht nur für ihn lohnen.