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Olympia-Eklat: Der deutsche Verband hätte hier besser geschwiegen

Das ist ein zusätzliches Ärgernis

Es ist eine Disqualifikation, die erhitzt und bewegt. Zwei Seiten finden nicht zusammen – der ukrainische Skeletonfahrer Heraskewytsch und das IOC. Der DOSB hätte zum Thema besser geschwiegen. Ein Kommentar.
Der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch ist wegen seines Gedenk-Helms vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Auf seinem Instagram-Kanal hatte er sich kurz zuvor selbst zu Wort gemeldet - mit einer Botschaft, die die nahende Eskalation verdeutlichte.
Es ist eine Disqualifikation, die erhitzt und bewegt. Zwei Seiten finden nicht zusammen – der ukrainische Skeletonfahrer Heraskewytsch und das IOC. Der DOSB hätte zum Thema besser geschwiegen. Ein Kommentar.

Die Tränen von Kirsty Coventry zeigen den ganzen Zwiespalt. Man darf der neuen IOC-Chefin abnehmen, dass sie keine Krokodilstränen vergossen hat, sondern dass sie die Disqualifikation des ukrainischen Skeletonfahrers Wladyslaw Heraskewytsch in ein echtes Dilemma gestürzt hat.

Der Ausschluss Heraskewytschs vom olympischen Wettbewerb wegen seines umstrittenen Gedenk-Helms wirkt wie ein grausam-kühler und unmenschlicher Akt. Ist er trotzdem nachvollziehbar, war er womöglich sogar unumgänglich?

Es gibt mehrere Sichtweisen! Das IOC pocht auf die Olympische Charta, die Meinungsäußerungen unmittelbar beim Wettkampf untersagt. Heraskewytsch verweist darauf, dass andere Sportler auf der Olympia-Bühne ebenfalls an Verstorbene erinnert hatten, prangert eine „ungleiche Behandlung“ an und wirft dem IOC eine pro-russische Haltung vor.

Zu berücksichtigen ist, dass das IOC Heraskewytsch weit entgegengekommen ist. Er durfte seinen Helm bei den Trainingsläufen tragen, er hätte ihn auch wieder in der Mixed-Zone tragen können – nur eben beim Rennen selbst nicht.

Disqualifikation! Seine Haltung ist bewundernswert

Heraskewytsch wollte sich darauf nicht einlassen. Seine Haltung ist bewundernswert. Ein Sportler hat seine Ideale über die Chance auf eine olympische Medaille gestellt.

Schwierig bleibt die Entscheidung des IOC auch in einem anderen Kontext. Bei einem olympischen Gipfel im Dezember in Lausanne wurde die Rückkehr russischer und belarusischer Athleten unter eigener Flagge bei internationalen Jugendwettbewerben empfohlen – gültig etwa bei den Olympischen Jugendspielen 2026 im Oktober und November in Dakar. Es verfestigt sich der Eindruck: Da wird gerade eine Tür geöffnet für eine Rückkehr.

Ein zusätzliches Ärgernis in dieser so vertrackten Gemengelage lieferte aber der Deutsche Olympische Sportbund. In einem Statement unterstützte er die Entscheidung des IOC – und platzierte darin den merkwürdigen Absatz, es sei „ein starkes Zeichen, dass ukrainische Athletinnen und Athleten an diesen Spielen teilnehmen können. Das ist vier Jahre nach dem Überfall Russlands auf ihr Heimatland auch ein wichtiges Signal der Widerstandskraft des ukrainischen Volkes.“

Deplatzierter Kommentar zum Helm-Ärger

Was, bitte schön, soll das bedeuten? Dass die ukrainischen Sportlerinnen und Sportler einfach mal froh und dankbar sein sollten, noch zu leben und bei Olympia dabei zu sein? Dass ein Verhalten wie das von Wladyslaw Heraskewytsch undankbar ist?

Dieses Statement ist seltsam und deplatziert – der DOSB hätte hier besser geschwiegen.