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"Das wäre dramatisch": Olympia-Legenden reagieren auf Schock-Bericht

Olympia-Aus? Legenden reagieren

Bob, Rodeln und Skeleton könnte das Olympia-Aus drohen. Bei SPORT1 ordnen mehrere Eiskanal-Größen die Gerüchte ein und erklären, was ein Olympia-Aus für die Sportarten bedeuten würde.
Nach den Olympischen Winterspielen 2026 beendet Johannes "Hansi" Lochner seine aktive Sportlerkarriere. In Zukunft fährt er nur noch den Taxi-Bob am Königssee.
Bob, Rodeln und Skeleton könnte das Olympia-Aus drohen. Bei SPORT1 ordnen mehrere Eiskanal-Größen die Gerüchte ein und erklären, was ein Olympia-Aus für die Sportarten bedeuten würde.

Brechen für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Zukunft ein Großteil der Medaillenchancen weg?

Bewahrheitet sich der Bericht des seriösen Insiders Duncan Mackay, könnte dem DOSB tatsächlich ein solches Schockszenario drohen.

MackKay schreibt in seinen „Zeus Files“, dass die Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton der Neuordnung des olympischen Programms zum Opfer fallen könnten.

Die deutschen Schlittensportler hatten in Cortina d’Ampezzo 19 von 26 Medaillen, davon sechs der acht goldenen, gewonnen.

„Das sind keine Nachrichten, die einen beruhigt schlafen lassen“, erklärte Rodel-Legende Georg Hackl im Gespräch mit SPORT1.

Grund für die Überlegungen soll das schlechte Abschneiden der Sportarten in den Kategorien Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit sein.

Zumindest für die beiden anstehenden Olympischen Spiele ist Hackl noch positiv gestimmt, da es in Frankreich und in Salt Lake City bereits einen Eiskanal gebe: „Danach steht das alles in den Sternen.“

Bob-Legende Langen: „Für mich sind das nur Gerüchte“

Deutlich entspannter sieht Bob-Legende Christoph Langen die Berichte zu einem drohenden Olympia-Aus.

„Für mich sind das nur Gerüchte. Ich mache mir deshalb weniger Sorgen und gehe davon aus, dass ich 2030 auf jeden Fall an der Bahn in Frankreich stehe“, sagte der Olympiasieger von 1998 und 2002 bei SPORT1.

Ähnlich sieht es auch der Vorstandsvorsitzende des Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD), Thomas Schwab. Er mache sich zwar „immer Sorgen“ um seine Sportart, aber dies sei in seiner Position auch ganz normal.

„Aber diese Gerüchte reißen mich jetzt auch nicht direkt vom Hocker, weil das eine Debatte ist, an der wir teilnehmen und wo wir uns konstruktiv mit dem IOC auseinandersetzen“, erklärte Schwab bei SPORT1.

Funktionär deutlich: „Kann die Debatte nicht verstehen“

Der 63-Jährige könne die „Eiskanal-Debatte nicht ganz verstehen. Zum einen zählen die Disziplinen zu den Olympischen-Kernsportarten, zum anderen haben wir im Bob, Rodel und Skeleton die beste olympische Nachnutzung aller Wintersportarten.“

Es gebe natürlich „Leichen im Keller“, wie beispielsweise die Bahn der Olympischen Spiele 2006 in Turin. Dem würden aber die Bahnen in Salt Lake City, Whistler, Korea, China und auch Albertville gegenüberstehen - und auch jene in Sotschi, bevor es zum Krieg Russlands gegen die Ukraine kam.

„Ob überall noch Biathlon-Weltcups stattfinden, Ski gesprungen wird oder Ski gefahren wird, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube, das kann keine andere Sportart überhaupt vorweisen“, erklärte der BSD-Vorstandsvorsitzende. „Natürlich muss sich auch unsere Sportart dem Thema Nachhaltigkeit widmen. Das machen wir auch. Wir sind eine der wenigen Sportarten, die über den ganzen Winter von den Eiskanälen bis zu den Transportwegen ihren CO₂-Fußabdruck messen können.“

Bob-Größen sehen kein Problem der Nachhaltigkeit

Zudem werde man versuchen, auch den Sportkalender des Weltcups an die jeweiligen Bedingungen an den Orten anzupassen: „Wir können feststellen, ob es besser ist, im November an dem Ort zu beginnen oder im Dezember dort. Zudem entwickeln wir weitere Konzepte, mit denen wir unsere Sportart noch nachhaltiger gestalten können.“

