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Kann er es tatsächlich noch einmal schaffen?

Die deutsche Olympia-Bank ist zurück

Rechtzeitig vor Olympia meldet sich Andreas Wellinger nach Monaten der Krise zurück. Das Stehaufmännchen unter den DSV-Adlern war bislang so etwas wie die sichere deutsche Bank bei Winterspielen. Kann er nochmal glänzen?
Die Olympischen Winterspiele 2026 finden in Mailand und Cortina statt. Aber auch andere Orte in Italien werden zum Schauplatz der Wettkämpfe. Hier gibt's alle Austragungsorte im Überblick.
Rechtzeitig vor Olympia meldet sich Andreas Wellinger nach Monaten der Krise zurück. Das Stehaufmännchen unter den DSV-Adlern war bislang so etwas wie die sichere deutsche Bank bei Winterspielen. Kann er nochmal glänzen?

Andreas Wellinger war die Erleichterung deutlich anzumerken. „Das tut verdammt gut. Das ist sehr, sehr gut für die Seele. Das waren endlich mal wieder Sprünge, die sich leicht anfühlen“, sagte Wellinger SPORT1.

Beim Heim-Weltcup in Willingen, der Generalprobe für die Olympischen Spiele, war dem 30-Jährigen mit den Plätzen sechs und acht der Befreiungsschlag nach einer so hartnäckigen Krise eindrucksvoll gelungen. Insbesondere sein letzter Sprung auf 150,5 Meter hinterließ mächtig Eindruck. Noch weit nach dem Ende des Wettkampfs genoss er das Bad in der Menge, schrieb Autogramme, machte gelöst Selfies mit den deutschen Skisprung-Fans.

Wellinger hatte gelitten in dieser Saison. Im Gesamtweltcup findet man ihn abgeschlagen, bei der Vierschanzentournee landete er auf Rang 36. Für die Skiflug-WM in Oberstdorf war er gar nicht berücksichtigt worden, kam lediglich als Vorspringer zum Einsatz – eine Demütigung. „Es waren lange, harte Wochen und Monate“, gestand Wellinger.

Wellinger gilt als deutsche Olympia-Bank

Aber Wellinger ist ein Kämpfer. Akribisch hat er an jedem Detail gearbeitet, mit Erfolg. Der Heim-Weltcup in Willingen war so etwas wie die Blaupause vergangener Jahre. 13 Jahre ist es her, da flog Wellinger mit der Mannschaft als 17-Jähriger aufs Podium. 2017 und 2024 triumphierte er dort im Einzel. Und auch im Vorjahr meldete sich Wellinger in Willingen zurück, ehe er bei der WM zu Silber sprang.

Es ist nicht auszuschließen, dass Willingen auch diesmal ein Booster für Wellinger sein kann. Anders als Karl Geiger, dem anderen Sorgenkind der DSV-Adler, der es am Samstag sogar auf Platz drei schaffte, kann sich Wellinger auch bei Olympia in Italien beweisen.

Und er weiß im richtigen Moment zu performen. Wenn er bei Winterspielen am Start war, kehrte er immer mit einer Goldmedaille zurück - 2014 in Sotschi gewann er als 18-Jähriger mit dem Team, 2018 in Pyeongchang im Einzel von der Normalschanze. Olympia 2022 in Peking verpasste er wegen einer Corona-Infektion. Ein erneuter Gold-Coup von Wellinger käme bei der Dominanz eines Domen Prevc zwar einem Wunder gleich, doch eine Überraschung dahinter ist Wellinger plötzlich zuzutrauen – auch wenn beim Gradmesser in Willingen einige Top-Springer fehlten.

Wellinger: „Wenn ich es hinkriege, bin ich vorne dabei“

Sein unnachahmliches Fluggefühl ist jedenfalls zurück. Die Sprünge fühlen sich „wieder flüssig“ an, „der Körper leicht“, sagte Wellinger in Willingen. So recht traut er der gelungenen Olympia-Generalprobe noch nicht, dazu lag zuvor allzu viel im Argen. Es ist ein brüchiges Gebilde. „Ein kleiner Fehler und ich lande auf Platz 30“, weiß Wellinger: „Wenn ich es aber hinkriege, bin ich vorne dabei.“