Georg Hackl gehörte ohnehin schon zu den größten Rodlern seiner Zeit. Nach seinen beiden Gesamtweltcup-Siegen in den Wintern 1988/89 und 1989/90 musste er dennoch häufig anderen den Vortritt lassen – oft dem Österreicher Markus Prock, regelmäßig auch dem Italiener Armin Zöggeler. Doch wenn es um die Olympischen Spiele ging, schien Hackl immer noch eine zusätzliche Schippe drauflegen zu können.
Olympia: Ein Perfektionist, der eine deutsche Sport-Legende wurde
Der endgültige Aufstieg zur Legende
Seine Erfolgsbilanz spricht für sich: Gold bei den Winterspielen 1992 in Albertville, erneut Gold 1994 in Lillehammer – und dann jener Tag, der Hackl endgültig zur Legende seiner Sportart machte: der 9. Februar 1998, heute vor 28 Jahren. Bei den Olympischen Winterspielen in Nagano gewann der damals 31-Jährige die Goldmedaille im Einsitzer der Herren – sein dritter Triumph in Folge.
Besonders beeindruckend war dabei die Art und Weise, wie Hackl in Nagano dominierte. Zweifel darüber, wer auf Platz eins landen würde, ließ er nie aufkommen: In jedem Durchgang fuhr er die Laufbestzeit, verwies Zöggeler mit fast einer halben Sekunde Vorsprung auf Rang zwei – im Rodeln sind das gigantische Dimensionen. Bronzemedaillengewinner Jens Müller lag bereits über sechs Zehntelsekunden zurück, Prock büßte sogar unglaubliche 1,2 Sekunden auf Hackl ein.
Olympia-Ikone Hackl gilt als Perfektionist
Neben seinen Goldmedaillen hatte der Berchtesgadener bereits 1988 in Calgary Silber gewonnen. 2002 folgte in Salt Lake City hinter Zöggeler eine weitere Silbermedaille. Bis heute ist Hackl mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen der erfolgreichste Rodler in der Geschichte der Olympischen Spiele. Hinzu kommen insgesamt zehn Weltmeistertitel – drei im Einzel, sieben im Team – sowie sieben Europameistertitel und 33 Weltcupsiege.
Hackl zeichnete sich nicht nur durch seine Präzision auf der Bahn aus – auch abseits der Strecke war er ein akribischer Tüftler. Kein Detail entging seiner Aufmerksamkeit. Wie der Spiegel 1998 berichtete, investierte er „Tage und Wochen“, um seinen Schlitten bis ins kleinste Detail zu optimieren.
Hackl trieb die zunehmende Technisierung des Rodelns entscheidend voran. Der Weltverband FIL konnte den Trend nicht aufhalten, setzte aber immerhin Grenzen, um die rasante technische Entwicklung etwas zu dämpfen.
„Den Schlitten, mit dem ich früher in Nagano sehr schnell war, kann ich heute nicht mehr fahren, weil dessen Dämpfung inzwischen verboten wurde“, erklärte der Perfektionist im Jahr 2004. Dennoch hielt ihn das Tüfteln nicht auf. Eine Nervenentzündung im linken Arm machte ihm jedoch bei seinen letzten Winterspielen 2006 in Turin zu schaffen. Schlechte Startzeiten raubten ihm die Chance auf eine Medaille: Im letzten Einzelrennen seiner außergewöhnlichen Karriere belegte Hackl nur Rang sieben.
Olympia: Hackl will Traineramt niederlegen
Nach mehreren Jahren als Techniktrainer beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland ist Hackl seit dem 1. Mai 2022 Teil des Trainerteams des Österreichischen Rodelverbands. Bei den Vorbereitungen auf die entscheidenden Läufe der laufenden Olympischen Spiele kam es jedoch zu einem Zwischenfall: Hackl stürzte und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Das bestätigte der 59 Jahre alte „Schorsch” Hackl am Sonntag der Bild.
„Ich wollte mir das Training meiner Rodler anschauen“, berichtete Hackl: „Ich bin auf einen Weg gegangen und ein wenig hochgeklettert, um auf die Bahn zu gucken. Das ist ja mein Job.“ Dann sei „dummerweise unter mir etwas weggebrochen und ich bin aus 1,80 Meter auch auf den Kopf gefallen. Ich habe mir mindestens die Schulter ausgerenkt, jetzt muss ich ins Krankenhaus.“ Später kehrte er dann zurück an die Strecke, um bei der Medaillenvergabe dabei zu sein.
Er sei „medizinisch hervorragend versorgt worden und bekommt Schmerzmittel. Es ist einigermaßen erträglich“, sagte Hackl dem ZDF.
Für ihn sind die Winterspiele in Italien gleichzeitig das letzte große Sportereignis seiner Karriere. Bereits im Dezember 2025 hatte Hackl angekündigt, das Traineramt nach der aktuellen Weltcupsaison niederzulegen und künftig nicht mehr im Spitzensport tätig sein zu wollen.