Eines dieser Konzepte wäre, in Zukunft noch mehr Eisbahnen rein aus Schnee zu erschaffen, so wie es beim Weltcup in St. Moritz schon seit Jahrzehnten passiert: „Ich kann mir auch vorstellen, dass man eine Bobbahn aus Eis und Schnee überall in einer entsprechenden Höhe bauen kann, wenn man die mit temporären Kühlmatten künstlich unterstützt.“

Auch Langen sieht den Bobsport gut aufgestellt: „Fortschritt ist immer wichtig und neue Technologien spielen hier eine wichtige Rolle. Beispielsweise generieren die deutschen Bobbahnen in Altenberg und Winterberg schon zu großen Teilen grünen Strom.“

Hackl sieht ganz andere Probleme im Bob- und Rodelsport

Geht es nach Rodel-Legende Georg Hackl, gibt es inzwischen zu wenige Startplätze bei Olympia.

„In der Sportart Rodeln hat es zum Beispiel geheißen, dass man Damen Doppelsitzer einführen muss, damit man überall eine Gleichberechtigung hat zwischen Männern und Frauen“, erklärte Hackl bei SPORT1: „Das IOC hat aber gleichzeitig die Gesamtzahl der zugelassenen Athleten in unserer Sportart nicht erhöht.“

Die Rodel-Legende sagte weiter: „Wir machen das sehr gerne mit den Damen. Wir haben das ja auch sehr erfolgreich auf den Weg gebracht. Es ist bei Olympia jetzt toll gelaufen, aber es müsste die Athleten-Zahl erhöht werden.“

Hackl befürchtet, dass dem Sport etwas verloren gehen könnte: „Das bedeutet, dass von jeder Disziplin Sportler weggezwackt werden, um die Damen-Doppelsitzer-Disziplin aufzufüllen. Die Athleten, die Olympia bunt machen, beißen dadurch ins Gras. Wenn man dann sieht, was das IOC mit Olympischen Spielen an Geldern einnimmt, es dann aber darum geht, ob man 20 Sportler jetzt mehr oder weniger mitnimmt, dann fehlt mir da doch das Verständnis“, kritisierte Hackl.

Hackl: „Sportler aus kleinen Nationen bleiben auf der Strecke“

Laut der Rodel-Legende droht ein wichtiger Teil der olympischen Kultur zu verschwinden: „Die Sportler von kleineren Nationen, die diesen großen Olympia-Traum haben, bleiben dadurch auf der Strecke. Sportler, die die Sportart betreiben, um einmal bei Olympia dabei zu sein, haben so kaum mehr Chancen auf eine Teilnahme. Dadurch fehlen genau die Sportler, die den Olympic-Dream leben und einmal die Fahne ins Stadion reintragen wollen.“

Ähnlich sieht es Langen, auch wenn er zumindest noch im Bobsport genug Exoten sieht: „Wir haben mehrere Nationen aus verschiedenen Kontinenten dabei - wie Jamaika, Brasilien oder Australien -, die keine klassische Wintersporttradition haben.“

Besonders erfreulich: „Diese Nationen betreiben den Sport inzwischen sogar auf einem relativ hohen Niveau. Speziell Brasilien, das es bei der Weltmeisterschaft sogar unter die Top 15 geschafft hat.“

Trotzdem dürften aber auch die Top-Athleten nicht auf der Strecke bleiben. Deshalb wünscht er sich ähnlich wie Hackl: „Es muss eine gute Mischung sein. Also es dürfen jetzt keine Plätze dafür von den Top-Athletinnen und Top-Athleten gestrichen werden.“

Olympia-Aus? „Wäre dramatisch“

Eine solche Anpassung wäre klar im Sinne des olympischen Geistes, den auch die Eiskanal-Sportarten definitiv weiter erleben wollen, da sind sich alle drei einig.

„Ohne Olympia würde es für die Sportart schwer werden. Dann wird es keine Fördergelder mehr geben, man wird keine Sponsoren mehr haben, es wird keine TV-Übertagung mehr geben und dann gehen eigentlich die Lichter aus. Das steht und fällt mit dem Status, olympisch zu sein, ganz klar“, wird Hackl deutlich.

Dem schließt sich Schwab an: „Das wäre natürlich dramatisch!“ Noch sehe er das Problem aber „überhaupt nicht. Da stehen noch ganz andere Sportarten zur Debatte.“

Und auch Langen ist hoffnungsfroh: „Wir haben so viel Tradition und auch so viele Sportstätten, dass es weitergehen würde. Ich mache mir aber keine großen Gedanken darüber, weil ich weiß, dass wir gut aufgestellt sind.“