Giovanni Franzoni ist Italiens neuer Stern am Ski-Himmel. Der 24-Jährige startete als Neunter des Gesamtweltcups bei den Olympischen Spielen 2026 im eigenen Land und fuhr mit der Silbermedaille in der Abfahrt einen großen Erfolg ein.
Olympia: "Respektlos!" Nett gemeinte Geste führt zu schweren Vorwürfen
Geste führt zu schweren Vorwürfen
Diese widmete Franzoni seinem verstorbenen Teamkollegen und engen Freund Matteo Franzoso, der im September bei einem Trainingsunfall in Chile ums Leben kam. Eine eigentlich schöne Geste mit traurigem Hintergrund, die jedoch einen öffentlichen Streit auslöste.
Der Vize-Olympiasieger hatte Franzoso in der Vergangenheit immer wieder als „Bruder“ bezeichnet und sich dessen letzte Zwischenzeit vor dem tragischen Unfall – 28″51 – tätowieren lassen.
Olympia: Schwere Vorwürfe gegen Franzoni
Auf Instagram erhob Michele Franzoso, der Bruder des Verunglückten, nun schwere Vorwürfe, ohne dabei einen Namen zu nennen. Dennoch gingen italienische Medien schnell davon aus, dass sich diese an Franzoni richteten.
„Jemand behauptet, sein Bruder zu sein, aber sein einziger Bruder bin ich. Ich war auf der Beerdigung, jemand anderes nicht“, schrieb Michele Franzoso und fügte hinzu: „Das ist respektlos und sehr egoistisch.“ Auch Matteo Franzosos Mutter Olga verbreitete das Video weiter.
Ein harter Vorwurf, den der Zwillingsbruder des Beschuldigten, Alessandro Franzoni, nicht einfach im Raum stehen lassen wollte.
Franzonis Bruder: „Ein solches Verhalten bringt ihn nicht zurück“
„Er wollte weitermachen, um nicht nachzudenken, aber vor allem, um die Ziele zu erreichen, von denen Matteo und Giovanni gemeinsam geträumt haben. Er macht weiter, weil sie beide diese Leidenschaft für diesen Sport hatten, um seinen Verlust zu ehren“, erklärte Alessandro Franzoni in einem Kommentar unter dem Beitrag und begründete damit die Entscheidung seines Bruders, nach dem Unfall in Chile zu bleiben.
„Ein solches Verhalten bringt ihn nicht zurück. Er könnte auf die bestmögliche Art in Erinnerung gehalten werden. Doch Sie machen das nicht“, kritisierte Alessandro Franzoni und mahnte weiter: „Sie sollten sich darüber freuen, was Giovanni gemacht hat. Stattdessen sorgen Sie nur für noch mehr Schmerz und Wut.“
Während der Beerdigung habe er der Familie zudem einen diktierten und handgeschriebenen Brief sowie Blumen überreicht.
Sätze wie diese seien laut seinem Bruder Alessandro keinesfalls gefallen, um mediale Aufmerksamkeit zu erregen. „Es geht darum, den Namen eines Freundes hochzuhalten. Es geht darum, allen in Erinnerung zu rufen, was für ein großartiger Mensch er war. Ihn auf die bestmögliche Weise zu würdigen. Und welcher Moment wäre besser geeignet als die Siege, von denen beide geträumt haben?“, kommentierte er die Vorwürfe.
Giovanni Franzoni hatte bereits vor Olympia seine Weltcupsiege in Wengen und Kitzbühel in Gedenken an seinen Freund gefeiert. „Es war ein besonderer Tag. Am Start hatte ich Matteo im Kopf, weil wir im vergangenen Jahr alles geteilt haben und es mein erstes Mal in Kitzbühel war“, sagte der Ski-Star nach dem Triumph auf der Streif.
Skiverband in der Kritik: „Es gab keine Schutzvorrichtungen“
Inzwischen hat sich auch Marcello Franzoso, der Vater des Verstorbenen, in einem Interview mit der italienischen Zeitung Repubblica geäußert. Auch er übte Kritik an Franzoni, der die Beerdigung seines Sohnes nicht besucht hatte.
„Franzoni war nicht dabei, weil sich fünf Teammitglieder dafür entschieden hatten, in Chile zu bleiben und zu trainieren. Genau das können wir bis heute nicht wirklich akzeptieren“, erklärte Marcello Franzoso.
Dennoch versuchte er, die Situation zu beschwichtigen. „Es soll klar sein: Franzoni trägt keine Schuld – es war die Reaktion eines Jungen, der seinen Bruder verloren hat. Aber warum hat er uns nie angerufen, sondern uns schreiben lassen?“
Darüber hinaus erhob der Vater schwere Vorwürfe gegen den Skiverband. Während sich die Familie vom Verband vergessen fühle, sagte er: „Das eigentliche Problem bleibt jedoch die Haltung des Verbandes. Sie wollen das, was Fahrlässigkeit war, als Zufall darstellen. Auf dieser Bahn gab es keine Schutzvorrichtungen, nicht einmal die Mindestanforderungen an die Sicherheit wurden erfüllt. Wir wollen Gerechtigkeit und eine Entschuldigung.“